Hunderttausend auf der Flucht

Vorarlberg / 24.02.2022 • 22:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kinder leiden besonders unter den Kriegswirren. Dieses Mädchen verlässt mit seiner Mutter die Heimat. Reuters
Kinder leiden besonders unter den Kriegswirren. Dieses Mädchen verlässt mit seiner Mutter die Heimat. Reuters

Eindringlicher Aufruf an Wladimir Putin, das Blutvergießen in der Ukraine zu beenden.

moskau kiew Mit Angriffen aus mehreren Richtungen hat Russland einen großangelegten Krieg gegen die Ukraine begonnen. Präsident Wladimir Putin befahl am Donnerstag den Militäreinsatz gegen das Nachbarland – aus der Luft, am Boden und zur See. Viele Regierungen weltweit verurteilten die Invasion aufs Schärfste. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz, US-Präsident Joe Biden, die Europäische Union und die Nato kündigten harte Sanktionen an, die noch am Donnerstagabend bei einem Krisengipfel beschlossen wurden.

Keine Militärunterstützung

Die Ukraine, eine ehemalige Sowjetrepublik, ist das flächenmäßig größte Land Europas. Als Reaktion auf den Angriff brach sie die diplomatischen Beziehungen mit Russland ab. Präsident Wolodymyr Selenskyj rief den Kriegszustand aus und forderte seine Landsleute auf, alles Nötige zu tun, um das Militär zu unterstützen. Mit Blick auf Putin sagte er: „Er will unseren Staat vernichten – alles was wir aufgebaut hatten, wofür wir leben.“

Russland hatte nach westlichen Angaben etwa 150.000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen. Nach Nato-Angaben gab es zuletzt außerdem 30.000 russische Soldaten im nördlichen Nachbarland Belarus.

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs wurden bis zum Mittag mehr als 30 Angriffe mit Flugzeugen, Artillerie und Marschflugkörpern „auf ukrainische zivile und militärische Infrastruktur“ gezählt. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht. Die Nato schließt eine militärische Unterstützung der Ukraine weiter aus. „Wir haben keine Nato-Truppen in der Ukraine, und wir haben auch keine Pläne, Nato-Truppen in die Ukraine zu schicken“, sagte Nato-Gerneral Stoltenberg. Das westliche Verteidigungsbündnis aktivierte aber Verteidigungspläne für Osteuropa. Der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte bekommt weitreichende Befugnisse, um zum Beispiel Truppen anzufordern und zu verlegen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Bündniskreisen erfuhr.

Stoltenberg zufolge sind schon jetzt 100 Kampfflugzeuge in hoher Alarmbereitschaft und sichern den Luftraum. Dazu seien vom hohen Norden bis zum Mittelmeer 120 Kriegsschiffe im Einsatz, und in den Osten des Bündnisses seien bereits in den vergangenen Wochen Tausende zusätzliche Soldaten verlegt worden. Die „Gruppe der Sieben“ (G7 – die USA, Deutschland und fünf weitere führende demokratische Wirtschaftsmächte) rief Russland eindringlich dazu auf, das Blutvergießen zu stoppen und seine Truppen aus der Ukraine abzuziehen. An den Aktienmärkten weltweit brachen die Kurse ein, viele Anleger flüchteten in Anlagen wie Gold und Bundesanleihen. In Frankfurt ging beispielsweise der Leitindex Dax auf Talfahrt. Etliche Rohstoffe wie Öl und Gas verteuerten sich deutlich.

Russland hatte betont, keine Flugzeuge, Raketen oder Artillerie gegen ukrainische Städte einzusetzen, sondern lediglich gegen militärische Infrastruktur, Luftverteidigung und Flugplätze vorzugehen. Bei einem Angriff auf den Flugplatz Hostomel, rund 30 Kilometer nordwestlich von Kiew, seien aber mindestens drei russische Hubschrauber abgeschossen worden, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Aus Angst vor einem noch größeren russischen Angriff flohen viele Menschen aus der Hauptstadt. Es bildeten sich lange Autokolonnen. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind bereits rund 100.000 Menschen in dem Land auf der Flucht.