„Schäme mich mittlerweile, ÖVP-Mitglied zu sein“

Vorarlberg / 22.04.2022 • 21:44 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

HARD, WOLFURT Der Vorarlberger Wirtschaftsbund kommt nicht aus den Schlagzeilen. Immer neue Details zu den Vorgängen innerhalb der ÖVP-Teilorganisation sorgen auch in den eigenen Reihen für Empörung. Firmenautos zum Schnäppchenpreis, undurchsichtige Vergabe von Darlehen, hohe Summen für private Lebensversicherungen und üppige Provisionen bei der Anzeigenakquisition lassen die Wogen hochgehen.

„Ich bin selbst ÖVP-Mitglied. Mittlerweile schäme ich mich dafür“, sagt Hans Wolff. Der Textilunternehmer aus Hard ist Obmann der Wirtschaftsgemeinschaft des Ortes. Der Wirtschaftsbund sei wie ein Selbstbedienungsladen geführt worden. Die Partei „wurschtle“ nur von Tag zu Tag. So könne es jedenfalls nicht weitergehen. Die Verärgerung bei Wolff ist groß, auch auf die Wirtschaftskammer. „Alles derselbe Sumpf“, wie er findet. Der ganze Vorstand gehöre ausgetauscht.

Personeller Neuanfang

Personelle Konsequenzen fordert auch Walter Eberle, viele Jahre Wirtschaftsbundobmann in Wolfurt. An dem inzwischen zurückgetreten Wirtschaftsbund-Direktor Jürgen Kessler lässt er kein gutes Haar. Immer wieder habe er auf Missstände aufmerksam gemacht. Gehört wurde er nicht. Ende letzten Jahres hat Eberle schließlich einen Schlussstrich unter seine Tätigkeit gesetzt. „Das ganze System ist falsch und passt nicht mehr in die heutige Zeit.“ Es brauche jetzt einen radikalen Schritt. „Der gesamte Vorstand des Wirtschaftsbunds gehört ausgetauscht. Sie waren alle mit dabei.“ Neben einem personellen Neuanfang müsse aber auch alles aufgedeckt werden. Es müsse reiner Tisch gemacht werden.