Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Gedankenspiele

Vorarlberg / 22.02.2022 • 18:53 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Hierzulande werden viele alt. Die meisten Menschen sind eines Tages auf fremde Hilfe angewiesen: Beim Waschen und Anziehen, beim Essen, bei der Notdurft. Manche erhalten früh einen Vorgeschmack, etwa nach einem Eingriff im Krankenhaus. Dann wissen sie, dass dich das Schicksal jederzeit zurückballern kann in Kleinkindertage.

Deshalb lohnt sich das kleine Gedankenspiel: Wenn wir eines Tages selber in einem Heim leben werden, wenn wir darauf angewiesen sind, dass Pflegerinnen und Pfleger uns durch die Tage bringen, wie müssen die dann sein? Stellen wir uns die Gesichter ruhig vor, wie sie sich über uns beugen, den Löffel mit der Suppe reichen, wie sie uns die Nasen putzen. Oder auch andere Körperteile.

Wie hätten wir diese Menschen dann gerne? Müde und fahrig, weil völlig überlastet? Ungeduldig und reizbar, da schon wieder im Nachtdienst? Soll unser Leben am Ende mehr sein als sauber und satt? Würden wir mit der Pflegerin dann gerne auch mal ein Wort wechseln, ohne in genervte Augen zu schauen? Pflege braucht Rahmenbedingungen. Die werden heute geschaffen von Menschen, die dereinst selber bestens betreut werden wollen. Immer dann, wenn andere Budgetposten so viel wichtiger erscheinen, lohnt sich das kleine Gedankenspiel besonders.

Thomas Matt

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