Vier Jahre Haft für Messerstiche

Vorarlberg / 19.04.2022 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Statt einer klärenden Aussprache kam es an der Bregenzer Tankstelle zu einem Angriff.

Feldkirch Es hätte eine Aussprache werden sollen. Denn der Mann wurde angeblich abgezockt und vermutete, dass ein 28-jähriger Facharbeiter hinter der Sache stecke. Als Treffpunkt wurde die Shell-Tankstelle in Bregenz-Vorkloster vereinbart.

Der Facharbeiter kam, um die Sache auszureden. Die beiden schrien sich an, dann mischte sich ein Dritter, der Angeklagte, ein und machte dem Facharbeiter zu schaffen. Die Videoaufzeichnung lässt deutlich erkennen, was gegen halb zehn Uhr abends los war. Das weiß der achtfach Vorbestrafte und räumt ein, mit seinem Messer in Richtung Facharbeiter zugestochen zu haben. Zum Glück traf der Mann mit den vier heftigen Stichbewegungen Richtung Oberkörper das Opfer nur am Arm. Es kam zu zwei Schnittverletzungen. Die Staatsanwaltschaft ortet eine versuchte absichtlich schwere Körperverletzung.

1000 Gedanken

Der Beschuldigte gibt an, er habe 1000 Gedanken im Kopf gehabt, aber verletzen wollte er niemanden. Vielmehr vertreiben, denn er kenne den Kontrahenten. Der sei eigentlich ein ganz netter. Das Messer habe er im Reflex gezückt, aus Angst, der andere habe ein Messer. „Klar, aggressiv war ich schon, immerhin hat er mich als ‚Scheißtürk‘ beschimpft, außerdem hatte ich Kokain, Heroin und Methadon intus“, rechtfertigt sich der Beschuldigte. Außerdem habe ihm sein Gegner eine Bierdose nachgeworfen. Das ist auf dem Video zu sehen. Mit dem Messer verletzt habe er ihn eigentlich versehentlich, denn der Gegner sei zunächst weggegangen, plötzlich sei er stehengeblieben, da sei er dann quasi zu nahe an ihm dran gewesen und habe ihn versehentlich erwischt, so die Behauptung.

Opfer hat Angst

Das Opfer gibt an, dass ihn seit dem Vorfall ungute Gefühle heimsuchen. Er wohne ebenerdig und fürchte, dass der Angreifer zurückkommen könnte. Außerdem habe ein ihm bislang unbekannter Verwandter des Angeklagten, der einen Dönerstand betreibt, ihn wegen des Vorfalls eingeschüchtert, das alles sei ihm unheimlich, gibt der 28-Jährige zu Protokoll. „Die Verletzungen waren nur oberflächlich, doch es ist ein Zufall, dass in einer so hochdynamischen Situation nur leichte Verletzungen zustande kamen“, so Gerichtsmediziner Walter Rabl. Immerhin hatte das Messer eine elf Zentimeter lange Klinge. Das Opfer sei übrigens bei der Untersuchung in Innsbruck „recht lustig drauf“ gewesen und habe Bierdosen dabeigehabt“, merkt Rabl am Rande an.

Der Schöffensenat spricht den Angeklagten wegen versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung schuldig und verurteilt ihn zu vier Jahren unbedingter Haft. Das Opfer bekommt vorläufig hundert Euro zugesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.