So reden Eltern mit Kindern über den Krieg

Vorarlberg / 25.02.2022 • 04:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
So reden Eltern mit Kindern über den Krieg
Annette Heinzle empfiehlt Eltern, darauf zu achten, wie viele Informationen ihre Kinder aufgenommen haben und kindgerecht auf Fragen einzugehen. Heinzle

Ängste und Befürchtungen der Kinder müssen Platz bekommen, so Psychologin Annette Heinzle.

Feldkirch Raketen fliegen, Menschen flüchten, Russland ist in der Ukraine einmarschiert. Der Krieg ist in Europa angekommen. Das geht auch an Kindern nicht vorbei. Sie stellen Fragen. Annette Heinzle, Leiterin der ifS-Familienarbeit erklärt, wie Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen.

Wie sollten Eltern generell mit ihren Kindern über das Thema Krieg sprechen?

Heinzle Wichtig ist daran zu denken, dass Kinder eine vulnerable Gruppe sind und sie viel über Gespräche und Medien wie Radio und Fernsehen mitbekommen. Darum sollten Eltern im Auge haben, wie viele Informationen sie aufgenommen haben und auf sie eingehen.

Wie spricht man mit jüngeren und mit älteren Kindern über Krieg?

Heinzle Eltern sollten mit ihren Kindern dem Alter und deren Entwicklung angepasst über den Krieg sprechen. Jüngere Kinder werden mit Fragen kommen. Diese sollten Eltern beantworten und auch Emotionen zulassen. Man kann beispielsweise seinen Kindern anbieten, dass sie ihre Gefühle und Empfindungen beim Malen ausdrücken. Die älteren Kinder bekommen noch mehr an Informationen mit. In diesem Fall können Eltern ein Gespräch anbieten. Dieses Gespräch muss nicht unbedingt mit ihnen selbst sein. Wichtig ist, dass die Ängste und Befürchtungen der Kinder Platz bekommen und ein Thema sein dürfen. Hilfreich kann auch sein, sich in der Schule darüber zu informieren, wie das Thema Krieg behandelt wird.

Ist es also besser, den Kindern auch Informationen zu geben, statt die Situation herunterzuspielen?

Heinzle Ich rate davon ab, die Situation herunterzuspielen. Altersentsprechende Information ist gefragt. Kinder spüren ja auch die Emotionen der Eltern. Und wenn diese durch Nachrichten ein ungutes Gefühl haben, bekommen es die Kinder mit. Man sollte Kindern ebenfalls vermitteln, dass man über komische Gefühle sprechen darf und ihnen so anbieten, ihre Sorgen zu teilen.

Der Krieg trifft uns in einer Zeit, in der wir durch die Coronakrise sowieso schon ängstlich und verunsichert sind.

Heinzle Es ist für alle eine Herausforderung, dass wir uns während der Pandemie mit Krieg befassen müssen. Corona hat viele Spuren hinterlassen. Der Krieg kann diese Ängste nochmals aufwühlen und wieder Unsicherheit schüren. Es hilft miteinander zu reden und füreinander da zu sein. Wenn die Gefühle zu überbordend werden, dann sollte sich Klein und Groß Beratung holen.

Haben Sie einen Tipp, wie man dieses Gefühl der Ohnmacht ein bisschen besser in den Griff bekommen kann? Was können Eltern tun, um ihren Kindern zu helfen?

Heinzle Neben dem Zulassen von Fragen und Ängsten sollten Eltern darauf schauen, ihren Kindern Sicherheit zu bieten. Diese Sicherheit kann darin bestehen, dass bestimmte Rituale eingehalten werden. Auch Worte können helfen. Eltern wissen auch, welche Worte es benötigt, damit sich ihr Kind wieder beruhigt.