Glück auf für den Stadttunnel

Vorarlberg / 29.04.2022 • 21:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Derzeit werden Leitungen in den Elisabeth-Stollen verlegt.
Derzeit werden Leitungen in den Elisabeth-Stollen verlegt.

Projektleiter Bernhard Braza zeigt den Altstadtstollen und erklärt die nächsten Bauetappen.

Feldkirch Es ist seit Jahrzehnten wohl das meistdiskutierte und mit Abstand größte Projekt der Montfortstadt: Die Rede ist vom Feldkircher Stadttunnel mit den vier Tunnelästen, die über den zentralen unterirdischen Kreisverkehr miteinander verbunden sind. Erst im März hat der Verwaltungsgerichtshof die Beschwerde der Bürgerinitiative „stattTunnel“ abgewiesen. Damit hat das Vorhaben die letzte juristische Hürde genommen.

2030 soll das Megaprojekt abgeschlossen sein. Bis dahin wird noch viel Wasser die Ill hinunter fließen und vor allem viel Felsmaterial gesprengt werden. Rund eine Million Tonnen ausgebrochenes Gestein wird anfallen, erklärt Projektleiter Bernhard Braza bei einem VN-Lokalaugenschein des Erkundungsstollen Altstadt. Der sogenannte Elisabeth-Stollen, benannt nach der Tisner Ortsvorsteherin Elisabeth Pucher, wurde kürzlich von den Monteuren des Schrunser Unternehmens Jäger Bau fertiggestellt.

100 Kilo Sprengstoff

Für die insgesamt 250 Meter lange Röhre, die bis ins Gemeindegebiet Frastanz reicht, wurden seit November täglich zwei bis drei Sprengungen mit 100 Kilogramm Sprengstoff durchgeführt. Bei jedem Schuss wurden etwa zwei Meter Gestein gelöst. „Das Material besteht zu einem großen Teil aus Schrattenkalk und hat eine gute Qualität. Es kommt zum Beispiel als Zusatz für die Betonverarbeitung zum Einsatz“, erklärt Braza. Später wird der Stollen als Rettungs- und Versorgungstunnel dienen.

Der Bauablauf sieht zwei Bauphasen vor. In der ersten Bauphase werden die Tunneläste Felsenau, Tisis, Altstadt sowie der Kreisel inklusive der dazugehörigen Gewerke errichtet. In der zweiten Bauphase wird der Tunnelast Tosters gebaut. Herzstück des mindestens 270 Millionen Euro teuren Tunnelsystems wird der unterirdische Kreisverkehr sein, vergleichbar mit der Größe des Kreisverkehrs Dornbirn Nord. Im Stadttunnel wird eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h gelten.

Kürzlich starteten die Vorarbeiten für den 1200 Meter langen Erkundungsstollen Tisis, der ab September gebaut werden soll. „Es wurden Weichenanlagen für den Abtransport des Materials mit dem Zug sowie Lärmschutzwände errichtet“, führt der Bauingenieur aus. Im Herbst wird mit der Umlegung der L 190 im Portalbereich Felsenau gestartet. Dort soll unter anderem eine Radwegunterführung errichtet werden. Ende 2023 soll mit den Arbeiten am Haupttunnel begonnen werden.

Mit dem Bau der vier Tunnelröhren und des unterirdischen Kreisels ist es allerdings nicht getan, betont Projektleiter Braza. Damit sich der Verkehr zukünftig nicht trotzdem durch die Feldkircher Innenstadt staut, werden dort zahlreiche begleitende Maßnahmen getroffen. So wird es unter anderem gezielte Fahrverbote sowie zusätzliche Busspuren geben.

Wie stemmt der Bauingenieur ein Projekt dieser gigantischen Dimension? „Das Ganze ist nur durch den Einsatz eines großen, tollen Teams und der Beteiligung vieler Unternehmen möglich. Und es ist natürlich kein Job, bei dem man um 16 Uhr heimgeht“, sagt Braza mit einem Schmunzeln. VN-MIH, RAU

Leiter des Megaprojekts ist Bernhard Braza. Den VN gibt er einen Einblick in den 250 Meter langen Altstadtstollen.VN/RAU
Leiter des Megaprojekts ist Bernhard Braza. Den VN gibt er einen Einblick in den 250 Meter langen Altstadtstollen.VN/RAU

Stollen Altstadt

250 Meter lang ist der Stollen. Jener in Tisis wird 1200 Meter lang.

Drei Sprengungen pro Tag wurden gemacht. Bis zu zweieinhalb Meter drang man pro Sprengung vor.

Ende 2023 soll mit dem Haupttunnel begonnen werden.