Wieder mehr Sterbefälle

Vorarlberg / 13.03.2022 • 18:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Auch im vergangenen Jahr führte Corona zu einer Übersterblichkeit im Land.

SCHWARZACH Auch im vergangenen Jahr hat es in Vorarlberg deutlich mehr Sterbefälle gegeben als vor Corona. Das ist einer vorläufigen Bilanz zu entnehmen, die von der Statistik Austria erstellt worden ist. 2020 handelte es sich um 3398, nun um 3312. Unmittelbar vor der Pandemie hatten sich von 2015 bis 2019 durchschnittlich 3035 pro Jahr ereignet. Ein Zusammenhang zwischen der Übersterblichkeit und der Pandemie liegt nahe, wie Marc Luy, Leiter der Forschungsgruppe „Gesundheit und Langlebigkeit“ an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bestätigt. Bemerkenswert: Nach der Pandemie könnte es seinen Angaben zufolge ungewöhnlich wenige Sterbefälle geben.

Wiederkehrende Ereignisse

Laut Luy gibt es immer wieder zwei wiederkehrende Ereignisse, die dazu führen, dass mehr Menschen sterben als in normalen Zeiten: Das eine sind Grippewellen, das andere Hitzewellen. Mit Hitzewellen ist aufgrund des Klimawandels zunehmend häufiger zu rechnen. Und durch Corona gibt es derzeit nicht irgendeine Grippewelle, sondern eine Pandemie von historischem Ausmaß und besonderer Dauer. 2020 sind nach Aufzeichnungen der staatlichen Gesundheitsagentur AGES mehr als 230 Menschen mit einer Infektion gestorben im Land, im vergangenen Jahr handelte es sich um knapp 200. Wie Hitze- oder herkömmliche Grippewellen ist auch die Pandemie für ältere Menschen besonders gefährlich, so Luy im Gespräch mit den VN: Durch eine Vorerkrankung oder gar Multimorbidität seien sie häufiger schon von vornherein geschwächter als Jüngere. Unter Multimorbidität versteht man das Bestehen mehrerer Krankheiten, wie etwa Diabetes, Herzinsuffizienz oder Osteoporose (Knochenschwund). Die meisten Corona-Opfer sind über 65, sehr viele über 80 Jahre alt.

Beim Versuch, die Entwicklung von Sterbefällen zu interpretieren, sollte man vorsichtig sein. 2015 kam es international, aber auch in Vorarlberg zu einem Anstieg der Fälle. „Das ist mit einer Grippewelle erklärt worden“, berichtet Luy: „Wir führen es aber auch auf einen Verschiebungseffekt von 2014 zurück.“ Damals seien relativ wenige Menschen gestorben. Im Jahr darauf habe sich das ausgeglichen.

Relevanz: Pandemieentwicklung

Umgekehrt könnte es nach Einschätzung von Luy einen solchen Effekt unmittelbar nach Corona wieder geben: „Auf Jahre mit vielen Sterbefällen folgen immer wieder Jahre mit weniger Fällen.“ Wobei relevant ist, wie sich die Pandemie weiterentwickelt. Von der Gesundheitsagentur AGES sind allein schon bis Anfang März dieses Jahres für Vorarlberg weitere 60 Todesfälle mit Corona bestätigt worden.

Längerfristig sind die jährlichen Sterbefälle auch abhängig von der Bevölkerungsentwicklung. Pro 1000 Einwohner hatte es in der Vergangenheit meist weniger als acht, zum Teil sogar weniger als sieben Fälle gegeben im Land. 2020 handelte es sich um 8,5, im vergangenen Jahr um 8,3. JOH

„Auf Jahre mit vielen Sterbefällen folgen immer wieder Jahre mit weniger Fällen.“

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