Der schüchterne Minister Polaschek

Vorarlberg / 04.04.2022 • 19:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Nicht positiv, nicht negaiv“: So sieht Direktor Wund Martin Polaschek. VN
„Nicht positiv, nicht negaiv“: So sieht Direktor Wund Martin Polaschek. VN

Zurückhaltend, verständnislos, aber auch okay: Meinungen zum „Neuen“.

Bregenz, Wien Es ist noch nicht so lange her, da wäre im traditionellen Österreich ein Minister mit schulterlangen Haaren höchstens als Faschingsfigur akzeptiert worden. So gesehen ist Martin Polaschek (56), im Brotberuf Universitätsprofessor, ein Mann der neuen Zeit, dessen Erscheinungsbild zwar auffällig, aber in Bezug auf seine Tätigkeit letztlich irrelevant ist.

In der Bewertung seiner bisher geleisteten Arbeit sind nicht alle von Polaschek als Bildungsarchitekt der Moderne überzeugt. Schon gar nicht die Unabhängige Bildungsgewerkschaft Vorarlberg. So sieht die Lehrervertretung die von Polaschek am Wochenende verkündeten Entlastungen von Schülern und Lehrern nicht als solche. „Die Überbelastung eines Systems kann man doch nicht reduzieren, indem der Durchführungszeitraum von Kompetenzmessungen um zwei Wochen verlängert wird“, heißt es dazu fast sarkastisch. „Das Vertrauen in diesen Minister ist weg, bevor er eines aufbauen konnte“, lässt etwa BMHS-Lehrervertreterin Katharina Bachmann wissen.

Nicht positiv, nicht negativ

Gnädiger und dem Minister freundlicher gesinnt ist da der Christliche Lehrergewerkschafter Andreas Hammerer. „Es war für ihn bisher eine sehr schwierige Zeit“, nimmt Hammerer Polaschek in Schutz. „Man muss ihm zugestehen, dass eine gestalterische Bildungspolitik bisher nicht möglich war. Es geht jetzt nur darum, den Schulbetrieb bis Ende des Schuljahres gut meistern zu können. Dazu können die von ihm verfügten Entlastungsmaßnahmen beitragen“, glaubt der Gewerkschafter.

„Nicht positiv, nicht negativ.“ So beurteilt Volksschuldirektor Christoph Wund die bisherige Performance des Bildungsministers. „Es gab bisher ja kaum ein anderes Thema als Corona“, meint auch Wund. Der Schulleiter der VS Lustenau-Kirchdorf kritisiert die verschiedenen Abteilungen im Bildungsministerium. „Die werken scheinbar unabhängig voneinander vor sich hin und verfügen immer wieder neue Dinge. Weit weg von der Realität an einer Schule.“

Diskurskultur

Sabine Lenz-Johann, Direktorin am BG Bregenz-Blumenstraße, erlebt den neuen Bildungsminister als sehr zurückhaltend und begrüßt dessen Entscheidung zur Durchführung der mündlichen Matura im heurigen Jahr. „Sich vor einer Kommission zu präsentieren, macht was mit den Kandidatinnen und Kandidaten. Sie haben bei der Präsentation der vorwissenschaftlichen Arbeiten schon gezeigt, dass sie das gut können. Und der Prüfungsstoff wurde ja ohnehin bereits entsprechend reduziert.“

Gar nicht einverstanden mit der mündlichen Matura im zweiten Coronajahr ist AHS-Schulsprecherin Lina Feurstein, die heuer selber am BG Gallusstraße maturiert. Was sie am Minister besonders kritisiert: „Er hat Diskurskultur versprochen, doch davon ist nichts zu bemerken“, sagt die Schülerin

Differenziert beurteilt der ehemalige grüne Bildungssprecher im Nationalrat, Harald Walser, den neuen Bildungsminister. „Man merkt, dass er von der Universität kommt und es ihm an Einfühlungsvermögen für Schulen mangelt. Andererseits empfinde ich seine bisherige Zurückhaltung nicht unbedingt als etwas Negatives“, betont der Ex-Nationalrat und Schuldirektor.

Dass sich Polaschek coronabedingt noch nicht voll auf Inhalte konzentrieren konnte, versteht Walser. Er würde sich wünschen, dass sich der Minister bald mit der Gemeinsamen Schule auseinandersetzt. „Er ist diesem Thema nicht grundsätzlich abgeneigt“, glaubt Walser. VN-HK

Der neue Bildungsminister Martin Polaschek erfährt unterschiedliche Beurteilungen. Noch musste er sich vor allem dem Pandemiemanagement widmen.  APA
Der neue Bildungsminister Martin Polaschek erfährt unterschiedliche Beurteilungen. Noch musste er sich vor allem dem Pandemiemanagement widmen.  APA

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