Innerberger Fastentücher schmücken derzeit die Kuratiekirche

Vorarlberg / 27.03.2022 • 12:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Innerberger Fastentücher schmücken derzeit die Kuratiekirche
Die drei historischen Innerberger Fastentücher wurden kürzlich aufwendig restauriert.JS

Historische Tücher wurden aufwendig renoviert und erstrahlen nun in neuem Glanz.

Bartholomäberg Seit über 1000 Jahren ist es Tradition, die Kreuze und Altäre in der Fastenzeit vor Ostern mit Fastentüchern zu verhüllen. Das feierliche Aufhängen der Fastentücher erfolgt dabei bis heute zu Beginn der vierzigtägigen Bußzeit, das Abhängen in der Karwoche. Während ursprünglich der gesamte Altarraum hinter den Tüchern verschwand, wurden ab dem 17. Jahrhundert zumeist nur mehr die Altäre verhüllt. In der Regel wurde vor jedem Altar ein Fastentuch aufgehängt. In Vorarlberg ging die Geschichte der Fastentücher um 1800 zu Ende. Heute sind nahezu keine Fastentücher mehr erhalten oder gar in Verwendung. Eine Ausnahme stellt die Kuratiekirche Unsere Liebe Frau Mariä Unbefleckte Empfängnis in Innerberg dar. Hier werden Jahr für Jahr die Altäre mit drei in Öl auf Leinwand gemalten Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu verhüllt. Alle drei Tücher sind jeweils von einem gemalten, goldenen Rahmen eingefasst und passen genau in die Altaraufbauten, sodass die eigentlichen Altarbilder verhüllt werden. Aufgrund dieser Tatsache kann davon ausgegangen werden, dass die Fastentücher – vermutlich kurz nach der Errichtung der Kirche im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts – dezidiert für die Innerberger Altäre angefertigt wurden.

Auf den drei Tüchern sind Szenen der Passion Christi abgebildet. <span class="copyright">JS</span>
Auf den drei Tüchern sind Szenen der Passion Christi abgebildet. JS

Das größte Passionstuch wird am Hochaltar verwendet und zeigt die Kreuzigung. Auf dem knapp ein mal zwei Meter großen Tuch sind vor einem dunkelblauen Hintergrund die Hauptfiguren der Kreuzigung, Christus am Kreuz, die Muttergottes zu seiner Rechten und der Lieblingsjünger Johannes zu seiner Linken sowie am Fuß des Kreuzes Maria Magdalena dargestellt. Das Fastentuch am linken Seitenaltar stellt die Ölbergszene dar. Links oben schwebt der Kelch des Leidens, vor dem Jesus betend in die Knie gesunken ist, während ihn ein Engel von hinten umfasst. Die Beweinung, Maria im Schmerz mit dem toten Sohn, ist auf dem Fastentuch über dem rechten Altar dargestellt. Auch auf diesem Bild zeigen sich starke farbliche Kontraste. Im Gegensatz zum „Normalprogramm“ der Kirche, das links den St. Josefsaltar, in der Mitte den Hauptaltar mit der Darstellung der Immaculata und rechts den St. Aloisiusaltar umfasst, rücken die Fastentücher drei wesentliche Ausschnitte der Passionsgeschichte in den Fokus.

Aufwendig renoviert

Da die Fastentücher zuletzt in einem sehr schlechten Zustand waren, entschloss man sich seitens der Pfarrkuratie zur Restaurierung der Tücher. „Das Leinwandgewebe war sehr brüchig und musste händisch wiederhergestellt werden. Des Weiteren war die Bemalung der Tücher sehr spröde und musste in einem aufwendigen Prozess aufbereitet werden“, umschreibt Alfred Edlinger die arbeits- und kostenintensive Instandsetzung der Fastentücher.
Zur deren Finanzierung hatte die Pfarrkuratie Innerberg im Vorjahr einen Spendenaufruf gestartet. Dieser fand bei der Bevölkerung durchaus Anklang und so konnten die sehr kostenintensive Renovation rechtzeitig vor der Fastenzeit abgeschlossen werden. „Die Kosten sind zwar noch nicht zur Gänze gedeckt, dennoch möchten wir uns auf diesem Weg sehr herzlich für die sehr großzügigen Spenden bedanken und gleichzeitig auch zur Besichtigung der nunmehr aktiv aufgehängten Fastentücher einladen“, zeigt sich Alfred Edlinger über das Ergebnis hocherfreut.

Während der 40-tägigen Fastenzeit schmücken die Tücher die Kuratiekirche. <span class="copyright">JS</span>
Während der 40-tägigen Fastenzeit schmücken die Tücher die Kuratiekirche. JS

Um die Tücher das restliche Jahr über gut zwischengelagert zu wissen, laufen derzeit Gespräche mit dem Montafoner Museum. „Möglicherweise können die Tücher hier ausgestellt werden. Somit wären sie nicht nur das ganze Jahr über für die Öffentlichkeit zugänglich, sondern auch professionell zwischengelagert“, so Alfred Edlinger. JS

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