Darum steht Daniel Zadra bei der S 18 voll auf Seite von Ministerin Gewessler

Vorarlberg / 07.04.2022 • 04:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Darum steht Daniel Zadra bei der S 18 voll auf Seite von Ministerin Gewessler
Der neue Umweltlandesrat Daniel Zadra setzt auf Bahn und seine Parteikollegin und Mobilitätsministerin Leonore Gewessler. VN/Hartinger

Reduktion des Autoverkehrs brauche Anstrengung. Fossile Fortbewegung habe ein natürliches Ende.

Bregenz In Sachen S 18 ist der neue Vorarlberger Mobilitäts- und Umweltlandesrat und seit neuestem auch Obmann des Energieinstituts Vorarlberg, Daniel Zadra, stramm auf Linie von Ministerin Leonore Gewessler. Im großen VN.at-Interview bezieht sich Zadra wiederholt auf den Nationalratsbeschluss zur Prüfung von Alternativen zur großen Entlastungsstraße. Er wolle den kommenden Generationen ein Angebot für zukunftsträchtige Mobilität machen.

Wie viel Zurückhaltung ist für Sie in der S-18-Diskussion noch möglich?

Die Zuständigkeiten sind klar: das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie sowie in Vorarlberg mein Kollege Landesrat Marco Tittler. Meine persönliche Haltung und die Position der Grünen sind ebenso klar und bekannt.

LH Wallner kritisiert Leonore Gewessler für ihre Verkehrsprognosen, wonach die Verkehrsfrequenz in einigen Jahren auf das Niveau der 1990er-Jahre zurückfallen würde, scharf. Glauben Sie auch an diesen Verkehrsrückgang?

Die Frage ist, ob wir gemeinsam festgesetzte Ziele erreichen oder den Straßenbau immer für noch mehr Autos und Lkw vorantreiben wollen. Von allein fällt die Frequenz sicher nicht auf das Nievau der 90er-Jahre. Wir unternehmen vieles, um den Autoverkehr zu reduzieren. Wir bauen die öffentlichen Verkehrsmittel massiv aus, wollen den Anteil der Fahrradfahrer am Verkehr auf 21 Prozent erhöhen. Das demnächst erscheinende Güterverkehrskonzept wird einige Vorschläge enthalten, um Güterverkehr auf die Schiene zurückzubringen. Die fossile Fortbewegung wird an ihr natürliches Ende gelangen. Wie Dinosaurier, nur ohne Meteoriteneinschlag.

Verkehrslawine durch Lustenau. Dieses Bild gibt es fast jeden Tag. An der Lösung für eine Entlastung scheiden sich die Geister. <span class="copyright">Gemeinde Lustenau</span>
Verkehrslawine durch Lustenau. Dieses Bild gibt es fast jeden Tag. An der Lösung für eine Entlastung scheiden sich die Geister. Gemeinde Lustenau

Die Schweizer wollen von einem möglichen Übergang bei Hohenems – Diepoldsau als Teil einer S-18-Alternative nichts wissen. Warum werden diese unmissverständlichen Aussagen von der Ministerin beharrlich ignoriert?

Selbstverständlich ist jedes Mitglied der Bundesregierung an die Beschlüsse gebunden. Im konkreten Fall gab es am 19. Juli 2021 den Nationalratsbeschluss von ÖVP, SPÖ, Neos und Grünen zur Prüfung von rasch umsetzbaren Lösungen zur Befreiung der betroffenen Ortsdurchfahrten wie Lustenau vom Lkw-Transitverkehr unter Berücksichtigung einer möglichen Verbindung auf der Höhe Hohenems-Diepoldsau-Widnau/Balgach. Bei meiner Kontaktnahme mit der St. Galler Regierungskollegin Susanne Hartmann habe ich durchaus Gesprächsbereitschaft signalisiert bekommen.

Regierungsrätin Susanne Hartmann vom Kanton St. Gallen. Für sie ist eine Unterflurtrasse bei Diepoldsau keine Alternative zur S 18. <span class="copyright">Eberhard</span>
Regierungsrätin Susanne Hartmann vom Kanton St. Gallen. Für sie ist eine Unterflurtrasse bei Diepoldsau keine Alternative zur S 18. Eberhard

Liegt für Sie eine Akzeptanz der aktuell auf dem Tisch liegenden CP-Variante überhaupt im Bereich des Möglichen?

Mein primärer Zuständigkeitsbereich als Landesrat liegt darin, einen Beitrag im öffentlichen Verkehr und Radverkehr zu leisten. Ich will für die kommenden Generationen ein Angebot für eine zukunftsträchtige Mobilität schaffen.

Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer sagt: Die Grünen können jetzt bei der S 18 aufgrund der mit sich selbst beschäftigten ÖVP ungestört agieren. Hat er recht?

Solchen Kaffeesud kommentiere ich nicht. Das bringt der Sache gar nichts. Wir Grüne treten für Klimaschutz ein und wollen die Bevölkerung entlasten, und zwar nicht erst in 30 Jahren.

Haben Sie mit LH Wallner seit Ihrem Amtsantritt schon einmal konkret über die S 18 gesprochen?

Selbstverständlich bin ich in regelmäßigem Austausch mit LH Wallner zu allen relevanten Themen. Wir sind uns durchaus einig darin, dass wir in verschiedenen Fragen unterschiedliche Ansichten haben.

Welches Belastungspotenzial liegt für die Landesregierung in diesem Thema?

Es gilt das Regierungsprogramm auf Bundes- und Landesebene, der erwähnte Beschluss des Nationalrats. Das Ministerium bzw. die Asfinag lassen nun Alternativen prüfen. In manchen Punkten haben die Regierungspartner unterschiedliche Präferenzen. Wäre das nicht der Fall, wäre das überaus merkwürdig. Auseinandersetzung ist der Normalfall in der Demokratie. Die größere Belastungsprobe in der Landesregierung sind derzeit die Vorgänge im Zusammenhang mit einer Selbstanzeige des ÖVP-Wirtschaftsbundes bei den Finanzbehörden.

Kurt Fischer hat die Ringstraßenbahn wieder in die Diskussion gebracht, obwohl die im Mobil-im Rheintal-Prozess zurückgestellt wurde. Wie finden Sie das?

Dieses Projekt wurde, wie im MIR-Schlussdokument festgehalten, im Jahre 2018/2019 noch einmal evaluiert. Fazit: Bei der Alternative ‘Metrobus’ bestehen wesentliche Vorteile aufgrund der deutlich höheren Flexibilität und den deutlich geringeren Investitions- und Betriebskosten für den Öffentlichen Verkehr, und das bei vergleichbarem Nutzen wie bei einer Ringstraßenbahn. Im Mobilitätskonzept 2019 wurde verankert, dass ein solches Schnellbuskonzept gemeinsam mit den Gemeinden des Unteren Rheintals schrittweise umgesetzt werden soll.

Inwiefern befassen sich die Grünen beim Thema Bodenverbrauch auch mit den laut CP-Plan aufzulassenden Straßen, konkret die Schweizer Straße und die Zellgasse?

Ich gehe davon aus, dass die zuständigen und damit beauftragten Fachbüros sich das gesamthaft anschauen werden.

Unterhalten Sie sich in Sachen S 18 auch noch gelegentlich mit Ihrem Vorgänger Johannes Rauch?

Johannes Rauch hat als Gesundheits- und Sozialminister wahrlich genug zu tun. Wir reden aber regelmäßig über alles, was wir als relevant erachten.