Kämpfer in Mariupol vor Aufgabe

Vorarlberg / 20.04.2022 • 21:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kriegsvertriebene kommen in Odessa an. Reuters
Kriegsvertriebene kommen in Odessa an. Reuters

Eingeschlossene Kämpfer bitten um Evakuation.

Kiew Während Russland weiter Ziele in der Ukraine beschießt, legt der Kreml Kiew ein neues Verhandlungsangebot vor. “Jetzt wurde der ukrainischen Seite unser Entwurf des Dokuments übergeben, der absolut klare und ausgefeilte Formulierungen beinhaltet”, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch der Agentur Interfax. Angaben zum Inhalt machte er nicht, auch nicht bis wann Kiew auf das Angebot reagieren muss. Kiew lehnt es bislang ab, auf Gebiete zu verzichten.

Parallel flog Russland nach eigenen Angaben Angriffe gegen 73 Ziele allein in der Nacht auf Mittwoch. Die Ukraine bereitet sich weiter auf die erwartete Großoffensive im Osten des Landes vor. Bislang konzentrieren sich die Kämpfe auf die von den Separatisten geforderten Regionen im Donbass. Russlands Streitkräfte beschossen nach eigenen Angaben 1053 Militärobjekte. Von unabhängiger Seite konnten diese Angaben nicht bestätigt werden.

Mariupol vor Aufgabe

Unterdessen bat der Kommandeur der in Mariupol kämpfenden Marineinfanterie um eine Evakuierung der im Stahlwerk Asowstal eingeschlossenen Kämpfer und Zivilisten in ein Drittland. “Das könnte der letzte Appell unseres Lebens sein”, sagte Serhij Wolyna, Kommandeur der ukrainischen 36. Marineinfanteriebrigade, in einer am frühen Mittwochmorgen auf Facebook veröffentlichten einminütigen Videobotschaft. Die Stadt und der Hafen sind zum großen Teil zerstört. Russland vermutet an die 3000 Kämpfer im Stahlwerk, der Ukaine zufolge haben dort bis zu 1000 Zivilisten Schutz gesucht. Sich den russischen Kämpfern zu ergeben, haben die Verteidiger bislang ausgeschlagen.

Für die Zivilisten in Mariupol wurde nach ukrainischen Angaben ein Fluchtkorridor ausgehandelt. In der Stadt sollen sich noch rund 100.000 Menschen aufhalten. Die Zahl der ins Ausland fliehenden Ukrainer hat die Marke von fünf Millionen überschritten. Mit 2,8 Millionen floh der Großteil zuerst nach Polen.

Milliarden an Militärhilfe

Die Europäische Union will der Ukraine weitere 1,5 Milliarden Euro an Militärhilfe zukommen lassen. Dies gab EU-Ratspräsident Charles Michel in Kiew bekannt. Michel stattete dem zerstörten Kiewer Vorort Borodjanka einen Besuch ab. Das rund 30 km vom Kiewer Zentrum liegende Städtchen war von den russischen Streitkräften durch Beschuss weitgehend zerstört worden, zahlreiche Zivilisten starben. 

Charles Michel machte sich im Kiewer Vorort Borodjanka ein Bild von der Zerstörung. Reuters
Charles Michel machte sich im Kiewer Vorort Borodjanka ein Bild von der Zerstörung. Reuters
Der zehnjährige Vova und sein Vater begraben seine Mutter in Butscha. AP
Der zehnjährige Vova und sein Vater begraben seine Mutter in Butscha. AP