Im Blindflug durch die Pandemie

Vorarlberg / 22.04.2022 • 21:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zu oft entsprechen Corona-Daten nicht der Wirklichkeit. Sofern welche vorhanden sind.

SCHWARZACH Corona-Experten haben sich angewöhnt, Daten zu runden und eher nur auf ihre Entwicklung im Zeitverlauf zu achten. Zu oft handelt es sich um wackelige Angaben, zu oft müssen sie korrigiert werden. Ein kleines Beispiel aus der Region: Für den deutschen Bodenseekreis mit Friedrichshafen wurden übers Osterwochenende keine bestätigten Neuinfektionen gemeldet. Die Inzidenz der Fälle pro 100.000 Einwohner und Woche halbierte sich bis Dienstag beinahe auf weniger als 600. In Wirklicht hatte es natürlich auch an den Feiertagen Neuinfektionen gegeben. Sie wurden aber erst am Mittwoch nachgemeldet. Prompt kletterte die Inzidenz auf fast 900. Immerhin: Das Robert-Koch-Institut, das die Daten veröffentlicht, warnt regelmäßig, wenn Vorsicht angebracht ist.

In Österreich wird nicht gewarnt, sondern einfach nachgemeldet. Auch wenn die größten Sprünge damit einhergehen. Beispiel: Das Gesundheitsministerium überraschte am Dienstag mit der Meldung, dass seit Beginn der Pandemie um 3412 Menschen mehr an oder mit Corona gestorben seien als bisher angegeben. Bundesweit erhöhte sich die Zahl um 21 Prozent auf 19.882. In Vorarlberg kletterte sie um 93 bzw. rund 17 Prozent auf 629. „Wenn die Daten nicht in Ordnung sind, ist es schwierig, gute Analysen zu erstellen“, wettert der Statistiker Erich Neuwirth. Ein Problem sieht er bei der Eingabe sowie bei der Kontrolle derselben. Im konkreten Fall ergab sich die Korrektur aus einem Abgleich des „Epidemiologischen Meldesystems“ (EMS) und der Todesursachenstatistik der Statistik Austria. Das sind unterschiedliche Datenbanken, die auf ein weiteres Problem verweisen: Wann liegt ein Corona-Todesfall vor? Gebräuchlich ist eine Definition, wonach eine Infektion nicht die Hauptursache sein muss; es reicht, wenn es eine Nebenerkrankung gewesen ist. Bei Zuordnung und zeitnaher Veröffentlichung scheint es jedoch zu hapern.

Großbritannien als Vorzeigeland

Österreich ist berüchtigt für seine Datenqualität. Im negativen Sinne. Großbritannien zählt zu den Vorzeigeländern. Dort bemüht man sich etwa, Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung („Long Covid“) bestmöglich zu dokumentieren. Für Österreich gibt es nichts Vergleichbares. Wolfgang Panhölzl von der AK Wien kann daher nur auf Basis internationaler Untersuchungen abschätzen, was ist. So dürfte ein Drittel der Corona-Patienten, die eine Intensivbehandlung überstanden haben, dauerhaft arbeitsunfähig bleiben. JOH