Es begann mit einer langen Reise

Vorarlberg / 27.04.2022 • 18:29 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mit Partnerin Eveline ist Hugo Waldner 2008 zusammengezogen. HRJ
Mit Partnerin Eveline ist Hugo Waldner 2008 zusammengezogen. HRJ

An Abenteuern hat es in Hugo Waldners Leben bislang nicht gemangelt.

BREGENZ Obwohl die Reise neulich nach Äthiopien ziemlich anstrengend war, wirkt Hugo Waldner kein bisschen müde. Im Gegenteil: Dem durchaus fitten 79-jährigen Schweizer bereitet es sichtlich Vergnügen, Momente aus seinem aufregenden Leben zu beschreiben, das am 18. Jänner 1943 in Basel begonnen hat, und das sich seit 14 Jahren in Bregenz fortsetzt. So erfährt man auch, wie er in Vorarlberg gelandet ist.

24 Länder durchquert

Es beginnt mit einer langen Reise. Hugo Waldner, aufgewachsen in Basel mit Mutter, Vater und einer jüngeren Schwester, lebt nach dem Abschluss einer kaufmännischen Lehre drei Jahre in London und neun Monate in Belgien, um seine Englisch- und Französischkenntnisse zu perfektionieren. Wieder daheim in Basel, realisiert er seinen Traum, eine Weltreise zu unternehmen. Dafür braucht er allerdings Geld. Das verdient er in der Speditionsabteilung eines Warenhauskonzerns.

Im März 1968 ist es soweit. Begleitet von einem Freund startet er die Reise, die so lange dauern soll, bis das Geld ausgeht. Mit einem VW-Bus durchqueren die zwei Schweizer folgende Länder: Frankreich, Spanien, Marokko, Algerien, Niger, Nigeria, Kamerun, Angola, Namibia, Südafrika, Rhodesien (heute Simbabwe), Mosambik, Malawi, Tansania, Kenia, Indien, Thailand, Pakistan, Afghanistan, Iran, Türkei, Bulgarien, Rumänien, das damalige Jugoslawien. „Ich habe auf dieser Reise viel gesehen und viel erlebt“, sagt Hugo Waldner. An Abenteuern habe es nicht gemangelt. Wie etwa die 900-Kilometer-Tour durch die Sahara. Oder die Überfahrten auf Frachtschiffen von Kamerun nach Angola und von Kenia nach Indien. In Südafrika streikt der VW-Bus. Der Motor muss ausgetauscht werden.

Nach 13 Monaten und 42.000 Kilometern sind die Weltenbummler wieder daheim und das Auto beim Schrotthändler. Waldner nimmt zuerst Jobs in England, dann in Südafrika an, bis er, 30-jährig, wieder in der Schweiz sesshaft wird.

Als er Eveline Waldner begegnet, ist er 60 und einmal mehr auf Reisen. „Das war 2003 in Kambodscha“, erinnert er sich. Er und sie gehören zu einer Busreisegruppe, die von Thailand nach Kambodscha zu den Tempeln von Angkor tourt. „Wir sind zusammen in einer Fahrrad-Rikscha durch die Tempelanlage gerollt“, erzählt Waldner. „Ihr angenähert habe ich mich aber erst, als ich im Flugzeug neben ihr sitzen durfte. Ich fragte sie, ob ich ihre Hand halten darf.“ Er darf.

Bald danach fängt er an, mit dem Zug zwischen Basel und Bregenz zu pendeln. Nach seiner Pensionierung im Jahr 2008 übersiedelt er nach Bregenz. Im Jahr drauf wird geheiratet.

Für ihn als Deutschschweizer gebe es zwar keine Sprachbarriere, „doch die hiesigen Dialekte zu verstehen, ist schon mühsam“, gesteht er. Kein Verständnis hat er für die „extrem hohen Steuern, die man in Österreich zahlen muss“. Heimweh? Nein. „Wenn ich meine Familie, vor allem meine beiden Enkelkinder sehen möchte, bin ich in zweieinhalb Stunden in Basel.“

Und wie hält man sich mit 79 Jahren so fit, Herr Waldner? „Durch Berglaufen und durch Turnen. So kann ich hoffentlich noch oft nach Äthiopien fliegen.“ Seit 2016 ist Hugo Waldner mit anderen Pensionisten jedes Jahr nach Äthiopien gereist, um in Bore, einem Dorf auf 2700 Metern Höhe, die Hilfsprojekte der von Adolf Hölzlsauer gegründeten Privatinitiative zu unterstützen. „Wir haben mit dem Bau einer Schule begonnen. Inzwischen gibt es auch Lebensmittelverteilung, medizinische Versorgung, ein Näh- und ein Tischlereiprojekt“, informiert er. Finanziert wird alles mit Spendengeldern. (Gespendet werden kann ohne oder mit Crowdfunding: https://mit.einander.at)

Solidarität zeigen

Während der letzten Hilfsaktion in Bore, im März, erhielten 65 Personen medizinische Hilfe, und 532 Schüler wurden mit jodiertem Salz versorgt. „Dort leiden 30 Prozent der Bevölkerung an einem Kropf“, erklärt Waldner. Zudem wurde ein Tischlerei-Projekt gestartet, welches derzeit 22 Männern und zwei Frauen ermöglicht, das Tischler-Handwerk zu erlernen.

Die nächste Reise nach Äthiopien ist Anfang nächsten Jahres geplant. Bis dahin gibt es für Hugo Waldner viel zu organisieren, denn das Hilfsprojekt liegt ihm sehr am Herzen. „Es ist wichtig“, betont er, „Solidarität mit jenen Menschen zu zeigen, die nicht das Glück eines privilegierten Wohlstands haben“.

Hilfsaktion in Bore: Hugo Waldner registriert Patienten, die medizinische Hilfe brauchen. WALDNER
Hilfsaktion in Bore: Hugo Waldner registriert Patienten, die medizinische Hilfe brauchen. WALDNER