Ein „Philosoph“ der Kammer

Vorarlberg / 06.04.2022 • 18:34 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Huhn erwarb sich bleibende Verdienste um die Vorarlberger Wirtschaft.
Huhn erwarb sich bleibende Verdienste um die Vorarlberger Wirtschaft.

WKV-Sektionsgeschäftsführer i. R. DDr. Nikolaus Huhn (92) verstorben.

HARD Am 14. März 2022 verstarb im Pflegeheim in Hard Nikolaus Huhn (92). Als Mitarbeiter der damaligen Handelskammer Vorarlberg, der heutigen Wirtschaftskammer, hat sich „Niki“, wie er genannt wurde, bleibende Verdienste um die Vorarlberger Wirtschaft erworben.

Stets war er bemüht, die berechtigten Interessen mit großem persönlichem Einsatz zu vertreten. Er war ein passionierter Leser und galt als einer der „Philosophen“ der Handelskammer.

Seine menschlich zuvorkommende Art und seine korrekte Arbeitsweise zeichneten ihn besonders aus. Das Licht der Welt erblickte Nikolaus Huhn am 24. Juni 1929 in Brixen in Südtirol. 1939 wanderte sein Vater nach Österreich aus und so kam die Familie in die Südtiroler Siedlung in Bregenz-Vorkloster. Dort eröffnete sein Vater ein Friseurgeschäft, das Nikolaus Huhn nach dem Krieg eher widerwillig übernehmen musste. 1950 legte er die Meisterprüfung für Friseure ab. Aber alles im Leben hat bekanntlich Vor- und Nachteile. Der Vorteil war, dass er auf diese Weise seine spätere Ehefrau Hilde kennenlernte, die Kundin in diesem Friseursalon war. 1958 heirateten die beiden und 1962 kam ihr Sohn zur Welt. Nikolaus Huhn ist auch als Buchautor hervorgetreten. 1964 erschien sein Werk „Sozialsparen, der Weg zur sozialen Sicherheit“. Es war ein Sachbuch über die Zukunft der Sozialversicherung. Denn Nikolaus Huhn war schon immer wissbegierig und an intellektuellen Fragen interessiert. Davon zeugt auch seine Untersuchung zum Gleichheitsproblem, „Die verdrängte Utopie“, die sogar mit dem renommierten Rudolf Sallinger-Preis ausgezeichnet wurde.

Durch sein erstes Buch wurde die Wirtschaftskammer Vorarlberg auf ihn aufmerksam. Zunächst beauftragte man ihn, Abendkurse für die Meisterprüfung abzuhalten, 1966 folgte eine feste Anstellung, sodass er den ungeliebten Friseurberuf endlich an den Nagel hängen konnte. Nach dem normalen Lauf der Dinge wäre er wohl bis zu seiner Pensionierung ein Sekretär geblieben, aber dies war so gar nicht nach seinem Geschmack. 1967 begann er daher mit der Abendschule, um die Matura nachzuholen, was ihm 1972 gelang. Im selben Jahr inskribierte er an der Universität Innsbruck, um Rechtswissenschaften zu studieren.

Im Jahre 1976 schloss er das Studium mit dem Dr. jur. ab. Sowohl während der Abendschule als auch während des Studiums war er voll berufstätig.

Der schulische und universitäre Erfolg brachte auch einen beruflichen Aufstieg. Von 1969 bis 1981 war er erster Leiter der Handelskammer-Außenstelle Bregenz, nebenbei war er in der Pressearbeit und in der Vorarlberger Volkswirtschaftlichen Gesellschaft sowie als Referent in der Finanzpolitischen Abteilung der Kammer aktiv. Im Jahr 1980 übernahm Nikolaus Huhn die Leitung der Finanzpolitischen Kammerabteilung und wurde zum Geschäftsführer der Sektion „Geld, Kredit und Versicherungswesen“ befördert. In dieser Funktion blieb er bis zu seiner Pensionierung am 1. Jänner 1990.

Nikolaus Huhn hatte eine Reihe von Handelskammer-Funktionen wie Beisitzer beim Schiedsgericht der Sozialversicherung, Stellvertreter im Verwaltungsausschuss beim Landesarbeitsamt, Mitarbeit in der internationalen Vereinigung für Hochrhein-Schifffahrt und Mitglied der Zivildienstkommission.

Nun hätte er eigentlich den Ruhestand genießen können, aber ruhe- und rastlos wie er war, inskribierte er im selben Jahr abermals an der Universität Innsbruck. Diesmal für ein Studium der Politikwissenschaften und Geschichte, welches er 1997 mit dem Dr. phil. abschloss. Im Jahre 1999 entstand auf seine Initiative hin das Buch „Galtür – Zwischen Romanen, Walsern und Tirolern“, denn die Geschichte Galtürs hatte er bereits in seiner Dissertation erforscht. Diese hat den Titel: „Galtür Ardez – Geschichte einer spannungsreichen Partnerschaft“. DDr. Nikolaus Huhn galt als der bedeutendste Kenner der Geschichte von Galtür. Dann wurde es ruhiger in seinem Leben, aber er hielt bis zu seinem 90. Lebensjahr immer wieder Vorträge, etwa für den Seniorenbund Hard. Als leidenschaftlicher Bergsteiger erfreute er sich bis ins hohe Alter einer guten Gesundheit, ehe er nach einem Unfall zu einem Pflegefall wurde und am 14. März 2022 im Pflegeheim Hard verstarb. VN-ee

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