Ein Visionär und Impulsgeber

Vorarlberg / 13.04.2022 • 18:09 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
German Wilhelm: Sein Naturell sah Toleranz und Vernunft im Mittelpunkt.
German Wilhelm: Sein Naturell sah Toleranz und Vernunft im Mittelpunkt.

Zum Tod von Baumeister Ing. German Wilhelm (1941 bis 2022).

GÖTZIS Am 31. März verstarb nach langer Krankheit Baumeister Ing. German Wilhelm, Seniorchef der Firma Wilhelm+Mayer in Götzis. Mit unermüdlichem persönlichen Einsatz, großer Weitsicht und klarer Zielstrebigkeit hat er die Firma Wilhelm+Mayer in zweiter Generation viele Jahrzehnte geführt. Dabei vernachlässigte er nie seine Familie.

Seine Handschlagqualität, sein Sinn für Architektur, Geschichte und Kunst, seine geradlinige und wertschätzende Art waren nicht nur bei seinen Mitarbeitern, sondern auch bei den Auftraggebern und Geschäftsfreunden bekannt.

German Wilhelm hat sich aber auch um die Förderung seines Berufsstandes große Verdienste erworben. Er war viele Jahre im Ausschuss der Bauinnung sowie als Mitglied der Baumeister-Prüfungskommission aktiv tätig und hat während dieser Zeit die Entwicklung der Vorarlberger Bauinnung maßgeblich mitgestaltet.

German Wilhelm wurde am 31. August 1941 geboren und begann mit 14 Jahren eine einjährige Maurerlehre, bevor er in Innsbruck die HTL für Hochbau besuchte und in der Folge Baumeister wurde. Ehe er in den väterlichen Betrieb einstieg, arbeitete er nach der Matura noch ein Jahr in einem Ingenieurbüro in Zürich. Aber die „jugendliche Rebellion“, wie er es rückblickend nannte, verhinderte eine längere Zusammenarbeit, und so kehrte er nach Götzis zurück. Im Jahre 1962 begannen er sowie seine jüngere Schwester Trudi für Wilhelm+Mayer im Büro zu arbeiten. Am Anfang sind es Bauleitungen, die dem jungen Ingenieur übertragen werden. Von diesem privaten Wissen profitiert er in den folgenden Jahren enorm viel. Im Jahre 1966 heiratete er die Götznerin Waltraud Hartmann. 1966 und 1968 kamen die Söhne Oliver und Johannes zur Welt.

In den frühen Siebzigerjahren übernahm German Wilhelm immer mehr Aufgaben der Geschäftsführung. Erwin Mayer, der alles Administrative verantwortete, Kalkulationen machte und sich um neue Aufträge kümmerte, bezog ihn nach und nach in die Leitung des mittlerweile über 300 Mitarbeiter umfassenden Betriebes ein. Es sind die vielen Arbeiten im Brückenbau, die diese große Zahl an Mitarbeitern notwendig machen.

Im Zuge dessen investierte das Götzner Bauunternehmen in seine verschiedenen Standorte und trieb die jeweiligen Sparten weiter voran. Damit gelang es nachhaltig, das Unternehmen noch breiter aufzustellen und so krisensicherer zu machen. Anfang 1974 kaufte Wilhelm+Mayer das Kieswerk Rohner, Lutz und Co in Rankweil Brederis und fünf Jahre später das dortige Kieswerk Willi Weh. Der Standort entwickelte sich rasch zum Rückgrat der Rohstoffversorgung für das Götzner Bauunternehmen. Auch im Bereich des Asphaltmischgutes stieß das Unternehmen an seine Kapazitätsgrenzen. Die Anschaffung einer neuen Mischgutanlage löste im Jahre 1976 diese Probleme.

Im Jahr 1976 übernahm German Wilhelm zusammen mit seinem Bruder Werner und den Mayer-Brüdern Franz-Josef, Hermann und Elmar gleichberechtigt die Geschäftsführung der traditionsreichen Firma in der fünften Generation.

Das k0mplexe Unternehmen Wilhelm+Mayer, tätig in den Bereichen Hochbau, Tief-, Straßen- und Brückenbau sowie Betonerzeugung konnte nicht mehr länger von einer einzigen Führungskraft gestemmt werden. Was aber in der Gründergeneration die Stärken zweier Persönlichkeiten zusammenführte, fügte sich mit fünf grundsätzlich gleichberechtigten Personen nicht zusammen. In den vielen Jahren seines Berufslebens gelang German Wilhelm mit viel Um- und Nachricht und mit seiner bodenständigen Art, die bewährten Werte des Unternehmens zu festigen und weiterzuentwickeln. Die überlieferten Werte, aber auch klare unternehmerische Ziele waren seine ständigen Begleiter. Er war Visionär und Impulsgeber mit Stehvermögen und Beharrlichkeit. Verständnis, Begeisterung und wohlüberlegtes Handeln zählten zu seinen Stärken.

Sein Verdienst lag in der kontinuierlichen Fortführung des Unternehmens und auch in der Fähigkeit, die richtigen Mitarbeiter auszuwählen, sie gewähren zu lassen, ihre Arbeit wertzuschätzen, voranzudenken, von sich und den anderen zu fordern und das Notwendige zu tun. Mit dieser Konsequenz hat er die zweite Generation von Wilhelm+Mayer geprägt und den Übergang in die dritte Führungsgeneration ermöglicht.

Im Jahre 2006 übernahm Johannes Wilhelm, einer der beiden Söhne von German Wilhelm, die Geschäftsleitung.

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