Kraft der Sonne und Erde nutzen

Vorarlberg / 19.04.2022 • 16:54 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Balkonverkleidungen des Vier-Stern-Superior-Hotels Jägeralpe sind ein Blickfang: statt Holz wurden Solar- und Photovoltaik-Kollektoren installiert. <span class="copyright">stp/3</span>
Balkonverkleidungen des Vier-Stern-Superior-Hotels Jägeralpe sind ein Blickfang: statt Holz wurden Solar- und Photovoltaik-Kollektoren installiert. stp/3

Hotel Jägeralpe in Warth spart mit Energiekonzept jährlich rund 75 Tonnen Pellets ein.

Warth Die strahlende Frühlingssonne lässt auch Oskar und Oswald Jäger beim Fotoshooting auf der Terrasse strahlen, denn bei diesen Wetterverhältnissen sind Photovoltaik- und Solar-Anlagen des Warther Hotels Jägeralpe besonders fleißig am Produzieren und liefern jede Menge klimafreundliche Energie, die noch dazu gratis ist, weil die Sonne keine Rechnung stellt.

Seit die Familie Jäger ab 1967 die Alphütte auf ihrer Jägeralpe Schritt für Schritt zum heutigen Hotel der Kategorie 4-Stern-S entwickelt hat, stand der Umweltschutz im Mittelpunkt jeder Baumaßnahme. So war von allem Anfang an Heizöl kein Thema und selbst der Einsatz von Pellets wurde durch klimaschonende Systeme bestmöglich ersetzt, wie Oskar Jäger, der nach 40 Jahren die Geschäftsführung Ende 2019 seinem Sohn Oswald übergeben hat, im Gespräch mit der VN-Heimat erläutert.

Ausbau der Energiesysteme

Dieser schloss nahtlos dort an, wo sein Vater aufgehört hatte – mit Investitionen in den Umwelt- und Klimaschutz. Als Oswald 2019 in der Jägeralpe die Verantwortung übernahm, sah die Planung die Modernisierung des Stammhauses, die Optimierung der Abläufe zwischen den einzelnen Hotelkomplexen und die Errichtung von Personalwohnungen vor. Und auch diesmal stand der Ausbau der Energiesysteme im Vordergrund.

Corona hat den für 2020 vorgesehenen Baustart verzögert, doch nach der Saison 2020/21 wurde das Stammhaus großteils abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die rund zehn Millionen Euro teure Baumaßnahme brachte nur zwei zusätzliche Betten, die Investition floss zum größten Teil in Qualität, Infrastruktur. Hheute bietet das Hotel u. a. drei Pools, eine Spa/Wellness-Landschaft mit Kinderbereich, Atelier am Berg, die Kräuterei und den Golfsimulator und erweiterte und neue Energiesysteme.

Anbieter aus Griechenland

Nachhaltigkeit und Klimaschutz hat in der Jägeralpe eine lange Tradition. Mit Solarenergie hat sich Oskar Jäger schon Ende der 1980er-Jahre beschäftigt. Aber wie sollte das gehen? Auf 1600 Metern Seehöhe, in einem der schneereichsten Gebiete in Mitteleuropa? „Viele hielten es für verrückt – das wird nie und nimmer funktionieren, die Solaranlage auf dem Dach wird viele Monate lang ständig zugeschneit sein, mutmaßten die Skeptiker. Zudem fanden wir in Österreich keine Firma, die Solaranlagen anbot“, erinnert sich Oskar Jäger, der sich jedoch nicht von seiner Idee abbringen ließ. Der Installationsbetrieb von Walter Albrecht in Au fand einen Anbieter in Griechenland und 1990 nahm die erste Anlage die Produktion von Warmwasser auf. Die Kollektoren wurden meist an Balkonen montiert – dort war der Schnee kein großes Problem. Die Jägeralpe war in der Solartechnik bei den Vorreitern, „am Land“ nahm das Solarzeitalter erst Fahrt auf, als Mitte 1991 das Land eine Förderaktion startete.

Vorreiterrolle beibehalten

Die Jägeralpe blieb im wahrsten Sinne des Wortes auf der Sonnenseite und reduzierte mit jeder Baumaßnahme durch gleichzeitige Erweiterung der Solaranlage im Verein mit Wärmedämmung den Pelletseinsatz. Ein Quantensprung erfolgte 2015: mit dem Abriss und Neubau des früheren Sportpavillons stieg die Jägeralpe nicht nur in die Vier-Stern-Superior-Kategorie auf, sie katapultierte sich mit der ersten Photovoltaikanlage auch hinsichtlich Sonnenenergienutzung in die Klimaschutzkönigsklasse.

Auch die EU beeindruckt

Mit der im Vorjahr gesetzten teuersten Baumaßnahme in der Geschichte des Hotels wurden auch die Experten der EU beeindruckt. Mit dem Erfolg, dass auch Fördermittel aus Brüssel in das Projekt flossen. „Wir sind sehr stolz, dass unser Projekt auch der EU gefällt und für förderungswürdig befunden wurde“, heißt es dazu auf einer Informationstafel des Hotels.

„Verdient“ hat sich die Jägeralpe die EU-Förderung vor allem mit dem erweiterten und umfassenden Energiekonzept: „Jetzt wird Warmwasser mit einer 270-m2-Solaranlage aufbereitet, zudem nützen wir die Abwärme unserer Kühlanlage zum Vorheizen. Unsere Photovoltaikanlage hat eine Leistung von 55 kWpeak und für die Beheizung der drei Pools ist eine neue Erdwärmepumpe mit 60 kW Ausgangsleistung installiert“, listet Oswald Jäger dazu auf.

Pelletseinsatz etwa halbiert

Bleibt die Gretchenfrage, was dieses Bündel von Maßnahmen der Umwelt bringt. „Für eine abschließende Beurteilung ist es nach rund vier Monaten noch zu früh, aber die bisherigen Erfahrungen haben die Berechnungen und Prognosen der Fachleute weitgehend bestätigt: Beim Brennstoffeinsatz werden wir den Pelletsverbrauch in etwa halbieren und jährlich rund 75 Tonnen einsparen. Zudem senken wir dank der Eigenproduktion auch die Stromrechnung“, bringt Oskar Jäger auch den monetären Aspekt ins Spiel. STP

Interessant sind die Balkonverkleidungen mittels Kollektoren.
Interessant sind die Balkonverkleidungen mittels Kollektoren.
Oskar und Oswald Jäger setzten zahlreiche Klimaschutzakzente.
Oskar und Oswald Jäger setzten zahlreiche Klimaschutzakzente.