Gericht: Im Vollrausch Passanten bedroht

Vorarlberg / 06.04.2022 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gericht: Im Vollrausch Passanten bedroht
Der Verurteilte muss nun in Therapie, sonst blüht im Haft. Eckert

32-Jähriger zeigte Ausländer die Halsabschneidergeste: Haftstrafe auf Bewährung.

Feldkirch Nüchtern macht der 32-jährige Unterländer immer einen freundlichen, höflichen Eindruck, das bestätigen auch die Beamten der Stadtpolizei Dornbirn. Wenn er getrunken hat, ändert sich das allerdings. Dann hat der Arbeitslose vor allem mit Ausländern ein Problem. Er pöbelt sie grundlos an und droht ihnen.

Im Sommer 2020 beispielsweise einen 30-jährigen Türken in Dornbirn. Der Betrunkene zog seinen Gürtel aus der Hose, deutete die Halsabschneidergeste und drohte seinem Mitbewohner in einer sozialen Unterkunft, dass es ein Leichtes sei, ihn zu töten. Selbst als der Bedrohte die Polizei rief, wiederholte der Mann diese Drohung immer wieder. Er musste festgenommen und dem diensthabenden Stadtarzt vorgeführt werden. Auch die Drohung „Dir Ausländer sollte man den Kopf abschneiden“, soll gefallen sein.

Nachbarn im Visier

Einem ehemaligen Nachbarn beschädigte der Trunkenbold den Schuhschrank und zeigte ihm wieder die von ihm so heiß geliebte Halsabschneidergeste. „An die Geste kann ich mich erinnern, dass ich die zwei Männer verbal bedrohte, daran nicht. Kann sein, ich hatte damals einige Bier getrunken“, sagt der Mann bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch locker. Die Staatsanwältin erwartet sich ein wenig mehr Einsicht in sein Fehlverhalten.

Die Frage, ob er zu einer Entwöhnungstherapie in Maria Ebene bereit wäre, verneint der Mann. Weil er allerdings beim ersten Vorfall wegen Trunkenheit unzurechnungsfähig war und generell mit dem Alkohol ein Problem hat, beantragt die Anklagebehörde eine Einweisung in eine Anstalt für entwöhnungsbedürftige Rechtsbrecher. „Das braucht es nicht“, ist der Alkoholiker überzeugt.

Traumjob Reinigungskraft

Gerichtspsychiater Reinhard Haller untersuchte den Mann. Da sich der 32-Jährige seit zwei Monaten wohl verhält, in einem betreuten Rahmen untergekommen ist und auch psychiatrische Hilfe in Anspruch nimmt, scheint das Problem entschärft. Dass derzeit noch ein Verfahren wegen Diebstahls von Müllsäcken im Raum steht, wobei es dem Trinker um die Säcke und nicht um deren Inhalt ging, trübt die Aussichten auf eine straffreie Zukunft etwas.

Doch derzeit verhält sich der Mann gut und ist schließlich auch bereit, sämtliche Auflagen des Gerichts zu erfüllen. Auch Arbeiten würde er sehr gerne. Er leidet unter einem Waschzwang und würde nichts lieber tun, als in einer Reinigungsfirma zu arbeiten. „Dort wäre er geradezu ein idealer Mitarbeiter, das sollte man ihm ermöglichen“, erklärt Haller. Mit einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten wird der Mann gedrängt, sich der angeordneten ambulanten Therapie samt Begleitmaßnahmen zu unterziehen. Verpasst er die Termine, muss er ins Gefängnis. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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