Der Skandal, der keiner ist

Vorarlberg / 14.04.2022 • 16:01 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
In den letzten Wochen ist der Vandanser Kindergarten medial in schlechtes Licht gerückt.VN/JUN
In den letzten Wochen ist der Vandanser Kindergarten medial in schlechtes Licht gerückt.VN/JUN

Warum im Vandanser Kindergarten doch nicht gratis gearbeitet wurde.

Vandans Für viel Wirbel sorgte die Berichterstattung über die Kündigung einer Mitarbeiterin im Kindergarten Vandans. Eine Kindergartenassistentin habe – so die Vermutung von Bürgermeister Florian Küng – eine vertrauliche E-Mail zwischen ihm und der Kindergartenleitung an die Presse weitergeleitet, in der es über scheinbar unbezahlte Arbeitsstunden der Kindergartenpädagoginnen ging. Konkret wirft eine Mitarbeiterin der Gemeinde vor, dass sie im vergangenen Sommer gratis arbeiten musste. Der Kindergarten selbst distanziert sich von besagter Mitarbeiterin, die Mutter zweier Kinder und beliebt bei den Eltern ist. Weil sich dieser Vorfall noch unter der ehemaligen Leitung ereignete, ist der Vorwurf der „Gratisarbeit“ für die neue Kindergartenleiterin abgeschlossene Sache, die von ihrer Seite her nicht mehr aufgerollt werden muss. Will die Mitarbeiterin also auf ihr Recht bestehen, müsste sie als Privatperson agieren.

Zwei Wochen nach der Veröffentlichung besagter E-Mail wurde der Kindergartenassistentin gekündigt. „Die Kündigung war nicht grundlos, sondern rechtens. Noch arbeitet die Mitarbeiterin im Kindergarten“, sagt Kindergartenleiterin Anna Hutter auf VN-Anfrage. „Es gibt selbstverständlich Gründe (alte und neue), die in Summe nicht mehr tragbar waren. Die Kündigung wurde auf gemeinsamen Wunsch mit der Kindergartenleitung und mir ausgesprochen“, bestätigt Bürgermeister Florian Küng, und sie „hat nichts mit der Sommerbetreuung zu tun“.

„Vorgehen völlig unverständlich“

Grüne-Landtagsabgeordnete und Gemeindevertreterin Nadine Kasper kann die Kündigung nicht verstehen und regt sich in einem Facebook-Post über den Bürgermeister auf: „Gratisarbeit statt Dankeschön für einen der wichtigsten Jobs in unserer Gesellschaft: Das macht mich wütend und lässt mich mit einem großen Warum zurück.“ Sie kritisiert das Verhalten des Bürgermeisters: „Anstatt sich beispielsweise mittels Bonuszahlung für die letzten 24 herausfordernden Monate zu bedanken, beschließt der Bürgermeister scheinbar, sie gar nicht zu bezahlen. Dieses Vorgehen ist für mich völlig unverständlich. Was sich der Bürgermeister bei der Kündigung einer zweifachen Mutter und verlässlichen Mitarbeiterin gedacht hat, erschließt sich mir nicht.“

Florian Küng ist sich keiner Schuld bewusst, denn es wurden lediglich aufgrund des Lockdowns nicht geleistete Arbeitsstunden der Kindergartenpädagoginnen in den Sommer hineinverschoben und dies im Verhältnis besser als 2 zu 1, ergo mussten sie sogar weniger Stunden nacharbeiten. „Die Verschiebung von Arbeitsstunden ist auch gesetzlich erlaubt“, sagt der Gemeindechef. Diese Vorgehensweise der Verschiebung der Arbeitsstunden für das Kindergartenjahr 2020/2021 wurde außerdem durch den Gemeindevorstand in der Sitzung vom 10. August 2020 in Auftrag gegeben und bereits von der Gewerkschaft geprüft.

Nadine Kasper bemängelt aber den Ablauf, wie die Gemeinde diese Sonderregelung durchgesetzt hat. „Es gibt ganz klare Regelungen, die die Gemeinde nicht eingehalten hat“, kritisiert sie. Schriftlich wurde die damals einvernehmliche Vereinbarung zu den verschobenen Arbeitsstunden jedenfalls nicht festgehalten, sondern nur mündlich. Mittlerweile hat auch die Gewerkschaft den Fall überprüft, mit dem Ergebnis, dass die Sommerbetreuung in Vandans dem Paragraphen 113 GAG (Covid-Sonderverordnung) entspricht. „Es wurde lediglich eine Verschiebung der vertraglich festgelegten Arbeitszeit vereinbart. Die Meinung, dass hier gratis Sommerbetreuung gemacht wurde, kann von Seite der Gewerkschaft nicht geteilt werden. Dem Wunsch der Mitarbeiterin über eine einvernehmliche Auflösung wurde vom Gemeindevorstand mit Unterstützung der Gewerkschaft entsprochen. Über die Modalitäten wurde Stillschweigen vereinbart“, sagt Thomas Kelterer von der Gewerkschaft auf VN-Nachfrage.

Durch die mediale Berichterstattung sei das Image des Kindergartens in letzter Zeit stark beschädigt worden, wie der Bürgermeister bedauert. Um weiteren Schaden vom Kindergarten abzuhalten und eine Personalfluktuation wie in vergangenen Jahren zu verhindern, war Florian Küng zu einem raschen Handeln gezwungen. Denn – das bestätigt auch Nadine Kasper – in den vergangenen zwei Jahren haben bereits einige Pädagoginnen gekündigt. Anders als von Nadine Kasper befürchtet, sei der Erhalt des Kindergartenbetriebes aber nicht gefährdet.

Der Betrieb des Kindergartens sei laut Florian Küng gesichert und der gesetzlich vorgeschriebene Personalstand könne zu jeder Zeit mehr als eingehalten werden. „Nadine Kasper hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, nachzufragen, wie die Leitung des Kindergartens und die Gruppenleiterin zur aktuellen Kündigung der Assistentin stehen“, zeigt sich der Bürgermeister vom Verhalten der Gemeindevertreterin enttäuscht. VN-JUN

„Die Verschiebung von Arbeitsstunden ist gesetzlich erlaubt.“

„Was sich der Bürgermeister bei der Kündigung gedacht hat, erschließt sich mir nicht.“

auszug aus dem Gemeindeangestelltengesetz 2005

Paragraph 113 Abs. 2 Ist der Dienstbetrieb aufgrund von Maßnahmen im Sinne des Abs. 1 zur Bekämpfung von COVID-19 für einen mindestens sechs Tage andauernden Zeitraum erheblich eingeschränkt, kann während dieser Zeit aus wichtigen dienstlichen oder sonst im öffentlichen Interesse gelegenen Gründen der Verbrauch von Erholungsurlaub abweichend von § 35 Abs. 8 im Umfang von höchstens zwei Wochen durch kalendermäßige Festsetzung angeordnet werden, sofern der Gemeindeangestellte dienstfähig ist. Eine solche Anordnung kann nur pro futuro erfolgen.

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