Erste Schritte am Arbeitsmarkt

Vorarlberg / 13.04.2022 • 21:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In Vorarlberg sind aktuell 1264 geflüchtete Ukrainer registriert. APA/Groder
In Vorarlberg sind aktuell 1264 geflüchtete Ukrainer registriert. APA/Groder

In ganz Österreich wurden bereits 42.600 blaue Aufenthaltskarten für Ukrainer ausgestellt.

WIEN, SCHWARZACH Vor etwa anderthalb Monaten griff Russland seinen Nachbarstaat an, Millionen Ukrainer mussten seither flüchten. Den Vereinten Nationen zufolge handelt es sich um die größte Flüchtlingsbewegung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Auch nach Österreich sind viele Menschen gekommen. Derzeit sind bereits zehntausende Schutzsuchende registriert, in Vorarlberg aktuell 1264 Personen. Sie sind in 64 Gemeinden untergebracht. „Wir erleben Menschen in einem Schwebezustand“, sagt Caritas-Direktor Walter Schmolly. Sie müssten nun erst einmal ankommen. Einige versuchen aber schon, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Im Land sind 34 Beschäftigungsbewilligungen ausgestellt worden.

42.600 blaue Karten

Angesichts der Fluchtbewegung in der Ukraine ist eine EU-Richtlinie für temporären Schutz aus dem Jahr 2001 aktiviert und in den einzelnen Staaten umgesetzt worden. Die Vertriebenen dürfen zunächst ein Jahr in Österreich bleiben und arbeiten, bekommen auch Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung. Mit Stand Mittwoch wurden mehr als 57.000 vertriebene Menschen erfasst, 42.600 blaue Aufenthaltskarten produziert und 32.500 Ausweise versendet, informiert das Innenministerium auf Anfrage.

Die blauen Karten berechtigen dazu, eine Arbeitsbewilligung zu beantragen. Laut AMS Vorarlberg wurden mit Stand Mittwoch 34 Beschäftigungsbewilligungen ausgestellt, davon 26 für Frauen. „Jeden Tag kommen drei oder vier dazu“, informiert Katharina Neuhofer, stellvertretende Geschäftsführerin des AMS Vorarlberg über die aktuelle Entwicklung. Der Löwenanteil, bislang 15 Bewilligungen, betrifft die Gastronomie und den Tourismus. Insgesamt sechs Beschäftigungsbewilligungen wurden für Verkauf, Produktion und Reinigung erteilt. Der Rest verteilt sich über die Branchen.

Uneinigkeit bei Höchstgrenze 

Für den Bereich Bildung gab es noch keine Beschäftigungsbewilligung, wie das AMS mitteilt. Es ist damit zu rechnen, dass in den kommenden Wochen und Monaten noch viele ukrainische Kinder nach Österreich kommen werden und der Bedarf steigen wird. Uneinigkeit gibt es derzeit auch bei der Höchstgrenze für den Zuverdienst, ohne aus der Grundversorgung herauszufallen. So wollte Kärnten zuletzt, dass eine mögliche Erhöhung von derzeit 110 auf 485 Euro nicht nur ukrainischen, sondern auch anderen Flüchtlingen zugutekommt. Ein einstimmiger Beschluss der Bundesländer ist nötig. Es habe eine ausführliche Diskussion gegeben, sagt der zuständige Landesrat Christian Gantner (ÖVP). Eine Einigung von Bund und Ländern gebe es bislang aber noch nicht.

„Was den Zuzug angeht, hat sich die Situation zuletzt wieder etwas beruhigt“, berichtet Caritas-Direktor Schmolly. „Aber in diesem Krieg kann sich die Situation immer wieder schlagartig verändern. Wir müssen gut vorbereitet sein.“ In Vorarlberg gibt es mittlerweile Erstaufnahmezentren in Nenzing und Hohenems. Dazu kommen Unterkünfte, die von der Caritas betreut werden, sowie Privatquartiere. „Das hat sich als tragfähiges System erwiesen.“

„Den Menschen Zeit lassen“

Schmolly spricht derzeit von einer Phase des Ankommens, in der sich die Menschen befinden. Viele, hauptsächlich handelt es sich um Frauen und Kinder, haben ihre Ehemänner oder Verwandten in der Ukraine zurücklassen müssen. „Man sollte den Menschen Zeit lassen, erst einmal Kontakt und Begegnung anbieten.“

Wichtig seien Möglichkeiten für Kinderbetreuung und Spracherwerb, um dann auch auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können. Grundsätzlich funktioniere das aber schon sehr gut. Der Caritas-Direktor betont: „Es ist beeindruckend, wie die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger in dieser Situation helfen.“ VN-RAM, JUS

„Es ist beeindruckend, wie die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger in dieser Situation helfen.“

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