Ukraine-Krieg und Pandemie: Was das für Immobilien bedeutet

Vorarlberg / 15.04.2022 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ukraine-Krieg und Pandemie: Was das für Immobilien bedeutet
VN/Steurer

Erstes Quartal auf hohem Niveau des Vorjahres. Mieten machen rasante Immobilienpreisentwicklung nicht mit.

Dornbirn In den ersten drei Monaten des Jahres haben in Vorarlberg Immobilien im Wert von 581,9 Millionen Euro den Besitzer gewechselt. Die aktuellen Daten aus dem Grundbuch zeigen eine weiterhin hohe Dynamik am Immobilienmarkt.

Die Geschäftstätigkeit bewegt sich demnach auf dem Niveau des Vorjahres. Das trifft auch auf die Preise zu, die unverändert zu den höchsten in ganz Österreich zählen, innerhalb der letzten zwölf Monate bei Wohnungseigentum aber nicht mehr im Ausmaß der letzten Jahre zugelegt haben. Ein anderes Bild zeichnen VN-Recherchen auf Basis tatsächlich getätigter Transaktionen für Grundstücke, die im Jahresvergleich von durchschnittlich 604 Euro pro Quadratmeter auf 729 Euro angestiegen sind. Ein sattes Plus von 20 Prozent.

Hohe Nachfrage

Die Coronapandemie hat für zusätzliche Bewegung an einem Markt gesorgt, der schon davor den Turbo gezündet hatte. Die eigenen vier Wände, idealerweise mit Balkon oder Gartenanteil, haben an zusätzlicher Bedeutung gewonnen. Immobilienexperte Wolfgang Bösch beschreibt eine unverändert hohe Nachfrage. „Der Wirtschaftsmotor läuft gut, die Bevölkerung wächst und die Zinsen sind niedrig“, sieht der Geschäftsführer der Hypo Immobilien & Leasing einen gut funktionierenden Markt. Die Nachfrage finde ein entsprechendes Angebot, wenn auch in einzelnen Bereichen ein verknapptes.

Wolfgang Bösch, Geschäftsführer Hypo Immobilien &amp; Leasing: „Mietpreise haben sich nicht so stark entwickelt wie die Kaufpreise im Land.“ <span class="copyright">VN/Gasser</span>
Wolfgang Bösch, Geschäftsführer Hypo Immobilien & Leasing: „Mietpreise haben sich nicht so stark entwickelt wie die Kaufpreise im Land.“ VN/Gasser

So solide und planbar das Jahr begonnen hat, so unsicher scheinen weitere Prognosen. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine und die Folgen wie Rekordinflation und Baukostensteigerungen bergen Unsicherheiten. Die Sorge um das Ersparte könnte die Attraktivität des Betongoldes weiter steigern. „Das kommt jetzt sicher auf die Entwicklung der nächsten Monate an“, sieht Bösch derzeit noch keinen signifikanten Trend in diese Richtung.

Mieten können nicht mithalten

Unsichere Zeiten waren nie schlecht für Immobilien. Die Preissituation ist in Vorarlberg in einzelnen Bereichen aber ausgereizt. So würden etwa die Mieten die rasante Immobilienpreisentwicklung nicht mitmachen, analysiert der Experte. Für Investoren habe das zur Folge, dass die Renditen kleiner werden und die Zeit für die Finanzierung des Kaufpreises durch die Mieteinnahmen länger würde. Während es bei der Preisentwicklung von Wohnungen eine Seitwärtsbewegung gibt, ist bei Bauland weiterhin alles möglich.

„Grundstücke werden rar bleiben. Da kann es schon sein, dass sich die Preise noch einmal ähnlich entwickeln wie zuletzt“, sagt Bösch. Die von der Hypo Immobilien & Leasing prognostizieren Richtpreise 2022 sehen vor allem für die Kategorie „Sehr gute Lage“ Höchstpreise. In Dornbirn etwa liegen sie bei einem Quadratmeterpreis von 1020 bis 1350 Euro mit reichlich Luft nach oben. „Nicht jedes Grundstück erzielt einen Spitzenpreis“, schränkt Bösch ein. Durchschnittliche und weniger gute Lagen würden für weit weniger gehandelt. „Da trennt sich die Streu vom Weizen.“

Mit dem Blick nach vorne ist der Immobilienexperte überzeugt, dass Grundstücke nicht weniger wert würden, sondern über die Inflation hinaus zulegen sollten. Bei der Preisentwicklung für Wohnungen sieht Wolfgang Bösch eine abgeflachte Kurve, bei den Mietpreisen maximal Steigerungen auf dem Niveau der Teuerung.

Immobilien gesamt

2021/1. Quartal

Transaktionen: 1818

Volumen: 585.094.471 Euro

2022/1. Quartal

Transaktionen: 1814

Volumen: 581.930.066 Euro

Gebäude

2021/1. Quartal

Transaktionen: 274

Volumen: 194.383.671 Euro

2022/1. Quartal

Transaktionen: 258

Volumen: 198.903.721 Euro

Wohnungen

2021/1. Quartal

Transaktionen: 761

Preis/m2: 5076 Euro

2022/1. Quartal

Transaktionen: 711

Preis/m2: 5047 Euro

Bauland

2021/1. Quartal

Transaktionen: 124

Preis/m2: 604,99 Euro

2022/1. Quartal

Transaktionen: 173

Preis/m2: 729,48 Euro