Radschnellweg statt allein im Pkw

Vorarlberg / 04.04.2022 • 21:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vorarlberg hat ein hohes Potenzial für ein klimafreundliches Verkehrssystem.

Wien, Bregenz Fast ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen Österreichs verursacht der Verkehrssektor, informiert der VCÖ-Verkehrsexperte Michael Schwendinger. Mit dem „Anti-Teuerungspaket“ setzt die Regierung aktuell jedoch Maßnahmen, die dem Klimaschutz entgegenlaufen. Denn das Pendlerpauschale ist kein unwesentliches Hindernis, um die Verkehrswende zu schaffen. Das zeigt auch ein Blick ins Ländle.

„59 Prozent der Arbeitswege werden in Vorarlberg im Auto zurückgelegt. In ganz Österreich sind es 53 Prozent“, berichtet Schwendinger den VN. Der Anteil der Fahrgemeinschaften bei Arbeitswegen liege in Vorarlberg nur bei drei Prozent, im Österreichvergleich sind es neun Prozent. Und das obwohl viele Arbeitswege in Vorarlberg relativ kurz sind. Schwendinger nennt die Zahlen: Vier von zehn Arbeitswegen sind unter fünf Kilometer, sechs von zehn unter zehn Kilometer. Zehn Prozent sind überhaupt unter einem Kilometer.

Radhighways und E-Bikes

„Vorarlberg ist ein recht kompaktes Bundesland. Ich sehe großes Potenzial für das E-Bike“, so der VCÖ-Experte. Dafür braucht es eine entsprechend gut ausgebaute Radinfrastruktur. Wichtig sei eine Art Radhighway mit mindestens vier Metern Breite und wenigen Kreuzungen, um schnell und sicher zu verbinden.

60 Millionen Euro sollen nun österreichweit in den Ausbau von Radwegen investiert werden. Im Vergleich dazu: Die weder ökologisch noch sozial treffsichere Pendlerpauschale wird mit 400 Millionen Euro entlastet – zeitlich befristet bis Juni 2023 und zusätzlich zu den rund 1,3 Milliarden pro Jahr, die es jetzt schon gibt. Im Regierungsprogramm haben sich ÖVP und Grüne zwar das Ziel gesetzt, bis 2040 ein CO2-neutrales Verkehrssystem etabliert zu haben. Doch der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat die Preise von Rohöl und Gas drastisch angehoben. Klimaministerin Leo­nore Gewessler (Grüne) betonte, dass die Menschen aufgrund der Teuerungen rasch finanziell unterstützt werden müssen. Das Ziel der Ökologisierung der Pauschale bleibe natürlich aufrecht.

„Eine sozial-ökologische Reform der Pendlerpauschale ist auf jeden Fall notwendig. Es braucht dafür aber starke Anreize, die die Nutzung klimaneutraler Verkehrsmittel auch belohnen“, sagt Schwendinger. Ein einfach umzusetzender Punkt wäre, wenn man für die kleine Pendlerpauschale zum Beispiel ein regionales Klimaticket bekommen würde. Sie steht allen zu, denen die Benützung eines Massenverkehrsmittels zumutbar ist und bedeutet, dass ein gutes öffentliches Verkehrsnetz bereits vorhanden ist. „Mit einem kostenlosen regionalen Klimaticket hat man sofort einen Anreiz, die Öffis zu nutzen. Nicht nur für Arbeitswege, sondern auch in der Freizeit“, sagt Schwendinger. Denn umgekehrt zeige sich auch, dass Menschen mit Dienstautos diese auch häufiger in der Freizeit nutzen. VN-JUS

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