Goldkäufer auf Abzocktour in Vorarlberg

Vorarlberg / 19.02.2022 • 04:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Goldkäufer auf Abzocktour in Vorarlberg
Am Ende geht es den Käufern immer nur ums Gold. Die AK möchte Bewusstsein schaffen. DPA

Konsumentenschützer warnen aus aktuellem Anlass vor fragwürdigen Verkaufsaktionen.

Feldkirch Die Versprechungen auf den meist schreiend bunten Flugblättern klingen verlockend. Kostenlose Beratung. 30 Jahre Erfahrung. Fünf-Sterne-Bewertung. Toppreise. Sofortige Barauszahlung. Für Orientteppiche werden bis zu 10.000 Euro und für Pelze bis zu 9500 Euro in Aussicht gestellt. Selbst die Spritkosten bis zu 20 Euro übernehmen die Damen oder Herren bei einem Verkauf „gerne“. Doch es ist bekanntlich nicht alles Gold, was glänzt.

Hinter den beworbenen Aktionen stecken oft fragwürdige Händler, die ihren Kunden für möglichst wenig Geld möglichst viel Gold aus der Tasche ziehen wollen. Der Konsumentenschutz der Arbeiterkammer (AK) Vorarlberg rufen aus aktuellem Anlass dringend zur Vorsicht auf. Seit Donnerstag sind die goldgeilen Geschäftsleute in Dornbirn zu Gast. Unlängst machten sie unter anderem in Bludenz Station.

Beschwerden

Judith Kastlunger hat regelmäßig mit Konsumenten zu tun, die bei solchen Ankaufaktionen über den Tisch gezogen wurden. „Wir bekommen immer wieder Beschwerden“, erzählt die AK-Konsumentenschützerin. Meistens finden die ein- oder mehrtägige Aktionen in Hotels oder anderen Standorten statt. Manchmal werden die interessierten Verkäufer per Flugblatt auch aufgefordert anzurufen. „Die Damen und Herren kommen dann zu den Leuten nachhause, was noch ein bisschen problematischer ist, weil sie dann im Haus sind“, merkt Kastlunger an. Die Vorgehensweise ist unterschiedlich, im Endeffekt ist es aber immer dieselbe Masche. Die Händler werben mit dem Ankauf von Gold, Silber, Kupfer und sonstigen Waren wie Pelzen, Teppichen, Porzellan oder Handtaschen. Sie versprechen schnelles Geld. Was gut klingt, hat laut Judith Kastlunger allerdings einen großen Haken. „Die Konsumenten werden mit Pelzen und anderen Waren, die man sonst nicht los wird, zu den Ankaufaktionen gelockt. Diese Artikel werden allerdings nur angenommen, wenn Gold auch dazukommt.“

Judith Kastlunger ist AK-Konsumentenschützerin.
Judith Kastlunger ist AK-Konsumentenschützerin.

Die Veranstaltungen finden nicht selten in namhaften Hotels statt, weil auch überall Werbung dafür gemacht wird, denken sich viele nichts dabei. „Weil es doch irgendwie einen seriösen Anschein macht“, merkt die AK-Konsumentenschützerin an. Erst am Donnerstag habe sich eine ältere Dame bei ihr gemeldet, die in Dornbirn einen Pelz verkaufen wollte. „Es hat dann geheißen, dass sie auch Gold dazubringen müsse. Ihren Erzählungen zufolge hätte der Verkaufspreis am Schluss nicht mal ansatzweise dem wahren Wert des Goldes entsprochen“, berichtet die AK-Konsumentenschützerin. Die Frau habe sich am Ende nicht auf das Geschäft eingelassen. Viele andere vermutlich schon.

Grundsätzlich würde es laut der Expertin Rechtsgrundlagen für ein Strafverfahren geben. „Wucher zum Beispiel.“ Das Problem sei allerdings, dass man oftmals gar nicht wisse, wer hinter den Ankaufaktionen steht. „Auf der Rechnung ist manchmal lediglich eine Telefonnummer oder eine E-Mailadresse, vielleicht auch ein Name, der stimmt oder nicht stimmt“, merkt Kastlunger an.

Was die Konsumentenschützer raten

» Suchen Sie vor dem Goldverkauf verschiedene Händler auf und lassen Sie sich mehrere Angebote machen. Sofern die Karat- und Grammzahl bekannt ist, kann der ungefähre Goldwert mithilfe des Tagespreises etwa unter www.oegussa.at auch selbst geschätzt werden.

» Beim Goldankauf wird der ausbezahlte Betrag lediglich anhand des Gewichts berechnet. In Schmuckstücke eingearbeitet Steine werden nicht mitgerechnet. Es ist daher empfehlenswert, besonders wertvolle Exemplare vor dem Verkauf herauslösen zu lassen.

» Seien Sie vorsichtig, wenn Sie Händler zu sich nach Hause einladen oder wenn Fremde an der Tür klingeln. 

» Werden Sie stutzig, wenn Pelze, Taschen und dergleichen, nur in Zusammenhang mit Gold angenommen werden. Lassen Sie auch hier den wahren Wert der Waren und des Goldes prüfen.

Für Fragen steht der Konsumentenschutz der AK Vorarlberg unter Tel. 050 258-3000 oder unter www.ak-vorarlberg.at zur Verfügung.