Vierter Stich für Risikogruppen

Vorarlberg / 12.04.2022 • 22:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Keine Empfehlung für alle. Zukünftige Coronamaßnahmen in der Schwebe.

schwarzach Das Nationale Impfgremium (NIG) empfiehlt nicht allen eine vierte Coronaimpfung, sondern nach einer aktuellen Einschätzung nur Risikogruppen, also Menschen über 80 Jahren, sowie Über-65-Jährigen mit Vorerkrankungen. Sie sollen frühestens vier Monate, am besten ein halbes Jahr nach dem dritten Stich noch einmal geimpft werden. Bei allen anderen könne die vierte Impfung auf persönlichen Wunsch erfolgen. Unterdessen ist unklar, wie es mit den Coronamaßnahmen weitergeht. Die aktuellen Bestimmungen laufen am Karsamstag aus. Gesundheitsexperte Armin Fidler spricht von einer Risikoabwägung. Bei rückläufigen Zahlen könne auf mehr Freiwilligkeit gesetzt werden. 

Nicht verbindlich

Die Erläuterungen des NIG sind nicht verbindlich, werden von der Politik aber im Normalfall übernommen. Nachdem die vierte Imfpung nicht für Menschen unter 65 empfohlen wird, könnte Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) die Gültigkeit des Grünen Passes wohl um ein Jahr verlängern. Das Zertifikat ist derzeit für doppelt Geimpfte sechs Monate, für Geboosterte neun Monate lang gültig. Wie die VN berichteten, leuchten bereits die ersten Grünen Pässe in Vorarlberg rot.

Wer nicht zu den Risikogruppen zählt und sich trotzdem ein viertes Mal impfen lassen will, dem soll das dem NIG zufolge nicht verwehrt werden. Auf persönlichen Wunsch hin könne das ab vier Monaten, besser erst ab sechs Monaten nach dem dritten Stich erfolgen. Nach aktuellem Wissensstand sei eine allgemeine Empfehlung erst vor den wohl nächsten Infektionswellen im Spätsommer oder Herbst zu erwarten. Einen besonderen Fall stellen immunsupprimierte Menschen dar, bei denen die Imfpung keinen ausreichenden Schutz entfaltet, etwa wegen einer Chemotherapie. Sie sollen dem NIG zufolge altersunabhängig entsprechend individueller Bedürfnisse versorgt werden.

Offen bleibt, welche Maßnahmen über Samstag hinaus verlängert werden. Dafür braucht es eine neue Verordnung des Gesundheitsministers. Rufe nach Lockerungen wurden bereits laut. So erklärte etwa Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), dass die Masken fallen sollen. Der Trend bei den Coronazahlen zeigt derzeit jedenfalls in eine erfreuliche Richtung. Das AGES-Dashboard wies für Vorarlberg am Dienstag eine Sieben-Tages-Inzidenz von rund 1076 aus. Vergangene Woche lag der Wert bei 1464.

Beispiel Deutschland

Die Maskenpflicht wäre wohl nicht mehr in allen Innenräumen zwingend nötig, erläutert Public Health-Experte Fidler und verweist auf das Beispiel Deutschland. Dort muss in Supermärkten oder Geschäften keine Maske mehr getragen werden. „Das Problem könnte dann allerdings sein, dass die Bevölkerung glaubt, die Gefahr sei gebannt. Das ist sie nicht.“ Diesbezüglich stehe die Politik in der Pflicht, klar zu kommunizieren. Dort, wo Menschen auf engem Raum zusammenstehen und die Durchlüftung schlecht ist, wäre es wichtig, eine Maske zu tragen.

Gerade Ältere oder Personen mit Vorerkrankungen sollten sich schützen, etwa, wenn sie in Öffis unterwegs sind. Auch bei der Quarantäne verweist Fidler auf die Frage des geringeren Risikos. „Wie hoch ist das Risiko, die Isolation zu lockern im Vergleich zu jenem, wenn zu viel Personal in kritischer Infrastruktur fehlt?“ Aber: Je weniger Menschen sich ansteckten, desto eher ließen sich auch bei den Quarantäneregeln entschärfen. „Das Risiko muss aber eingerechnet werden. Es wird nie null sein.“ Zudem könne sich die epidemiologische Situation im Herbst wieder gänzlich anders darstellen.
VN-RAM

„Ohne Maskenpflicht könnte das Problem sein, dass die Bevölkerung glaubt, die Gefahr sei gebannt.“

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