Jung gefreit hat selten gereut

Vorarlberg / 28.04.2022 • 17:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Paar kann zufrieden auf ein erfülltes Leben zurückblicken und freut sich auf die noch kommende Zeit.
Das Paar kann zufrieden auf ein erfülltes Leben zurückblicken und freut sich auf die noch kommende Zeit.

Bartholomäberg Heute, am 29. April, feiern Herlinde und Otto Fritz ihr 65-jähriges Hochzeitsjubiläum. Die Feier am 30. April beginnt mit einer Segnung in ihrer Heimatkirche in Bartholomäberg, anschließend wird im Gasthaus Mühle im Kreise der großen Familie und Freunden gefeiert.

Otto erblickte 1934 als drittes von sechs Kindern auf dem „Friaga“ das Licht der Welt. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf und war für seine Eltern eine große Stütze bei der Hofbewirtschaftung. In seinem Berufsleben arbeitete er bei nahezu allen Montafoner Bergbahnen, nebenberuflich war er viele Jahre Versicherungsbetreuer der VLV. Bewundernswerte 54 Jahre spielte er beim Musikverein Bartholomäberg die Klarinette und ist auch heute noch gern gesehener Gast bei den Konzerten seines geliebten Musikvereins. Seine große Sammelleidenschaft bescherte ihm eine stattliche Briefmarkensammlung und eine nicht minder stattliche Münzensammlung.

Herlinde kam 1938 als viertes von sechs Kindern auf dem Lutt/Bartholomäberg zur Welt. Oft erzählt sie, dass sie mit ihren Geschwistern trotz sehr karger Nachkriegsjahre eine unbeschwerte Kindheit erleben durfte. Die Mithilfe auf dem elterlichen Hof war für sie und ihre Geschwister unabdingbar. In ihren Jugendjahren arbeitete sie bis zur Hochzeit bei der Firma Getzner in Bludenz.

Neuer Lebensabschnitt

Bei einer Veranstaltung im Gasthof Fernblick funkte es zwischen den beiden, Herlinde war gerade mal 15, Otto 19 Jahre alt. Vier Jahre später feierten sie Hochzeit. Die ersten drei Jahre wohnten sie bei Ottos Familie auf dem Friaga. In diesen Jahren erbauten sie mit enorm viel Eigenleistung ein schönes Haus mit Stall auf dem in der Nachbarschaft gelegenen Grundstück. Glücklich bezogen sie 1960 mit ihren ersten beiden Kindern Werner und Andrea ihr eigenes Haus. Obwohl nur mit dem Allernotwendigsten eingerichtet, war die Freude über das eigene Heim riesig. Vier Jahre später gesellte sich Emil und ein weiteres Jahr später Kornelia zur nun mittlerweile sechsköpfigen Familie. Nach weiteren zwölf Jahren komplettierte Nesthäkchen Tanja die große Familie. Neben der vielen Arbeit mit Familie, Haus und Garten waren die Blumen rund ums Haus für Herlinde die große Leidenschaft, ebenso das Handarbeiten – auch heute mit ihren 84 Lenzen bestrickt sie mit viel Kreativität und Können die Puppen ihrer Urenkeltöchter.

Start in die Gästebetreuung

Um das Haushaltsbudget aufzubessern, beschlossen sie, in die Fremdenzimmervermietung einzusteigen. Im Hause Fritz waren die Urlaubssuchenden immer gern gesehene Gäste, und durch die liebevolle Betreuung von Herlinde und Otto entstanden im Laufe der 40 Jahre Zimmervermietung viele Freundschaften. Sobald es die Familiensituation zuließ, arbeitete Herlinde gelegentlich als Kellnerin, was ihr viel Freude bereitete und zudem so manch notwendige Anschaffung erleichterte. 1985 verunglückte Otto bei der Arbeit in seinem Obstgarten so schwer, dass er seiner Arbeit bei den Bergbahnen nicht mehr nachgehen konnte und mit nur 51 Jahren pensioniert wurde. 1986 starteten sie mit der Bewirtung der Kegelbahn in Vandans ein neues, gemeinsames Projekt, das, obwohl wie für sie geschaffen, doch eine große Herausforderung war. Den Kontakt mit vielen Menschen und die Freude am Wirten brachte nochmals ordentlich Schwung in ihr Leben, das ihrer Liebe zum geselligen Beisammensein sehr entgegenkam. Wann immer es die Zeit zuließ, gingen sie auf Reisen, auf denen sie fremde Länder und Kulturen kennenlernten. Heute genießen sie ihre gemeinsame Zeit in ihrem schönen Heim in Bartholomäberg und sind unendlich dankbar, dass sie trotz altersbedingten Beschwerden ihren Haushalt größtenteils noch selbst schaffen. Unterstützt werden sie bei Bedarf von ihrer Tochter Kornelia und ihrem Mann Mario, die im gleichen Haus wohnen. Mit Freunden einen zünftigen Jass zu klopfen oder ein Besuch im Café, um „a Schwätzle“ zu machen, sind willkommene Abwechslungen in ihrem Alltag, ebenso die Besuche ihrer Kinder, der zwölf Enkel und 16 Urenkel, auf die sie besonders stolz sind. Überhaupt sind sie der Überzeugung, dass es das Schicksal gut mit ihnen meinte und sie trotz Tiefschlägen auf ein schönes, gemeinsames und vor allem erfülltes Leben zurückblicken können.

Das junge Paar an seinem großen Tag am 29. April 1957.
Das junge Paar an seinem großen Tag am 29. April 1957.