Saxophon meets Schimpfwörter

Vorarlberg / 01.04.2022 • 16:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dagmar Vergut, Dorothea Fleisch und Anita Dönz genossen den Abend.
Dagmar Vergut, Dorothea Fleisch und Anita Dönz genossen den Abend.

Das Veranstaltungsformat Fierobad Jazz fand erstmals in neuer Form statt unter dem Motto „Jazz meets Literatur“.

BLUDENZ „Es freut uns sehr, dass der Fierobad Jazz endlich wieder stattfinden kann. Wir haben unser Publikum unglaublich vermisst und ich hoffe, sie uns auch“, zeigte sich Kulturstadtrat Cenk Dogan anlässlich des Fierobad Jazz Vol. 27 am vergangenen Donnerstag im Café Remise in Bludenz begeistert. Diese Frage wurde sogleich mit einem herzhaften Applaus der Gäste beantwortet. Dass das beliebte Veranstaltungsformat Fierobad Jazz tatsächlich vermisst wurde, zeigte sich unter anderem auch darin, dass jeder einzelne Sitzplatz im Lokal rasch vergeben war und zahlreiche Anfragen abgewiesen werden mussten.

Neue Saxophontöne

Zum ersten Mal fand der Fierobad Jazz unter dem Motto „Jazz meets Literatur“ statt. Dabei traf das neu gegründete Kenny Gsi – Sax Quartett auf den Götzner Autor Wolfgang Berchtold. „Unser Ensemble Kenny Gsi tritt das erste Mal in konzertanter Form in Bludenz auf“, betonte Cenk Dogan, der die Veranstaltung gekonnt moderierte. Dem Publikum wurde durch Lukas Morre (Bariton Sax), Luca Nohel (Alt Sax), Cenk Dogan (Tenor Sax) und Fabio Devigili (Alt und Sopran Sax), Träger des Kulturpreises des Landes Vorarlberg, ein sehr stimmiges und abwechslungsreiches Potpourri an Saxophon-Musik geboten.

Zum Auftakt wurde eine Komposition von Florian Pramböck mit dem Titel „Von Innsbruck nach Porto“ geboten. Der Komponist ist mit Cenk Dogan und Lukas Morre befreundet. Von ihm waren an diesem Abend noch weitere Werke zu hören. Schön und berührend war auch eine Interpretation der Pop-Ballade „How deep is your love“, ganz beschwingt hingegen ging es dann mit „Urlaub in Afrika“ weiter.

Lukas Morre, Luca Nohel, Literat Wolfgang Berchtold, Fabio Devigili und Cenk Dogan wussten das Publikum zu unterhalten. <span class="copyright">BI</span>
Lukas Morre, Luca Nohel, Literat Wolfgang Berchtold, Fabio Devigili und Cenk Dogan wussten das Publikum zu unterhalten. BI

Phänomen Schimpfwörter

Die musikalischen Darbietungen wurden immer wieder von Lesungs-Sequenzen durch Wolfgang Berchtold unterbrochen. „Wolfgang Berchtold ist wahrscheinlich der einzige Mensch in Vorarlberg, der andere beschimpfen kann und dazu sagen kann, er mache Kultur“, kündigte Cenk Dogan den Autor an. „Ich bin persönlich kein Schimpfer und Flucher. Umso mehr war ich erstaunt, als mich ein Verlag angefragt hat, ein Schimpf- und Fluch-Wörterbuch zu schreiben“, betonte dieser. Mit Vertiefung in die Materie kamen rund 2000 Schimpfwörter und 500 Fluchwörter zusammen, die sorgsam nach Überbegriffen geordnet wurden. „Es gibt Schimpfwörter, die aktiv sind oder im Begriff sind, vergessen zu werden oder neu entstehen. Ein ganz besonderes Phänomen ist die Jugendsprache“, führte Wolfgang Berchtold, ehemaliger Vizebürgermeister von Götzis, weiter aus.

Auch die Hintergründe und Entstehungsgeschichten zu den einzelnen Schimpfwörtern spielten bei der Lesung eine wesentliche Rolle. Manche Schimpfwörter können dem Obst- und Gemüsebereich zugeordnet werden wie etwa Matschbiera oder Moschtschädel, andere weisen wiederum auf wenig lobenswerte Tätigkeiten hin, als Beispiel hierfür können Arschkriecher, Tüpfleschießer, Lackaffe oder Siach gelten. Weitere Bereiche für Schimpfen und Fluchen waren bei den Fäkalien und Genitalien, bei körperlichen Besonderheiten wie Querschädel oder Schlappschwanz sowie bei Ausscheidungen und dem Tierbereich angesiedelt.

Der Wandel des Esels

Anhand des Esels zeigte Berchtold den Bedeutungswandel des Wortes im Laufe der Jahrhunderte auf: „Der Esel gilt als Synonym für einen dummen Menschen. Dabei hatte der Esel in alten Kulturen einen hohen Stellenwert.“ Die Lesungen aus dem „Vorarlberger Schimpfwörterbuch“ waren humorvoll gestaltet. Der erste Fierobad Jazz dieses Jahres zeichnete sich durch viel Humor und höchste musikalische Qualität aus. BI

Caroline Müller und Susanne Vögel waren begeistert.
Caroline Müller und Susanne Vögel waren begeistert.

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