Streng, pflichtbewusst, gerecht

Vorarlberg / 01.04.2022 • 16:06 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein stets respektvoller Umgang mit Kollegen und Schülern.
Ein stets respektvoller Umgang mit Kollegen und Schülern.

Schulrat Gustav Kappel (87) prägte die Lustenauer Bildungslandschaft mit.

LUSTENAU Nach einer kurzen schweren Krankheit verstarb Schulrat Hauptschuldirektor i. R. Gustav Kappel (87) am 24. März 2022. Er war eine Lehrerpersönlichkeit, die durch ihr Wirken die Lustenauer Bildungslandschaft mitgeprägt hat. Sehr viel bedeutete ihm auch seine Familie. Er hinterlässt eine Frau, vier Kinder und sechs Enkelkinder.

Gustav Kappel wurde am 27. September 1934 in Deutsch Gerisdorf im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland geboren, trat 1948 im Alter von 14 Jahren in die Bundeslehrerbildungsanstalt in Wiener Neustadt ein und beendete diese mit der Reifeprüfung für Volksschullehrer im Juni 1953.

Sein anschließendes Ansuchen um Aufnahme in den Schuldienst des Landes Burgenland wurde wegen des dortigen damaligen Lehrerüberschusses abgelehnt. Nach mehrmonatiger Arbeitslosigkeit bekam er eine Stelle in der Finanzkammer der Erzdiözese Wien. Aber Gustav Kappel wollte unbedingt in seinem erlernten Beruf als Lehrer tätig sein und so entschloss er sich, 1955 nach Vorarlberg zu übersiedeln.

Seine erste Anstellung im Schuljahr 1955/1956 bekam er an der Volksschule Rheindorf in Lustenau. Weitere Schulwechsel führten ihn über die Volksschule Kennelbach in die Hauptschule Bezau von 1959 bis 1966 und schließlich von 1966 bis 1973 zurück nach Lustenau in die Hauptschule Kirchdorf.

Die Lehrbefähigungsprüfung für Hauptschulen hatte er bereits im Jahre 1961 abgelegt. Seine Fächer waren Mathematik, Geometrisches Zeichnen und Knabenhandarbeit. Und diese Fächerwahl war natürlich kein Zufall. Sein ausgeprägter Sinn für Genauigkeit und Präzision war die besten Voraussetzung, um erfolgreich zu unterrichten. Platzmangel bewog die Gemeindeverantwortlichen 1973 zur Eröffnung einer neuen Hauptschule in Lustenau Rheindorf. Gustav Kappel wechselte in den dortigen neuen Lehrkörper, übernahm von Anfang an Verantwortung und entwickelte sich zu einer tragenden Säule der Schule. Seine erfolgreiche Lehrertätigkeit mündete 1992 in die Funktion des Schulleiters, welche er bis zu seiner Pensionierung 1994 bekleidete.

„Gustl“, wie er liebevoll genannt wurde, war ein ganz besonderer Lehrer. Streng, pflichtbewusst, genau und präzise lauten die auf ihn zutreffenden Eigenschaften. „Und er war immer gerecht“, ergänzen seine ehemaligen Schüler, zu denen er ein sehr korrektes, von gegenseitigem Respekt getragenes Verhältnis pflegte. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass „dar Kappl“ ein gern gesehener Gast auf allen späteren Klassentreffen war.

Der Lehrberuf in den siebziger Jahren bedeutete: Klassenvorstand in zwei Parallelklassen zu sein, bis zu 36 Unterrichtsstunden wöchentlich zu unterrichten und Schule halten bis Samstagmittag. Das alles meisterte der Verstorbene mit seiner für ihn charakteristischen Präzision, den Stoff bestens aufbereitet, alles organisiert und immer pünktlich im Unterricht.

„Wir alle, seine jungen Lehrerkollegen, hatten größten Respekt vor seiner Person. Erst viel später erkannten wir, wie viel wir aus seiner Vorbildrolle für unsere Arbeit übernommen, von ihm gelernt hatten, dass er insgeheim und unaufdringlich wie eine Art Mentor für uns gewesen war. Das partnerschaftliche, respektvolle Klima in unserem heutigen Lehrkörper basiert zu einem sehr hohen Grad auf seiner vorbildhaften Art miteinander umzugehen und zu arbeiten“, so Schulleiter Gerd Neururer.

Gustl Kappel war auch gesellig, bei allen Anlässen und Feierlichkeiten in der Schule stets mit von der Partie. Und wenn bei einem Glas Wein lustige Schulanekdoten erzählt wurden, trug auch er seine Geschichten vor und kommentierte sie abschließend mit seinem typischen „Hai nomol“.

Seine Verbundenheit zur Hauptschule Rheindorf reichte auch weit über seine Pensionierung im Jahre 1994 hinaus. In regelmäßigen Anrufen in der Direktion erkundigte er sich zu Schulbeginn über den Lehrkörper und die neuesten Entwicklungen an der Schule. Auch privat pflegte er die Kontakte zu seinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen weiter und nahm an deren Leben Anteil. ee

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