Langen auf der Suche nach neuem Bürgermeister

Vorarlberg / 05.04.2022 • 17:46 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Josef Kirchmann: „Es geht um einen reibungslosen Übergang.“

Langen Bürgermeisteramt und Führung seiner kleinen Firma seien unter geänderten Rahmenbedingungen nicht mehr vereinbar, ließ Langens Bürgermeister Josef Kirchmann die Gemeindevertretung wissen und kündigte an, dass er deshalb als Gemeindechef zurücktrete. „Das war die letzte Sitzung, die ich als Bürgermeister geleitet habe“, war sein Schlusswort nach besagter Sitzung.

Es bleibt dabei

Inzwischen ist einige Zeit vergangen und diese Nachdenkpause wurde unterschiedlich genutzt. Zum einen begann die Suche nach einem Nachfolger, zum anderen gab es die Hoffnung, dass der Gemeindechef seine Ankündigung revidieren würde, nachdem der erste Ärger verraucht war.

Beide Hoffnungen haben sich nicht erfüllt, in Frage kommende Bürgermeisterkandidaten winkten bisher offenbar ab und Kirchmann blieb dabei: „Ich höre auf und es geht jetzt nur noch darum, für einen reibungslosen Übergang für meinen Nachfolger zu sorgen, denn ich möchte auf alle Fälle verhindern, dass diese Situation zum Schaden für die Gemeinde wird.“

Nicht so einfach

Kirchmann spricht anstehende Entscheidungen an: „Wir müssen u. a. Weichen zur Errichtung der Räumlichkeiten für die dritte Kindergartengruppe stellen, ebenso die Verkehrslösung für das Zentrumsprojekt abschließend auf Schiene bringen. Dazu braucht Langen eine handlungsfähige Gemeindevertretung.“

Diese wäre bei einem sofortigen Rücktritt des Bürgermeisters schwierig, weil dann zunächst der Vizebürgermeister für drei Monate das Amt interimistisch übernähme und dann der neue Bürgermeister zu wählen wäre. Findet sich kein Kandidat, der auch das Vertrauen der Gemeindevertretung genießt, würde die Gemeinde unter kommissarische Verwaltung gestellt und es müsste eine Wahl durchgeführt werden, zeigt Kirchmann im Gespräch mit der VN-Heimat Szenarien auf, „die wir alle nicht wollen“. Zu diesem worst case dürfe es nicht kommen, beteuert Kirchmann, der deshalb keinen konkreten Termin für seinen Rücktritt fixierte, um für die Suche nach seinem Nachfolger Zeit zu gewinnen. „Es gilt in den kommenden Wochen noch wichtige Beschlüsse zu fassen, zudem steht ein Prüfbericht an – wenn diese Punkte abgehakt sind, hoffe ich auf eine Lösung in der Nachfolgefrage“, so der Gemeindechef, der sich gegen Gerüchte wehrt, die derzeit kursieren.

Es sei zwar richtig, dass er unmittelbar nach der Sitzung seinen Urlaub angetreten habe, auch sein Kuraufenthalt sei geplant. „Beides war aber schon lange vor dieser Sitzung fixiert – die Kur habe ich jetzt sogar verschoben, weil ich bei der Prüfberichtschlussbesprechung noch dabei sein will“, wehrt er sich gegen Spekulationen, er hinterlasse ein Chaos.

Stein des Anstoßes

Absolut aus der Luft gegriffen seien auch Vermutungen, er würde sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zurücklegen. Weshalb aber dann? Dazu müsse er etwas ausholen. Als er am 1. Jänner 2013 als Nachfolger von Hans Kogler das Bürgermeisteramt übernahm, habe er seine Firma (Erdbewegungen und Transporte) schrittweise zurückgefahren – von damals etwa 15 Mitarbeitern auf heute nur noch ein Drittel, um mehr Zeit für das Bürgermeisteramt zu haben. Seine Lebensplanung sah vor, bis zu seiner Pension die Firma auslaufen zu lassen. „Inzwischen zeigt mein Sohn aber Interesse, den Betrieb mit seinem Kollegen weiterführen zu wollen – und das hat einiges verändert“, so Kirchmann. „Wir wollen die Firma auf Spezialtiefbau neu ausrichten und haben dafür auch schon entsprechendes Gerät angeschafft. In dieser Umstellungsphase ist es aber erforderlich, dass ich meinem Sohn und seinem Kollegen mit Rat und Tat zur Seite stehe.“ Das sei aber nur machbar, wenn die beiden oft in Langen tätig sind, damit er „dazuschauen kann“.

Das wäre in Form einer seit vielen Jahren gepflogenen Praxis laut Kirchmann möglich gewesen. „Die Gemeinde vergibt jedes Jahr kleine Aufträge ohne Einzelausschreibung. Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre handelt es sich dabei um ein Volumen von rund 45.000 bis 55.000 Euro jährlich.“ Die Gemeindevertretung segnete im Voraus alle im Laufe des Jahres spontan anfallenden Vergaben für Arbeiten z. B. nach Rohrbrüchen ab und die Abrechnung erfolgte am Jahresende. Es handele sich dabei um Einzelaufträge bis maximal 10.000 Euro. „Das hat all die Jahre funktioniert und auch für heuer war ich mit meiner Firma Bestbieter. Ich hätte meinen Sohn bei den Aufträgen mit Rat und Tat begleiten können, das wäre sich neben der Tätigkeit als Bürgermeister ausgegangen, wenn sie weit weg von Langen arbeiten ist das nicht möglich.“ Doch diesmal befanden Gemeindevertreter, das mit der Auftragsvergabe im Voraus ginge so nicht. Bei aller Freude, die er am Bürgermeisteramt habe, „die berufliche Zukunft meines Sohnes zu fördern, ist mir wichtiger“. Deshalb habe er sich entschlossen, das Amt zurückzulegen, so Kirchmann. stp

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.