Lukratives Inseratengeschäft und viel Geld für Ortsgruppen

Vorarlberg / 23.04.2022 • 04:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lukratives Inseratengeschäft und viel Geld für Ortsgruppen
Jürgen Kessler (ab 1. Jänner 2018) und Langzeitdirektor Walter Natter verantworteten das Anzeigengeschäft der Wirtschaftsbundzeitung “Vorarlberger Wirtschaft”.

Florierendes Geschäft: Mit Jürgen Kessler haben sich die Inseratenerlöse des Wirtschaftsbunds vervielfacht.

Dornbirn Das Magazin “Vorarlberger Wirtschaft” war für den Wirtschaftsbund ein finanzieller Glücksfall. Viele Jahre lagen die Inseratenerlöse auf dem Niveau der Mitgliedsbeiträge, spülten so zusätzlich rund 300.000 Euro jährlich in die Kassa.

Lukratives Inseratengeschäft und viel Geld für Ortsgruppen

Das zeigt eine Aufstellung zu den Anzeigenumsätzen aus dem ÖVP-Untersuchungsausschuss. Zwischen 2011 und 2017 variierten die jährlichen Einnahmen aus Inseraten nur geringfügig. Eine Zeit, in der der langjährige Wirtschaftsbunddirektor Walter Natter das Anzeigengeschäft verantwortete. Am 1. Jänner 2018 trat Jürgen Kessler die Nachfolge Natters an und die Umsätze explodierten regelrecht.

Inseratenerlöse Zeitung “Vorarlberger Wirtschaft”

2011: 358.267 Euro

2012: 325.372 Euro

2013: 291.486 Euro

2014: 285.633 Euro

2015: 279.596 Euro

2016: 305.167 Euro

2017: 301.297 Euro

2018: 717.566 Euro

2019: 1.270.593 Euro

2020: 1.019.083 Euro

2021: über 800.000 Euro

Unter Druck, wie einzelne Unternehmer zuletzt wissen ließen, vervielfachten sich die Inseratenerlöse des Wirtschaftsbundmagazins. 2019 erreichten sie mit 1,27 Millionen Euro einen Höchstwert, mehr als das Vierfache der früheren Umsätze. Kessler hatte wie auch sein Vorgänger eine Provisionsbeteiligung. Angaben über die genaue Höhe gibt es nicht. Nur bei Walter Natter lässt sich aus den Unterlagen des Untersuchungsausschusses für die Jahre 2015, 2016 und 2017 eine Provision in der Höhe von 15 Prozent herauslesen.

Spendabler Wirtschaftsbund

Finanziell ist der Wirtschaftsbund Vorarlberg exzellent ausgestattet. Das Finanzamt spricht über Rücklagen von fünf Millionen Euro. Dabei war die ÖVP-Teilorganisation durchaus spendabel, wie ein Blick in die den VN vorliegenden Akten des U-Ausschusses zeigen. Darin finden sich unter dem Titel “Kostenbeteiligung für Mitglieder Landtagswahl” zwei Überweisungen. 2015 flossen 400.000 Euro in die Kassen der Vorarlberger Volkspartei, 2019 waren es 500.000 Euro. Die Zahlen in den Unterlagen decken sich mit den Aussagen von Landeshauptmann Markus Wallner, der im Gespräch mit den VN in Summe 900.000 Euro bestätigte. Darüber hinaus gab es auch Zuwendungen für ÖVP-Ortsgruppen in Höhe von 357.500 Euro, die erst diese Woche bekannt wurden.

Unter dem Titel “Kostenbeteiligung Mitglieder Gemeinderatswahlen” wurden im wesentlichen 2015 und 2020 Ortsgruppen in 13 Gemeinden finanziell unterstützt. In der Höhe fielen die Zuwendungen höchst unterschiedlich aus. Lustenau wurde in drei Tranchen gesamt mit 67.000 Euro unterstützt, Rankweil erhielt mit zwei Überweisungen 61.500 Euro, Dornbirn in drei Tranchen 51.000 Euro, Bregenz und Feldkirch ebenfalls in zwei Tranchen 50.000 Euro. Kleinere Summen waren es beispielsweise mit zwei Mal 3000 Euro für die Leiblachtalgemeinde Hörbranz.

Weitere Mittel wurden der Partei vom Wirtschaftsbund auch zum Beispiel für Veranstaltungen oder Wahlkampfwerbung zur Verfügung gestellt. Am Ende kamen so aus den Geldern für Landes-ÖVP, den Ortsgruppen und weiteren Zuwendungen rund 1,5 Millionen Euro zusammen.

Zuwendungen an Ortsgruppen

Feldkirch: 25.000 Euro (2015) und 25.000 Euro (2020)

Götzis: 2000 Euro (2015)

Wolfurt: 6000 Euro (2015) und 6000 Euro (2020)

Lustenau: 31.000 Euro (2015), 6000 Euro (2016) und 30.000 Euro (2020)

Kleinwalsertal: 2000 Euro (2015)

Bregenz: 25.000 Euro (2015) und 25.000 Euro (2020)

Rankweil: 30.000 Euro (2015) und 31.500 Euro (2020)

Bludenz: 8000 Euro (2015), 10.000 Euro (2019) und 30.000 Euro (2020)

Dornbirn: 25.000 Euro (2015), 11.000 Euro (2019) und 15.000 Euro (2020)

Hörbranz: 3000 Euro (2016) und 3000 Euro (2020)

Satteins: 1500 Euro (2020)

Zwischenwasser: 500 Euro (2020)

Frastanz: 6000 Euro (2020)