“Haben versucht, Hoffnung und Perspektive zu geben”

Vorarlberg / 25.02.2022 • 18:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Scherer ist für die humanitäre Hilfe in der Ukraine zuständig. Scherer
Scherer ist für die humanitäre Hilfe in der Ukraine zuständig. Scherer

Laura Scherer war für die Caritas mehrfach im Krisengebiet in der Ostukraine.  

Nenzing Seit 2019 arbeitet Laura Scherer als Projektmanagerin für die Caritas Österreich, wo sie für die humanitäre Hilfe in der Ukraine und für Kinderprojekte zuständig ist. Die Nenzingerin war vor Ausbruch der Pandemie neun Monate vor Ort. „Ich habe die Projekt-
umsetzung begleitet. Es war eine besonders intensive Zeit, für die ich sehr dankbar bin“, erklärt die 32-Jährige im Gespräch mit den VN. „Umso betroffener bin ich von den aktuellen Entwicklungen, ich habe nach wie vor viele Freunde und Bekannte in der Ukraine.“

Scherer berichtet von ukrainischen Arbeitskollegen, die bereits 2014 aus der Stadt Luhansk in ein sicheres Gebiet flüchten und sich in Starobilsk eine neue Existenz aufbauen mussten. „Am Donnerstag habe ich erfahren, dass sie nun erneut gezwungen sind, alles zurückzulassen.“ Die Bilder von Menschen, die auf gepackten Koffern sitzen und versuchen, ins Ausland zu kommen, machen Scherer betroffen. „Unsere Partnerorganisationen vor Ort sind bereit, Binnenvertriebene mit Schutz, Lebensmitteln und Wasser zu versorgen, sobald es die Sicherheitslage zulässt“, erklärt sie. Die Betreuung in den von der Caritas betriebenen Kinder- und Familienhäusern gehe derzeit weiter, ebenso die Betreuung anderer Zielgruppen in den Einrichtungen.

Die Caritas leistet seit 2014 humanitäre Hilfe im Konfliktgebiet und ist insgesamt seit knapp 30 Jahren in der Ukraine aktiv, weiß Laura Scherer. Die Unterstützungsleistungen reichen von der akuten Nothilfe, wie der Versorgung von Binnenvertriebenen oder der Brennholzverteilung im Winter bis hin zu längerfristigen Projekten wie der psychosozialen Unterstützung für Kinder sowie der Wiederherstellung einer Trinkwasserinfrastruktur. „Zuletzt haben wir vermehrt versucht, die Menschen im Krisengebiet beim Aufbau ihrer Lebensgrundlagen zu unterstützen und ihnen so nach acht Jahren Konflikt wieder ein Stück weit Hoffnung und Perspektive zu geben.“

Fluchtbewegungen

Bis dato waren fast drei Millionen Menschen in Donetsk und Luhansk auf humanitäre Hilfe angewiesen. „Durch die aktuellen Entwicklungen ist nicht nur die Versorgung dieser Menschen gefährdet. Es ist klar, dass der Bedarf im ganzen Land steigen wird“, sagt die 32-Jährige. Derzeit gebe es einen engen Austausch mit den Caritas-Partnerorganisationen, um auf die Fluchtbewegungen in Nachbarländer vorbereitet zu sein und die Hilfe bestmöglich abzustimmen.

Laura Scherer (r.) bei ihrem letzten Besuch im Krisengebiet im Herbst mit der Austrian Development Agency.
Laura Scherer (r.) bei ihrem letzten Besuch im Krisengebiet im Herbst mit der Austrian Development Agency.