„Tragödie nach Husch-Pfusch-Aktion“

Vorarlberg / 24.02.2022 • 22:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nach dem Tod eines Lehrlings: Die beiden Angeklagten wurden unter anderem zu je vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.vn/gs
Nach dem Tod eines Lehrlings: Die beiden Angeklagten wurden unter anderem zu je vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.vn/gs

Haftstrafen auf Bewährung und unbedingte Geldstrafe für zwei Brückensanierer wegen fahrlässiger Tötung.

Feldkirch Am 19. Oktober 2017 kam es auf einer Baustelle in Gargellen zu einer Tragödie: Ein Lehrling hatte gegen 15 Uhr im Bereich der Zufahrt Valzifenz unter einer Brücke, die gerade saniert wurde, gearbeitet. Plötzlich löste sich ein vier Tonnen schweres Brückenwiderlager aus Beton und stürzte ins Bachbett.

Der Unterkörper des jungen Mannes, der kurz vor seinem Lehrabschluss stand, wurde dabei eingeklemmt. Der 18-Jährige erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Verdachtsmomente

Nach umfangreichen Untersuchungen geriet das von der zuständigen Gemeinde St. Gallenkirch zur Brückensanierung beauftragte Bauunternehmen in ein schiefes Licht. Verdachtsmomente einer fahrlässigen Vorgangsweise tauchten auf. Demnach schlugen die Bauverantwortlichen damals vor, eine, eine neue Betonplatte auf der bestehenden Brücke anzubringen und eine entsprechende Bewehrungsskizze zu erstellen. Dies trotz augenscheinlicher Schäden an den Längsträgern der Brücke. Es sollen keine entsprechenden Abklärungen zur Tragsicherheit vorgenommen worden sein. Außerdem hätte man es unterlassen, bei der Planung der Sanierungsarbeiten der Brücke dafür Sorge zu tragen, dass während der Bauzeit jederzeit die Tragsicherheit gegeben ist. Nach einer ersten Verhandlung am Bezirksgericht Bludenz, das Unzuständigkeitsurteile fällte, wurde die Causa am Donnerstag am Landesgericht Feldkirch neu prozessiert.

Kein Schuldeingeständnis

Angeklagt waren der 47-jährige Bauunternehmer und der 61-jährige Statiker, der auch als gewerberechtlicher Geschäftsführer der Firma fungierte, wegen grob fahrlässiger Tötung. Beide erklärten sich für „nicht schuldig“.

Der zweitangeklagte Geschäftsführer gab unter anderem an, bei einer Besichtigung der Brücke kurz vor dem Unfall „ein einwandfreies Fundament“ erkannt zu haben. Im zweiten Atemzug belastete er einen – mittlerweile in der Causa freigesprochenen – Baggerfahrer, das Brückenfundament ohne Auftrag untergraben zu haben.

Die Staatsanwältin blieb jedoch dabei: „Es war eine Husch-Pfusch-Aktion ohne ausreichende Sicherheitsmaßnahmen mit tragischem Ergebnis.“ Richter Thomas Wallnöfer sah die Verantwortung für den Unfall ebenfalls bei den beiden Angeklagten. Er verurteilte den Erstbeschuldigten im Sinne der Anklage zu vier Monaten Haft auf Bewährung und einer unbedingten Geldstrafe in Höhe von 4000 Euro. Der Zweitbeschuldigte wurde ebenfalls zu vier Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 6000 Euro. Seine Begründung gegenüber den Verurteilten: „Es ist eine sehr schwere rechtliche Entscheidung und ein äußerst komplexer Sachverhalt. Natürlich wollte niemand von Ihnen den Tod des jungen Mannes. Sie hätten sich aber mehr um die Sicherheit auf der Baustelle kümmern müssen. Vor allem, weil keiner von Ihnen vorher jemals eine Brücke saniert hat. Wäre die Baustelle vorher sachgemäß geprüft worden, hätte man ganz andere Anweisungen geben müssen.“

Berufung angemeldet

Die Verteidiger meldeten Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, das Urteil ist damit nicht rechtskräftig. VN-GS