Bis zu 200 Euro für die Reparatur alter Geräte

Vorarlberg / 26.04.2022 • 20:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Guter Geschmack statt noch mehr Müll: Othmar Spielhofer und seine Tochter Gabriela bringen in Schwarzach marode Kaffeemaschinen wieder zum Laufen.VN
Guter Geschmack statt noch mehr Müll: Othmar Spielhofer und seine Tochter Gabriela bringen in Schwarzach marode Kaffeemaschinen wieder zum Laufen.VN

Der Reparaturbonus verringert Schrott und nutzt Kleinbetrieben.

Schwarzach/Wien Seit 37 Jahren verlängert Othmar Spielhofer die Lebensdauer von Kaffeemaschinen. „Das ist eine super Geschichte. Wir hatten heute schon vier Kunden mit Bons“, sagt er bezüglich des Reparaturbonus, der ab sofort in Österreich gilt. Auf Reparaturen oder deren Kostenvoranschlag werden 50 Prozent abgezogen, und zwar bis zu einer Grenze von 200 Euro. Damit will das Klimaministerium Elektroschrott reduzieren. Bis März 2026 stehen dafür insgesamt 130 Millionen Euro aus dem EU-Wiederaufbaufonds zur Verfügung.

„Man sollte ein Fachwissen über Elektrik und Elektronik haben. Den Rest habe ich mir selbst beigebracht, weil es niemanden gegeben hat, der es mir hätte beibringen können“, erzählt der Hörbranzer den VN in seinem Geschäft im Gewerbepark in Schwarzach. In seiner Werkstatt werden jeden Monat 120 bis 130 Maschinen repariert. Das ist aber nur ein Nebengeschäft, hauptsächlich betreuen Spielhofer und seine Tochter Gabriela Großkunden. Die 30-Jährige arbeitet seit sieben Jahren mit und übernimmt allmählich das Geschäft.

1200 Betriebe österreichweit

Der Gutschein kann auf www.reparaturbonus.at heruntergeladen werden und muss digital oder ausgedruckt innerhalb von drei Wochen bei den Partnerbetrieben eingelöst werden. Praktischer Nebeneffekt am Reparaturbonus: Auf der Website können die rund 1200 Partnerbetriebe, zu denen Othmar Spielhofers Kaffeemaschinen-Service zählt, für Reparaturen in ganz Österreich abgerufen werden. Oftmals fehlt das Wissen, wer in der unmittelbaren Nähe des Wohnortes noch repariert. Da erscheint der Klick im Internet auf ein neues Gerät einfacher.

Othmar Spielhofer rechnet vor, dass sich Treue aber sehr wohl auszahlt. Bei Kaffeemaschinen betrifft es oft die mechanischen Teile, bei denen Defekte auftreten: Zum Beispiel eine Pumpe nach fünf Jahren, ein Fremdkörper in den Mühlen oder Kalk. Spielhofer berichtet: Eine Reparatur koste meist 100 Euro, mit dem Reparaturbonus nun nur noch 50 Euro. „Und man hat oft noch Jahre etwas davon.“

Klimaministerin Leonore Gewessler ließ sich bei der Präsentation zu fast poetischen Ausführungen hinreißen: Für viele seien Elektrogeräte oft treue Begleiter: „Manchmal sind sie mit schönen Erinnerungen verbunden. Fast wie eine Liebesgeschichte.“

Nachfrage statt Nachhaltigkeit

Denn auf dem Müll landet nicht nur was defekt ist, sondern auch was nicht mehr modern erscheint. Es gibt auch die „psychologische Obsoleszenz“. Als Erfinder gilt General-Motors-Präsident Alfred P. Sloan in den 1920er-Jahren, indem er jedes Jahr ein neues Auto auf den Markt brachte. Stets mit kleinen Designänderungen, wodurch funktionsfähige Modelle schnell altmodisch wirkten.

2018 entstanden EU-weit vier Millionen Tonnen Elektroschrott. Laut EU-Parlament werden davon nur 42 Prozent recycelt. Auf EU-Ebene gibt es bereits Anstrengungen, um Elektroschrott zu verringern. Seit einem Jahr gilt die Ökodesign-Richtlinie: Hersteller von großen Haushaltsgeräten müssen dafür sorgen, dass die Ersatzteile sieben bis zehn Jahre lang verfügbar sind. Die Geräte müssen außerdem so gebaut sein, dass man sie zerlegen kann. VN-JUS

„Wir produzieren enorme Mengen an Elektroschrott und belasten dabei die Umwelt.“