„Geringste Einschränkung“

Vorarlberg / 18.02.2022 • 22:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nach der Rückkehr aus den Ferien können Schülerinnen und Schüler an ihren Sitzplätzen auf die Masken verzichten.  APA/Hans Punz
Nach der Rückkehr aus den Ferien können Schülerinnen und Schüler an ihren Sitzplätzen auf die Masken verzichten.  APA/Hans Punz

Masken-Aus für Schüler sorgt für Kritik. Experte Fidler rät zum Fahren auf Sicht.

schwarzach Am Montag kehren die Vorarlberger Schülerinnen und Schüler wieder in ihre Klassen zurück – mit neuen Regeln. Am Sitzplatz sind sie von der Maskenpflicht befreit. Die Lockerung dieser Corona-Auflage sorgte für Kritik, etwa von Mitgliedern der gesamtstaatlichen Krisenkoordination Gecko. Auch Gesundheitsexperte Armin Fidler hält fest, dass es sich dabei um eine politische Entscheidung handle. Was die Teststrategie angeht, rät er zur Reflexion über die Folgen.

Gecko-Mitglieder äußerten Zweifel

In dieser Woche hatten sich unter anderen bereits der Rotkreuz-Kommandant Gerry Foitik, Virologe Andreas Bergthaler und Simulationsforscher Nikolaus Popper – alle Teil von Gecko – gegen das Teil-Ende der Maskenpflicht in den Schulen ausgesprochen. „Masken sind gelinde, günstige und effektive Mittel, um Infektionen zu vermeiden“, bekräftigte Foitik.

Public-Health-Experte Fidler spricht ebenfalls von einer gelinden Vorgabe: „Die Masken sind die geringste Einschränkung von persönlicher Freiheit.“ Zudem hätten gerade Kinder sehr schnell und spielerisch gelernt, damit umzugehen. „Andererseits müssen die Maßnahmen immer der gegebenen epidemiologischen Situation angepasst werden. Wenn das Systemrisiko als relativ gering prognostiziert wird, kann man sie zurücknehmen.“ Welche Regeln gelockert werden, bezeichnet Fidler als politische Entscheidung. Entscheidend sei aber, dass die Verantwortlichen auf Sicht fahren und diese Vorgangsweise auch klar kommunizieren. „Wenn es die Situation erfordert, muss man auch wieder auf die Bremse treten.“

In diesem Zusammenhang erinnert der Experte daran, dass bereits einmal die Maskenpflicht aufgehoben wurde, und zwar nicht nur an den Schulen, sondern in fast allen gesellschaftlichen Bereichen. „Auch damals habe ich das als übertrieben empfunden, da es vergleichsweise den geringsten Eingriff darstellt.“

Schultests als Puzzleteil

Bei den Tests bleibt alles beim Alten. Schülerinnen und Schüler müssen sich drei Mal pro Woche testen, mindestens zwei Mal mit einem PCR-Test. Fidler bezeichnet die Schultests als Puzzleteil der gesamten Teststrategie, die grundsätzlich überdacht werden müsse. Die Kosten des großflächigen kostenlosen Angebots lägen mittlerweile bei 2,6 Milliarden Euro, gibt der Mediziner zu bedenken. „Wir testen insgesamt zehn Mal so viel wie Deutschland und fünf Mal so viel wie Italien, haben aber nicht bessere Resultate, was Infektionen, Hospitalisierungen oder die Mortalität angeht.“

Er plädiert dafür, in erster Linie symptomatische Personen oder im Fall von bestimmten Voraussetzungen, etwa bei einem Altersheimbesuch, zu testen. Was den Schulbereich angeht, müsse zunächst geklärt werden, was die zukünftigen Konsequenzen der Tests sein sollen. „Werden Klassen geschlossen, Schülerinnen und Schüler abgesondert, Kontakte nachverfolgt? Wenn das nicht mehr passiert, da es vielleicht nicht mehr als klinisch relevant angesehen wird, kann man die Tests einstellen.“ VN-RAM

„Wenn es die Situation erfordert, muss man auch wieder auf die Bremse treten.“