Das Geheimnis um den Problemtunnel

Vorarlberg / 01.04.2022 • 22:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Andreas Postner: „Mit dem Achraintunnel hat sich leider eine Fehlentwicklung bestätigt.“ VN
Andreas Postner: „Mit dem Achraintunnel hat sich leider eine Fehlentwicklung bestätigt.“ VN

Kein Tunnel Vorarlbergs wird so oft gesperrt wie der Achraintunnel. Doch weshalb eigentlich?

SCHWARZACH Ab dem kommenden Montag wird der Achraintunnel und damit die Verbindung zwischen der Rheintalautobahn und dem Bregenzerwald sämtliche Nachtzeiten bis Freitag gesperrt. Als Gründe dafür werden vom Land (Abteilung Straßenbau) „Wartungs- und Reinigungsarbeiten sowie die Überprüfung von Sicherheitseinrichtungen“ genannt.

Seit der Eröffnung des Achraintunnels (2009) verging kein Jahr, in dem diese Verbindung nicht wenigstens einmal aus genannten Gründen für einen längeren Zeitraum gesperrt wurde. Insbesondere die tagelange Dauer der Sperren steht in einem deutlich überproportionalen Verhältnis zu jenen, wie sie bei den anderen Tunnels (Pfändertunnel, Ambergtunnel usw.) veranlasst werden.

„Geheimniskrämerei“

Der Schwarzacher Bürgermeister Thomas Schierle glaubt deshalb schon lange nicht mehr an das, was mit dem Tunnel an erhoffter Verkehrsberuhigung für seine Gemeinde versprochen wurde. „Das Gegenteil ist der Fall. Jede Sperre des Achraintunnels ist eine Katastrophe für Schwarzach. Es staut sich zurück bis zur Galerie“, äußerte er sich gegenüber den VN.

Kein anderer Tunnel Vorarlbergs werde für so lange Zeiträume gesperrt, sagt das Gemeindeoberhaupt. „Wenn es nur um Reinigungsarbeiten und so weiter ginge, wäre das doch in einer Nacht erledigt, so wie in den anderen Tunnels. Nein, ich glaube, dass da offensichtlich was anderes dahintersteckt. Aber da betreibt das Land eine Geheimniskrämerei“, vermutet Schierle. Er selbst habe indessen „laienhafte Beobachtungen“ gemacht, die er nicht konkreter erörtern will. Aber sie beträfen unter anderem seltsame „Werkeleien“ im Untergrund. Die Funktion der Bodenwellen vor dem Portal könne er sich auch nicht erklären.

Kostenexplosion

Für starke Kritik insbesondere vonseiten der Opposition im Vorarlberger Landtag sorgte die Kostenexplosion des Tunnelbaus von anfänglich projektierten 46 Millionen Euro auf letztlich 138 Millionen Euro bereits zu Beginn (es werden noch weitere sechs Millionen Euro kolportiert). Der Landesrechnungshof prüfte im Jahr 2006 die Kostensteigerung des Projekts und befand diese insbesondere wegen der erst während der Baudurchführung ersichtlich gewordenen geologischen Schwierigkeiten für großteils gerechtfertigt.

„Irrwitzige Konstruktion“

Andreas Postner, Sprecher der Umweltinitiative Transform, hatte sich von Beginn an intensiv mit dem Projekt beschäftigt und wurde bereits damals deutlicher.

Und das wird er auch heute: „Ich habe schon bei den Planungen damals, davor gewarnt, dass der Achraintunnel gewaltige Schwierigkeiten mit sich bringen könnte. Da gibt es zum einen dieses extreme Problem mit dem instabilen, aufquellenden Gestein und den Erdbewegungen im Gebiet vom Lustenauer Ried bis hin zum Achraintunnel. Dann kam auch noch eine irrwitzige Konstruktion zur Stabilisierung des Tunnels hinzu“, sagt Postner, der beruflich selbst Architekt ist.

Er schlägt in dieselbe Kerbe wie Bürgermeister Schierle: „Der wahre Grund für die Vielzahl der Wartungsarbeiten ist ein wohlgehütetes Geheimnis.“ Auch der Transform-Sprecher stellt sich die Frage nach den rätselhaften Aktivitäten im Achraintunnel.

Ein entsprechender Fragenkatalog, den die VN bereits vor mehreren Tagen der zuständigen Straßenbauabteilung des Landes zukommen ließ, blieb bis dato ebenfalls unbeantwortet. Interessant wären nicht nur die Gründe für die Vielzahl der Sperren, sondern auch die dadurch entstehenden Kosten.

Postner abschließend: „Mit dem Achraintunnel hat sich leider eine Fehlentwicklung bestätigt.“

„Jede Sperre des Achraintunnels ist eine Katastrophe für Schwarzach.“

Der gesperrte Achraintunnel. Dass die Röhre so oft geschlossen wird, sorgt bei manchen für Unmut und Fragen, die einer Antwort harren.VN
Der gesperrte Achraintunnel. Dass die Röhre so oft geschlossen wird, sorgt bei manchen für Unmut und Fragen, die einer Antwort harren.VN
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