Tourismus im Montafon: Auf Rekord-Sommer folgt guter Winter

Vorarlberg / 22.02.2022 • 12:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Tourismus im Montafon: Auf Rekord-Sommer folgt guter Winter
Der Golmis Forschungspfad auf dem Golm wurde letzten Sommer erweitert und erneuert. So bietet der Golm auch im Sommer Attraktionen speziell für Familien. VN/JUN

Manuel Bitschnau, Geschäftsführer von Montafon Tourismus, zieht Bilanz. Fakt ist: Der Wintertourismus ist ausgereizt, das Budget wird mehr und mehr in den Sommertourismus investiert. Speziell für den Sommer sollen im Montafon neue Attraktionen entstehen. Im März wird zudem in einem Tourismuszukunftslabor über touristische Nachhaltigkeitsthemen gesprochen.

Montafon Der Tourismus im Montafon boomt wieder – zumindest zeitweise. Erst vergangenes Jahr im August erlebte der Tourismus wieder einen Aufschwung. Zwischen Mai und Juli waren die Nächtigungszahlen stattdessen unterdurchschnittlich, berichtet Manuel Bitschnau, Geschäftsführer von Montafon Tourismus. Doch „ab August war es der beste Sommer aller Zeiten“, freut sich Bitschnau. Dieser Höhenflug hielt bis Oktober an. Die Weihnachtsferien waren mit 80 Prozent vom normalen Umsatz gut ausgebucht, im Januar gab es dagegen wieder eine Flaute (nur noch 20 Prozent von der Normalauslastung).
Seit den Semesterferien bis mindestens Ende März sehen die Nächtigungszahlen wieder gut aus und dieser Trend werde das ganze Jahr über anhalten, ist der Geschäftsführer überzeugt. Die Buchungszahlen würden dies belegen. Die Nachfrage für den Sommer und nächsten Winter sei bis jetzt gut. Für diesen Winter rechnet Manuel Bitschnau mit einer durchschnittlichen Auslastung von 80 Prozent im Vergleich zur Zeit vor Corona. Eine schnelle Erholung der Tourismuswirtschaft sei jetzt wichtig, da das Montafon in den letzten zwei Jahren die größte Tourismuskrise seit den 1930er-Jahren erlebt und inzwischen über 500 Millionen Euro verloren hat, weiß Manuel Bitschnau.

Wintertourismus ausgereizt

Früher war das Montafon noch eine klassische Sommerdestination. 1981 wurde der Sommer vom Winter überholt. Der Wintertourismus wurde so stark, dass man den Sommertourismus lange Zeit etwas vernachlässigt hatte. Doch nun scheint der Wintertourismus ausgereizt, die Skifahrer werden in Summe weniger, der Klimawandel wird präsenter.

Schneeschuhwandern wird immer beliebter. 20 Prozent der Wintertouristen kommen nicht hauptsächlich zum Skifahren ins Montafon.<span class="copyright">Stefan Kothner</span>
Schneeschuhwandern wird immer beliebter. 20 Prozent der Wintertouristen kommen nicht hauptsächlich zum Skifahren ins Montafon.Stefan Kothner

„Den Wintertourismus kann man nicht mehr nennenswert ausbauen. Dort ist kein Wachstum mehr möglich und auch nicht erwünscht.“ Die Unterkünfte können momentan von den Gästezahlen gut leben. Es gehe mittlerweile nur noch um das Halten dieses Niveaus. Und: „20 Prozent der Wintertouristen fahren ins Montafon nicht hauptsächlich zum Skifahren“, führt Manuel Bitschnau weiter aus. Winterwandern und Schneeschuhwandern werden immer beliebter.

Fokus auf den Sommer gelegt

Der Montafon Tourismus werde in Zukunft sein Budget mehr für den Sommertourismus aufwenden, um diesen weiter zu stärken. So gehen schon seit Längerem nur noch 40 Prozent des Budgets in den Winter- und 60 Prozent in den Sommertourismus. Ziel sei es, in ein paar Jahren eine Parität zu erreichen.
Der Sommer dauert länger und bietet ebenfalls viele Aktivitätsmöglichkeiten. Die Nachfrage in diesem Zeitraum sei stark. „Corona hat die Nachfrage noch einmal beflügelt“, sagt der Geschäftsführer. „Die Leute wollen Platz haben, die Weite spüren.“ Die Sportartikelindustrie habe ihr Übriges getan und den Trend gerade bei jungen Menschen vorangetrieben. „Wir haben es der Outdoorindustrie zu verdanken, dass das Image des Wanderns aufpoliert wurde“, freut sich Manuel Bitschnau, dass vor allem viele junge Leute das Wandern für sich entdeckt haben.
Die Montafoner Bergbahnen haben bereits kräftig in den Sommertourismus und in den Familiensektor investiert und Attraktionen – speziell auch für Kinder – gebaut, wie den Golmi Forschungslehrpfad, den Waldseilpark oder den Sagenwanderweg und Silberpfad auf dem Kristberg. Die Bielerhöhe wartet mit einer Kunstinstallation auf, während man sich in Gargellen auf die Pfade der Schmuggler begeben kann. Auf dem Hochjoch ist derweil eine Familien-Bikestrecke geplant, wobei das Montafon weiterhin auf das Genussbiken setzt. All dies passiere in Absprache mit dem Montafoner Tourismusleitbild, das seit 2017 angewendet wird.


In diesem Leitbild geht es um die zentrale Frage, wie der Gast das Montafon und seine Einwohner kennenlernen soll. Immerhin sind 60 Prozent, die das Montafon besuchen, Stammgäste. 60 Prozent der Touristen kommen aus Deutschland. „Das Persönliche ist wichtig“, weiß Manuel Bitschnau. Ziel sei es, einen qualitativ hochwertigen Aufenthaltstourismus zu schaffen mit Nachhaltigkeit, Regionalität und Gastfreundschaft.

Labor über Zukunft des Tourismus

Ab März wird es in Schruns im alten Gerichtsgebäude zudem ein Tourismuszukunftslabor geben, in dem über touristische Nachhaltigkeitsthemen gesprochen und diskutiert wird. Dazu werden Experten und Touristiker eingeladen. Auch die Bevölkerung kann sich an verschiedenen Workshops und Vorträgen beteiligen. „Jeder, der Interesse hat, kann daran teilnehmen.“ Das Labor soll einen Pop-up-Charakter haben. „Wir brauchen neue Formate, um junge Leute zu erreichen. Diese Einrichtung ist österreichweit einzigartig und wird die Grundlagen für die künftigen touristischen Entscheidungen schaffen.“ Finanziert wird das Ganze von Montafon Tourismus.


Montafon Tourismus ist seit 2020 Österreichs erste Lebensraummanagementorganisation. Ziel der Organisation ist es, den Tourismus in Einklang mit den natürlichen Ressourcen und den Interessen der hier Lebenden zu bringen und die Wertschöpfung breiter zu generieren. Deshalb wurden 150 Dialoggruppen definiert, mit denen einzeln über die verbesserte Zusammenarbeit gesprochen wird. Mittels eines gerade in Erstellung befindlichen Beherbergungsmasterplans soll zudem festgelegt werden, wie viele Betten das Montafon noch verträgt, wo und wie diese gebaut und vor allem wie sie betrieben werden sollen. Den Aufenthaltstourismus müsse man stärken, da dieser „viel mehr Wertschöpfung in die Region bringt“, sagt Manuel Bitschnau. Die touristische Wertschöpfung liegt bereits bei über 18.000 Euro pro Einwohner und Jahr. VN-JUN