Ebenbild oder Webfehler?

Vorarlberg / 19.04.2022 • 18:30 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Ebenbild oder Webfehler?

Gott ist zurück. Fristgerecht feiert er Auferstehung. Zuletzt hatte er sich ja mehr ins Privatleben zurückgezogen. Denn mein Glaube ist intim. Geht niemanden was an. Jeder muss nach seiner Façon selig werden, hat der Preussenkönig gesagt. Das ist nett. Es schließt niemanden aus. Sofern er pflichtbewusst, fleißig und loyal war, da kannte Friedrich II. keinen Spaß.

Nein, Gott ist zurück, zumindest im alltäglichen Sprachgebrauch. Gut, im Stoßseufzer „Gott sei Dank“ teilten selbst seine hartnäckigsten Gegner ganz selbstverständlich Erleichterung und Freude mit ihm. Aber jetzt gesellt sich erneut eine Frage hinzu. Sie ist so alt wie das Leid. Wir sehen den Krieg und fragen: Wie kann er das zulassen? Wieso greift Gott nicht ein? Was für einer ist denn das, der stumm bleibt wie ein Stein, während Menschen leiden?

Solche Fragen hört man. Sie klingen bitter. Sie atmen letzte, umfassende Ratlosigkeit. Erst angesichts der Pandemie, jetzt in der Bilderflut des Krieges. Aber die Frage scheint ungerecht. Es ist ja nicht Gott, der da mordet, quält und vergewaltigt. Es ist der Mensch, der sich in seiner eigenen Erzählung als Gottes Ebenbild beschreibt. Wenn man Gott schon Existenz und Wirkmacht zuschreibt, sollte man ihn vielleicht eher fragen, wie er die vielen Fehler hat übersehen können, bevor der Mensch in Serie ging . . .