Windelschnecke folgt Wachtelkönig

Vorarlberg / 01.04.2022 • 17:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Was sicher bleibt, ist der Verkehr. VN/Steurer
Was sicher bleibt, ist der Verkehr. VN/Steurer

Bürgermeister Kurt Fischer staunt über die tierischen Argumente gegen eine Verbindung durchs Ried.

LUSTENAU Der Wachtelkönig brachte vor Jahren viele verkehrsgeplagte Anrainer der Durchzugsstraßen im Unteren Rheintal zur Weißglut. Nicht weil das seltene Geschöpf jemanden direkt belästigt hätte. Der von kaum jemandem je gesehene und von nur einigen wenigen akustisch vernommene Vogel war eines der Hindernisse für den Bau einer Riedstraße, wurde für die Straßenbefürworter zum Symbol der Verhinderung der Verbindungsstraße.

Jetzt bekommt der Wachtelkönig Konkurrenz. Diese nennt sich „Vierzähnige Windelschnecke“. Laut Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer ist dieses nur zwei Millimeter große Kriechtier wesentlich dafür verantwortlich, dass die direkte Z-Variante im Duell mit der wesentlich mehr Boden verbrauchenden CP-Variante unterlag. Das Tier kommt im Bereich der Autobahn Dornbirn-Nord gehäuft vor und soll geschützt werden. „Aber wer weiß“, deutet Fischer an, „vielleicht ist diese Entscheidung auch etwas Strategie. Dass wir in die Rolle gedrängt werden, eine Straßenlösung zu torpedieren. Aber das lassen wir nicht zu.“

Seitens der Asfinag räumt Regionalprojektleiter Günter Fritz ein, dass die schützenswerte Windelschnecke in besagtem Gebiet tatsächlich vorkommt. „Aber es kommen dort auch andere schützenswerte Tierarten und Vegetationen vor, zum Beispiel der Brachvogel und der Wachtelkönig. Wir mussten uns im Ausnahmeverfahren für jene Variante entscheiden, die weniger Auswirkungen auf den Naturraum hat“, wiederholt Fritz das Asfinag-Argument.

Kampf für autofreies Ried

Auf Wunsch Lustenaus wird bei der CP-Variante jetzt eine Trassenführung geprüft, welche neben der Zellgasse auch die Auflassung der Hofsteigstraße ermöglicht. „Weil sonst haben wir ja wieder eine Straße durchs Ried“, wirft Fischer ein.

„In der Schweiz schütteln sie den Kopf über die Vorgänge bei uns“, berichtet der Bürgermeister von einem Treffen mit Schweizer Amtskollegen. „Eine höherrangige Straße im Raum Hohenems – Diepoldsau kommt weder für sie noch für meine Amtskollegen aus Hohenems und Altach in Frage.“

Im Zusammenhang mit dem anstehenden Neubau einer Brücke von Lustenau nach Au befürchtet der Bürgermeister eine Akzeptanz des Bauwerks als 24-Stunden-Grenzübergang. „Wir laufen in Lustenau Gefahr, eine Null-Minus-Variante zu bekommen.“ Den Überlegungen von Mobilitätsministerin Gewessler nach Alternativensuche mit einem Beharren auf einen Übergang bei Hohenems kann Fischer nichts abgewinnen. „Aber die Grünen boxen ihre Agenda dort voll durch, wohl wissend, dass die ÖVP derzeit mit sich selbst beschäftigt ist.“ Seine Klagsdrohung erneuert Fischer. „Wir sind Sanierungsgebiet der IG Luft. Wir werden den jetzigen Zustand niemals akzeptieren.“ VN-HK

Eine Schnecke mit Zähnen und Beschützern: Die Windelschnecke soll unbedingt geschützt werden.
Eine Schnecke mit Zähnen und Beschützern: Die Windelschnecke soll unbedingt geschützt werden.

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