Polizei: Warum die „Aktion scharf“ nun auch tagsüber zur Regel wird

Vorarlberg / 28.04.2022 • 15:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Polizei: Warum die „Aktion scharf“ nun auch tagsüber zur Regel wird
Zukünftig werden bei Schwerpunktkontrollen der Polizei auch tagsüber vor allem berauschte Lenker ins Visier genommen.

Ab sofort massive Verschärfung der Verkehrskontrollen mit Schwerpunkt Drogen und Alkohol in Vorarlberg.

Bregenz Die Überraschung war nicht alltäglich: Am vergangenen Dienstag und Mittwoch säumten in drei Vorarlberger Bezirken tagsüber plötzlich Großaufgebote von Polizisten neuralgische Punkte im Straßenverkehr (die VN berichteten). Doch nicht, um Routinekontrollen durchzuführen, etwa zur Überprüfung des Fahrzeugzustands. Sondern mit dem eindeutigen Fokus auf Alkohol und Drogen am Steuer.

Die Bilanz war bitter: So wurden nicht weniger als 16 durch Suchtmittel beeinträchtigte Fahrzeuglenker aus dem Verkehr gezogen. Und das am helllichten Tag.

Beamte flächendeckend geschult

Bisher wurden solche weitläufigen und massiven Schwerpunktkontrollen der Exekutive mit wenigen Ausnahmen nur in der Nacht durchgeführt. Doch die Ausnahmen werden nun zur Regel. Das bestätigte den VN auf Anfrage Rudolf Salzgeber, Leiter der Vorarlberger Verkehrspolizei. Der Grund dafür: „Wir haben bei vereinzelten Kontrollen festgestellt, dass auch am Tag berauschte Lenker unterwegs sind. Deshalb haben wir uns in Vorarlberg entschieden, zukünftig auch tagsüber Schwerpunktkontrollen durchzuführen, und zwar regelmäßig. In den Gemeinden und Bezirken. Man muss jederzeit damit rechnen.“ Eine Reduktion der Nachtkontrollen werde mit der neuen Regelung nicht einhergehen.

Doch stellt das die personelle Auslastung der Polizei nicht vor Grenzen? „Nicht nur in der Verkehrsabteilung, sondern auch in den Polizeiinspektionen im Land sind Beamte mittlerweile flächendeckend darin geschult worden, auch Drogenkontrollen durchzuführen“, sagt der Verkehrschef. Außerdem sei nun auch tagsüber ständig ein Polizeiarzt mit dabei, der die notwendigen klinischen Untersuchungen und Blutabnahmen vor Ort durchführt.

Polizei: Warum die „Aktion scharf“ nun auch tagsüber zur Regel wird
Rudolf Salzgeber, Leiter der Verkehrspolizei: „Zahl der Drogenlenker am Tag bedenklich hoch.“ Polizei

Ein Joint zum Frühstück

Die Schwerpunktkontrollen beginnen bereits um 8 Uhr morgens und dauern bis zum späten Nachmittag an. Es sei erschreckend, was bei den jüngsten Aktionen zutage getreten sei, schildert Salzgeber: „Am Tag sind verhältnismäßig viel mehr Personen mit Suchtgiftbeeinträchtigung als alkoholisiert unterwegs. Übrigens auch solche ohne Führerschein. Es handelt sich dabei vor allem um Lenker, die im Berufsverkehr unterwegs sind, also zur Arbeit fahren. Und wenn nur an einem Kontrollpunkt gleich ein Dutzend Suchtgiftbeeinträchtigte festgestellt werden, kann man sich vorstellen, wie bedenklich hoch hier die Dunkelziffer ist.“

Also ein Joint zum Frühstück sozusagen? „Nicht nur das“, bestätigt Salzgeber, „wir stellten bei den Probanden vor allem einen Mischkonsum von Cannabis und Kokain fest.“