Es wird mehr geschlachtet

Vorarlberg / 10.04.2022 • 20:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Markus Gstach hat heuer schon mehr geschlachtet als im ganzen Jahr zuvor. GSTACH
Markus Gstach hat heuer schon mehr geschlachtet als im ganzen Jahr zuvor. GSTACH

Metzgerei-Netzwerk erreicht Kapazitäten des alten Schlachthofs in Dornbirn.

Schwarzach Markus Gstach hat heuer bereits mehr Tiere geschlachtet als im gesamten Jahr zuvor. Der Rankweiler bildet gemeinsam mit dem Hofmetzger Hubert Natter aus Andelsbuch das neue Metzgerei-Netzwerk in Vorarlberg, das den Dornbirner Schlachthof ersetzen soll. Trotz äußerst kurzer Vorlaufzeiten gelang es ihnen, die Kapazitäten zu übernehmen, wie auch der zuständige Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner (ÖVP) berichtet.

Zeit verstrichen

Der Dornbirner Schlachthof ist seit Ende des Jahres Geschichte. Zuvor kamen dort zwischen 5400 und 6400 Tiere jährlich auf die Schlachtbank. Die Politik scheiterte daran, eine Alternative aufzugleisen. „Man hat fünf Jahre verstreichen lassen“, sagt Gstach. „Erst sechs Wochen vor der Deadline ist man auf uns zugekommen.“ Das habe die Vorbereitungen zu höheren Schlachtkapazitäten deutlich erschwert. „Normalerweise reden wir nicht von ein paar Wochen, sondern von einer Vorlaufzeit von eineinhalb bis zwei Jahren.“ Der Ausbau seines Betriebs stehe erst an. Und er werde teuer: „Wir stehen unter Druck, weil wir müssen bauen. Egal um welchen Preis.“ Auch Hubert Natter spricht von einer Belastung. Zum einen sei die Überlastung der Baubranche spürbar, zum anderen treibe die Inflation die Preise in die Höhe.

Abseits knapper Kapazitäten im Kühlbereich und bei der Stallung laufe es nach den ersten zwei, drei Monaten aber gut. Beide Metzger erzählen, alle notwendigen Zertifizierungen abgeschlossen zu haben. Natter berichtet, seine Schlachttage auf zwei verdoppelt zu haben. Gstach erweiterte seine Kapazität ums Achtfache. „Das ist eine enorme Herausforderung, die wir mit hohem persönlichen Einsatz bewerkstelligen.“ Der anstehende Ausbau der Kühlbereiche werde vieles erleichtern: „Im Herbst/Winter wird sich somit vieles zum Positiven wenden.“ Bei der finanziellen Unterstützung des Landes sieht der Metzger noch Luft nach oben.

Zwei Förderschienen

Im Rahmen des neuen Schlacht-Netzwerks gibt es zwei Fördermöglichkeiten. Zum einen unterstützt das Land Maßnahmen, die helfen, Schlachtkapazitäten auszuweiten. Das reicht von der Zertifizierung bis hin zur Verbesserung der Qualitätssicherung. Im Einzelfall können binnen drei Jahren bis zu 200.000 Euro gewährt werden. Außerdem fördert das Land betriebliche Investitionen mit bis zu 40 Prozent. Dazu zählt unter anderem der Ausbau der Kühlleistung oder der Schlachtinfrastruktur. So sei es möglich, die Kapazitäten im Vergleich zum alten Schlachthof in Dornbirn sogar noch auszubauen, hält Gantner fest. Weitere Betriebe hätten Interesse bekundet, sich am Metzgerei-Netzwerkes zu beteiligen.

137 Tiere mehr geschlachtet

Schon jetzt konnten im neuen Netzwerk mehr Tiere in Vorarlberg geschlachtet werden, als im Vergleichszeitraum 2021 im Schlachthof Dornbirn, freut sich der Landesrat. Im Jänner und Februar 2022 kamen über 2700 Kälber und Rinder auf die Schlachtbank, das sind 137 Tiere mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl an Schweineschlachtungen liege noch nicht vor. Doch auch hier deutet alles auf ausreichende Kapazitäten hin.

Was aus dem alten Dornbirner Schlachthof wird, ist unklar. Es brauche zuerst die richtigen Ideen zur weiteren Stadtentwicklung in diesem Bereich. Vorübergehend käme in Frage, den alten Schlachthof als Lagerfläche zu benutzen. Es stehe auch die Möglichkeit im Raum, ihn zu vermieten. Für die Zeit danach würde in alle Richtungen vom Wohnen über einen neuen Bildungsstandort hin zu Flächen für den Einzelhandel nachgedacht. Schnellschüsse wären hier aber fehl am Platz, betont Stadtrat Julian Fässler (ÖVP). Fest steht aber: „Längerfristig wird der Schlachthof nicht stehen bleiben.“ VN-ebi

„Es gibt mehrere Schlachtbetriebe, die Interesse haben, Teil des Netzwerks zu werden.“

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