Viele offene Fragen zur vierten Impfung

Vorarlberg / 03.04.2022 • 18:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

In den USA ist der zweite Booster für Ältere schon genehmigt.

Schwarzach Zumindest Erwachsene ab 50 und Immungeschwächte können sich in den Vereinigten Staaten ein weiteres Mal gegen Corona impfen lassen. Europa dürfte bald folgen.

 

Braucht es eine vierte Impfung?

Noch gibt es dazu keine Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA. In den USA hat das Pendant FDA aber bereits eine zweite Auffrischungsimpfung für Erwachsene ab 50 Jahren und immungeschwächte Menschen zugelassen. Frühestens vier Monate nach dem ersten Booster können sie sich den nächsten verabreichen lassen. Die EMA dürfte wohl bald folgen, vermutet der Gesundheitsexperte und Covid-Berater der Landesregierung Armin Fidler. „Die vierte Impfung macht absolut Sinn.“ Er nennt neben älteren und immunsupprimierten Personen und Menschen mit Vorerkrankungen, etwa auch Gesundheitspersonal als Zielgruppe. Erst vor kurzem seien neue Studien aus Israel mit klarer Datenlage erschienen.

Welche Erfahrungen hat Israel gemacht?

Daten zu mehr als 560.000 Menschen zwischen 60 und 100 Jahren, die zum Teil drei Mal, zum Teil ein viertes Mal geimpft worden sind, erscheinen vor einigen Tagen als sogenanntes Preprint, also noch ohne die übliche externe Begutachtung. Demnach ist die Sterblichkeit in der vierfach geimpften Gruppe im Vergleich zu den nur einmal Geboosterten um 78 Prozent verringert gewesen.

 

Was sagt das Nationale Impfgremium (NIG)?

Anfang März aktualisierte das NIG seine Anwendungsempfehlungen. Hochrisikopersonen, sowie Menschen ab 65 Jahren könne demnach, sollten es hohe tägliche Fallzahlen und die Viruszirkulation notwendig machen, frühestens ab sechs Monaten nach der dritten Impfung eine weitere angeboten werden. Eine allgemeine Empfehlung gibt es nicht. Davor sei eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt notwendig; die Impfung erfolge auf persönlichen Wunsch, also Off-Label.

 

Müssen sich Menschen ein viertes Mal impfen lassen, die sich nach dem ersten Booster angesteckt haben?

„Es gibt noch zu wenige Daten, um das wissenschaftlich zu untermauern“, sagt Experte Fidler. Allerdings könnten sich diese Personen wohl Zeit lassen. „Mindestens sechs Monate lang dürfte noch eine Immunität bestehen.“ Fest steht: Eine Kreuzimmunität durch Impfung sei jedenfalls besser als durch Ansteckung mit Omikron. Offen bleibe nämlich, ob diese auch vor anderen Varianten schützen kann.

 

Sollen sich Kinder vier Mal impfen?

Noch nicht einmal die dreifache Impfung ist für die Jüngsten empfohlen. Die EMA gab erst für Kinder ab zwölf Jahren grünes Licht. Fidler verweist darauf, dass es noch in keinem Land eine Empfehlung zur vierten Imfpung gebe. „Aber es können auch junge Menschen Risikopatienten sein.“ Bei ihnen wäre der vierte Stich nach sechs Monaten empfehlenswert. Zukünftig hält es der Experte für möglich, dass alle Menschen einmal im Jahr ihre Impfung auffrischen sollten, vielleicht auch zwei Mal. Es gebe noch offene Fragen, etwa mit Blick auf angepasste Impfstoffe. „Vielleicht könnte das auch nur Risikogruppen betreffen, und die anderen Menschen infizieren sich. Wir wissen allerdings auch, dass die Impfung vor Long Covid schützt.“ VN-RAM

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