Wo 22 neue Mikroapartments entstehen

Vorarlberg / 25.02.2022 • 12:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wo 22 neue Mikroapartments entstehen
In diesem Gebäude sollen 22 Wohnungen entstehen, vier davon für Mitarbeiter der Tischlerei Josef Feuerstein. Josef Feuerstein GmbH

Die Tischlerei Josef Feuerstein baut in Nüziders Mikroapartments für junge Menschen und eigene Mitarbeiter.

Nüziders Klein aber fein: So werden die neuen Mikroapartments in Nüziders. Die Tischlerei Josef Feuerstein in Nüziders hat bereits vor zwei Jahren in Dornbirn das Schorenhaus gebaut, ein dreigeschossiges Bauwerk für die Start-Up-Community. 25 bis 32 Quadratmeter groß sind dort die Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen, 15 an der Zahl. „Die gingen weg wie warme Semmel“, sagt Thomas Feuerstein. Nun soll ein zweites Apartment-Haus im Oberland entstehen. Wichtig sei vor allem die Community: „Wir wollen nicht nur Wohnungen vermieten, sondern einen Austausch untereinander schaffen“, erklärt Thomas Feuerstein. Deshalb schaue man darauf, wer dort einzieht und was das für Leute sind. Mieter in Dornbirn sind u.a. Singles, Marketingleiter, Softwareentwickler und Fußballer.


Wer dort einzieht, zahlt eine All-in-Miete, quasi ein Rundum-sorglos-Paket. In der Miete sind die Kosten für Strom, Heizung, Wlan und Hausmeister enthalten. Zudem gibt es im Haus einen Wasch- und Trocknungsraum. Die Apartments sind vollmöbliert, sodass man eigentlich nur mit einem Koffer einziehen müsste. Die Mieten werden im Oberland günstiger sein als im Unterland.

Anreiz für Fachkräfte

Da das Konzept in Dornbirn so gut ankam, wollte Thomas Feuerstein ein zweites Mikroapartment bauen. Denn: „Was man im Unterland machen kann, kann man im Oberland auch“, ist Feuerstein überzeugt. Die Klientel sei die Gleiche. Ein Grundstück war dann auch schnell gefunden. Anders als das Schorenhaus wird das Gebäude in Nüziders zum Teil auch ein Mitarbeiterhaus werden. Aufgrund von Fachkräftemangel und starker Konkurrenz braucht die Tischlerei Josef Feuerstein weitere Anreize, um Fachkräfte von weiter weg anzuwerben. Den Facharbeitern aus Deutschland und Ostösterreich könne man so ein Mikroapartment zur Verfügung stellen. Vier Wohnungen will sich die Tischlerei für sich reservieren. Zudem muss die Technikabteilung der Tischlerei in das neue Haus im Erdgeschoss ausgelagert werden, da das jetzige Firmengebäude zu klein wird.

Der Geschäftsführer der Tischlerei Josef Feuerstein, Thomas Feuerstein, schwärmt von den Mikroapartments: "Das wird eine ganz neue Art des Wohnens im Oberland.“
Der Geschäftsführer der Tischlerei Josef Feuerstein, Thomas Feuerstein, schwärmt von den Mikroapartments: "Das wird eine ganz neue Art des Wohnens im Oberland.“

Standort wichtig für Wohnkonzept

Insgesamt hat der neue Wohnkomplex in der Walgaustraße 26a 22 Einheiten. Der Standort ist entscheidend für solche Mikroapartments, da sie nur mit einem passenden Mobilitätskonzept funktionieren. Denn genügend Pkw-Stellplätze für alle gibt es dort nicht. Das Konzept der Mikroapartments ist darauf ausgelegt, dass man den ÖPNV oder das (E-)Bike benutzt. Insgesamt stehen den Mietern 13 Stellplätze zur Verfügung. Der Bahnhof Nüziders ist aber gleich ums Eck und auch eine Bushaltestelle ist vor der Haustür vorhanden. Auch werde es ein E-Bike-Sharing-Modell sowie eine E-Tankstelle geben. Fahrradabstellplätze werden überdacht sein. Einen Aufzug wird es in dem Gebäude nicht geben.


„Gerade für junge Leute ist dieses Konzept interessant, da viele in dem Alter kein Auto mehr haben“, erläutert Thomas Feuerstein. Die Lage ist zudem so zentral, dass man Besorgungen zu Fuß erledigen kann. Ein Gebäude weiter wird die Bäckerei Mangold bald eine neue Filiale mit Café eröffnen. Das dreigeschossige Gebäude wird in Holzbauweise errichtet und bekommt eine PV-Anlage aufs Dach. Zudem wird es ein nachhaltiges Heizsystem mit einem Grundwasserbrunnen geben. „Wir wollen mit den Betriebskosten so weit wie möglich runtergehen.“ Die Zwei-Zimmer-Wohnungen werden 44 und 46 Quadratmeter groß, die Mikroapartments kommen auf 25 Quadratmeter. Alle Wohnungen verfügen über einen Balkon und große Fenster. Statt eines Schlüssels bekommen die Bewohner einen Chip für die Türen. Im Gemeinschaftsgarten wird es eine gemeinsame Grillstation geben. Um die Community zu stärken und sich besser vernetzen zu können, ist ein Sommer- und Herbstfest geplant. „Das wird eine ganz neue Art des Wohnens im Oberland“, schwärmt Thomas Feuerstein.

Fertigstellung im Jänner

Die Fenster, Türen und den Innenausbau übernimmt die Tischlerei Josef Feuerstein selbst. Die Bauverhandlung war bereits im Dezember, nun wartet die Tischlerei auf den Baubescheid. Das Grundstück hat die Tischlerei im Baurecht für 60 Jahre erworben. Im Mai soll mit dem Aushub begonnen werden. Thomas Feuerstein hofft, nach acht Monaten und damit bis Neujahr mit dem Bau fertig zu sein.


Wer sich bereits für eines der Apartments vormerken lassen möchte, kann einen Bewerbungsbogen auf der Webseite schorenhaus.at ausfüllen. „Ich bin davon überzeugt, dass das Konzept des Gemeinschaftswohnens Zukunft hat“, so Thomas Feuerstein. Auch Peter Neier, Bürgermeister von Nüziders, begrüßt diese alternative, innovative Wohnform, sagt aber auch, dass diese nur standortabhängig funktioniere. VN-JUN