Panzer, Koffer und Staus: Vorarlberger berichtet aus Kiew

Vorarlberg / 25.02.2022 • 22:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gerhard Bösch ist CEO der größten ukrainischen Bank. Privatbank
Gerhard Bösch ist CEO der größten ukrainischen Bank. Privatbank

Kiew Am zweiten Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine wurde in der Hauptstadt Kiew Raketenbeschuss vermeldet. Die Fluchtbewegungen aus der ukrainischen Hauptstadt nahmen zu. Mittendrin: Gerhard Bösch. „In der Drei-Millionen-Stadt gibt es nur noch eine Straße, auf der man halbwegs sicher rauskommt. Das sagt ja schon einiges“, berichtet der Vorarlberger Banker am Freitagabend den VN. 

Bösch ist CEO der Privatbank, der größten Bank der Ukraine, und versuchte in den vergangenen Tagen vor Ort die Stellung zu halten, die VN berichteten. Am Freitag entschied er sich nun, Kiew zu verlassen. Im ganzen Land sei es wieder zu punktuellen Angriffen gekommen, vor allem auf militärische Infrastruktur. 

„Die Stoßrichtung der russischen Militäroperation ist sehr stark auf Kiew gerichtet. Das hat sich im Laufe des Tages bestätigt“, so Bösch. In der Hauptstadt gebe es massive Defensivanstrengungen, berichtet er: „Es ist sehr viel gepanzertes Gefährt auf der Straße zu sehen, hauptsächlich ukrainisches.“ Der Banker habe seine Optionen abgewogen: Entweder die letzte offene Straße zu nutzen, um wegzukommen, oder in Kiew abzuwarten und dann diesen Ausweg vielleicht nicht mehr zu haben.

Leere Innenstadt

Bösch berichtet, was am Freitag auf den Straßen Kiews zu sehen war: „Es gibt wenige Menschen hier, die nicht überlegen wegzugehen. Die Fluchttendenzen sind massiv. Mehr oder weniger alle Passanten haben große Rucksäcke am Rücken oder Koffer in der Hand.“ Die Stadt sei innen sehr leer und an den Ausfahrten verstopft. Es gebe aber auch die andere Tendenz: Vor allem viele junge Männer melden sich zum Militärdienst. 

Im Moment befindet sich Bösch in der Mitte der Ukraine. Die Fahrt habe länger gedauert als sonst. Aber, „es ist kein Verkehrszusammenbruch, nur ein sehr langsames Vorankommen“.

Was die kommenden Tage bringen, ist noch offen. Bösch meint: „Ich mache nur kurzfristige Pläne im Moment.“ 

„Alle Passanten in Kiew haben große Rucksäcke am Rücken oder Koffer in der Hand.“