Älpler werden mit dem Wolf leben müssen, weil …

Vorarlberg / 28.04.2022 • 18:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Älpler werden mit dem Wolf leben müssen, weil ...
Das Älplerleben erzeugt viele idyllische Bilder. Die Alpwirtschaft muss jedoch mit großen Herausforderungen klarkommen. VN/Berchtold

Beim Alpwirtschaftstag ging es um TBC, Wolf und die Zukunftsperspektiven für Älpler und Tiere.

Hohenems Wie immer war der Veranstaltungssaal beim Alpwirtschaftstag im bäuerlichen Schul- und Bildungszentrum in Hohenems mit rund 300 Besuchern gut gefüllt. Endlich durften die Älpler nach Corona wieder in diesem Rahmen zusammenkommen. Zu besprechen gab es vieles, durchaus auch mit sorgenvollen Blicken in die Zukunft.

Arrangement mit dem Räuber

Eine dieser Sorgen betrifft den Wolf. Obwohl sich der zurückgekehrte Großwildräuber im vergangenen Jahr durch keinen einzigen Riss eines Nutztieres in Vorarlberg in Verruf brachte, ist die Angst vor ihm groß. Dass man sich mit dem Wolf irgendwie arrangieren wird müssen, räumte aber sogar Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger in seiner Rede ein. “Wir tun nix, nur der Wolf muss weg. Das ist zu wenig”, hielt er fest. Sehr wohl müsse es möglich sein, effizient einzugreifen, wenn das Raubtier zur Gefahr werde. “Unsere Vorfahren wussten schon, warum sie damals den Wolf zum Verschwinden brachten”, so Moosbrugger.

Als Problem erweist sich der Wolf sehr wohl zum Beispiel in der Schweizer Nachbarschaft. Wie der ehemalige Alpverantwortliche des Kantons Graubünden, Leonhard Hug, als Gastredner betonte, hätten in dieser Region schon einige Älpler wegen Schäden durch das Raubtier aufgegeben.

“Wir tun nix, nur der Wolf muss weg. Das ist zu wenig. Aber wir müssen bei Gefahr einschreiten dürfen.”

Josef Moosbrugger, Landwirtschaftskammerpräsident

Genauere Flächenberechnung

Entschiedene Maßnahmen verlangt Moosbrugger auch im Kampf gegen die TBC. Das Problem werde verschleppt, es brauche die konsequente Umsetzung von Maßnahmen nicht nur im Stall, sondern auch beim Wild.

Eine genauere Berechnung der Almflächen (wichtig für Förderungen) kündigte der LK-Präsident an. Möglich machen das verbesserte GPS-Systeme.

Grundsätzlich geht es den Älplern um mehr Anerkennung für ihre Tätigkeit in der breiten Öffentlichkeit. Dazu zählen auch faire Preise für die erzeugten Produkte, speziell vor dem Hintergrund der teurer gewordenen Betriebsmittel. Die Förderungen haben der aktuellen Situation zum Teil bereits Rechnung getragen.

In Vorarlberg werden bald schon wieder 520 Alpen mit rund 40.000 Tieren bestoßen. Diese werden von 1000 Älplerinnen und Älpler betreut. Die äußeren Bedingungen sind derzeit vielversprechend, auch wenn die Vegetation einmal mehr etwas vorschnell unterwegs zu sein scheint.