Von der Schlucht auf den Berg

Vorarlberg / 12.04.2022 • 17:25 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Erich Plangg (seit 40 Jahren Organistor des großen Jagdschießens) und Christoph Tschohl. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Erich Plangg (seit 40 Jahren Organistor des großen Jagdschießens) und Christoph Tschohl. VN/JUN

280 Teilnehmer kämpften bei der 10. Jäger-Ski-WM um den Titel.

Bürs, Montafon Die lauten Schüsse in der Bürser Schlucht hörte man schon von Weitem. Am Freitag war die Bürser Schlucht Schauplatz der 10. Jäger-Ski-WM. 280 Teilnehmer konnten beim Jägerschießen maximal 80 Ringpunkte sammeln. Diese wurden dann später mit den gesammelten Punkten beim Skirennen am Golm addiert und so wurde der Gesamtsieger gekürt.

In der Bürser Schlucht mussten die Jäger weit schießen.
In der Bürser Schlucht mussten die Jäger weit schießen.

An vier verschiedenen Stationen – eine Ringscheibe, ein Fuchs, eine Gams und ein Rehbock – konnten sich die Jäger aus Liechtenstein, Deutschland, Österreich, Italien, Slowenien, Frankreich und aus der Schweiz miteinander messen. Die Scheiben wurden – teils gut versteckt und in 100 Metern Entfernung – in der ersten Hälfte der Bürser Schlucht naturgetreu aufgestellt. Jeder Jäger hatte zwei Schüsse pro Scheibe frei; die Höchstzahl pro Schuss betrug 10. Geschossen wurde mit einem einheitlichen Gewehr der Firma Blaser, die auch Sponsor der Jäger-Ski-WM ist.

Christoph Tschohl vom Montafoner Hof erklärte, dass es mittlerweile im Ländle fast unmöglich sei, in der freien Natur ein Jägerschießen zu veranstalten. In der Bürser Schlucht wird es nur geduldet, weil es hier schon seit Jahren praktiziert wird und somit Tradition ist. Im Frühjahr gibt es auch eigentlich immer das international bekannte, große Jagdschießen mit über 500 Teilnehmern in der Bürser Schlucht, doch das musste aufgrund der unsicheren Coronalage abgesagt werden, da die Vorbereitungen dafür bereits im November des Vorjahres starten.

Die Jagdmalerin Steffi Holder kam über die Kunst zum Jagen.<span class="copyright">VN/JUN</span>
Die Jagdmalerin Steffi Holder kam über die Kunst zum Jagen.VN/JUN

Von der Kunst zum Jagen

Insgesamt 30 Frauen nehmen an der Jäger-Ski-WM teil. „Die Jagerei wird bei den Damen immer beliebter“, weiß Christoph Tschohl. Eine Frau, die ebenfalls jagt und auch malt, ist Steffi Holder aus Laupheim. Seit 2011 ist sie professionelle Jagdmalerin. Dabei kam die Jagd erst nach der Kunst, wie sie selbst sagt. Die Künstlerin fertigte einige Auftragsarbeiten für Südtiroler Jäger an. „Über die Jagdmalerei kam ich dann zum Jagen“, sagt die mittlerweile leidenschaftliche Jägerin und Naturpädagogin. Denn, um ihre Jagdmotive realitätsgetreu malen zu können, muss sie selbst wissen, wie sich die Tiere in der freien Wildbahn verhalten, wie sie leben, wie sie aussehen. „Ich recherchiere viel. Davor brauche ich nicht mit dem Malen anfangen“, sagt die gelernte Architektin.

Mittlerweile dreht sich in ihrem Leben alles um die Jagd. Steffi Holder, die am liebsten alpenländische und afrikanische Tiere und Landschaften malt, bemalt sogar ganze Wände von Trophäenhallen wohlhabender Jäger. Am liebsten geht sie in der Nacht auf die Pirsch, um Wildschweine zu jagen. „Ich bin gerne nachts allein im Wald. Das Jagen fokussiert unheimlich. Es geht nur um den Moment, in dem du abdrückst.“

Am Golm mussten die Jäger am Samstag nicht nur ihr skifahrerisches Können unter Beweis stellen, sondern auch ihre Präzision beim Schießen.<span class="copyright">Marie Rudigier</span>
Am Golm mussten die Jäger am Samstag nicht nur ihr skifahrerisches Können unter Beweis stellen, sondern auch ihre Präzision beim Schießen.Marie Rudigier

Sachpreise zu gewinnen

Am Samstag ging es für die Jäger dann auf die Golmer Skipiste. Hier mussten sie im Jägerdress und auf Skiern nicht nur ihre Präzision beim Schießen, sondern auch ihr skifahrerisches Können unter Beweis stellen. Die Jäger und Jägerinnen mussten in einem Riesenslalom mit zwei Durchgängen die geringste Zeitdifferenz herausfahren und beim Schießen so viele Ringe wie möglich erzielen. Am Abend fand die Siegerehrung im Montafoner Hof statt. Zu gewinnen gab es mehrere Sachpreise wie Gewehre, eine Reise nach Namibia oder Ferngläser.

Treffsicherheit und ein gutes Gespür für die eigene Geschwindigkeit bewies am Samstag Juliane Bratke aus der Schweiz. Bei den Herren schaffte es Johnny von Grünigen, ebenfalls aus der Schweiz, ganz oben aufs Treppchen. Den Sieg in der Mannschaftswertung holte sich das Team Capricorns mit Peter Gadmer, Jachen Fadri Filli, Christian Lötscher und Mario Filli. Die Siegerehrung im Montafoner Hof stellte den feierlichen Abschluss der Jäger-Ski-WM dar. VN-JUN

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