Demenz fordert die gesamte Familie

Vorarlberg / 20.04.2022 • 18:11 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Cornelia Reibnegger (l.) und Katharina Wiesflecker warfen zumindest bildlich einen Blick ins Museum für Lebensgeschichten.vlk/serra
Cornelia Reibnegger (l.) und Katharina Wiesflecker warfen zumindest bildlich einen Blick ins Museum für Lebensgeschichten.vlk/serra

Neues Projekt soll noch bessere Unterstützung für Betroffene und Angehörige bieten.

Hard Demenz ist etwas, das den Alltag gründlich verändert. Das gilt sowohl für Betroffene wie für Angehörige. Demenz fordert das gesamte Familiensystem, besonders in der ersten Zeit nach der Diagnose. Um in solchen Situationen noch besser Unterstützung leisten zu können, startet im Herbst das Projekt „Begleitung nach der Diagnose Demenz“. Es wurde auf Initiative der Aktion Demenz entwickelt. Zum Auftakt soll das zusätzliche Beratungsangebot zuerst in einer Stadt sowie einer Region mit mehreren Gemeinden aufgegleist und im Rahmen der „Ambulanten gerontopsychiatrischen Pflege“ mit zwei Krankenpflegevereinen umgesetzt werden. Die Finanzierung ist laut Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker vorderhand auf zwei Jahre begrenzt.

Verdreifachung bis 2050

Für Projektleiterin Daniela Egger stellt das neue Projekt einen bedeutenden weiteren Schritt in Richtung gesellschaftlicher Teilhabe von Menschen mit Demenz dar. In Vorarlberg haben rund 6000 Personen eine diagnostizierte Demenz. Bis 2050 muss mit einer Verdreifachung gerechnet werden. Umso wichtiger sei es, das Gemeinwesen und vor allem die pflegenden Angehörigen zu unterstützen, betonte die Soziallandesrätin bei einer Pressekonferenz in Hard. Darum bemüht sich in erster Linie die Aktion Demenz, die bereits in 51 Modellgemeinden präsent ist. Die Vielfalt der Initiativen spiegelt sich auch im aktuellen Jahresbericht wieder. Er macht auch die Menschen sichtbar, die in den Kommunen als Projektverantwortliche aktiv sind. Sie sprechen über ihre Erfahrungen, über Höhen und Tiefen und die Motivation, die sie antreibt. „Eine demenzfreundliche Gemeinde zu schaffen ist nicht so einfach“, ließ Daniela Egger durchblicken. Trotzdem ist noch keine abgesprungen, was sie auf die Freude an kreativen Ideen, am sinnvollen Tun und die vielen positiven Rückmeldungen von betroffenen Familien zurückführt. Immer geht es aber vorrangig darum, ein breites Verständnis für Demenzerkrankte in der Gesellschaft zu etablieren. Egger: „Sie sollen sich auch nach der Demenzdiagnose akzeptiert und aufgehoben fühlen.“

Dazu tragen verschiedenste Initiativen bei, etwa das Demenzcafè in Lustenau, Museumsbesuche, Spaziergänge und Rikschafahrten oder Kunstprojekte. In Hard ist ein Museum für Lebensgeschichten entstanden. Im Rahmen von kleinen Ausstellungen werden Erinnerungen an das Leben von Menschen aus der Region geweckt. Neu ist ein Wimmelbild, das aus einem Beteiligungsprozess entstand und vielfältige Situationen einer Nachbarschaft darstellt. „Es soll Anreiz schaffen, sich mit den eigenen Nachbarn auseinanderzusetzen“, erklärte Cornelia Reibnegger, Geschäftsführerin des Sozialsprengels, die Intention. Demnächst wird das Wimmelbild an alle Haushalte versendet. VN-MM

„Demenzkranke sollen sich auch nach der Diagnose akzeptiert und aufgehoben fühlen.“