Kleine Bauernfamilie mit großen Sorgen

Vorarlberg / 29.04.2022 • 19:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Maria, Ramona und Peter Hagspiel führen ihren Betrieb mit viel Herz.VN/Lerch
Maria, Ramona und Peter Hagspiel führen ihren Betrieb mit viel Herz.VN/Lerch

Familie Hagspiel aus Hittisau fürchtet um ihre Existenz.

Hittisau Die Energiekosten steigen. Die Preise für Milchprodukte steigen. Und auch der Druck auf die heimischen Bauern steigt. Denn nur weil Butter und Käse teurer werden, heißt das nicht, dass auch die Produzenten mehr verdienen. Dies zeigt das Beispiel der Familie Hagspiel aus Hittisau.

„Wenn das so weitergeht, können wir uns bald keinen Treibstoff mehr leisten, keine Versicherung zahlen und keine Bestandteile für die Maschinen mehr kaufen“, sagt Peter Hagspiel. Der 69-Jährige sorgt sich im Hinblick auf die steigenden Produktionskosten und den im Vergleich seit Jahren stagnierenden Milchpreis um das Lebenswerk seiner Familie und die Zukunft der Bauern. „Wir sind auch Direktvermarkter und Vermieter“, erklärt Tochter Ramona. Über Jahrzehnte hat die Familie Hagspiel laufend investiert, um die Auflagen zu erfüllen und den kleinbäuerlichen Betrieb auf solide Standbeine gestellt. Die 32-Jährige hat die Landwirtschaftsschule absolviert und kümmert sich um alles rund um Stall, Vermietung und Gäste sowie die Produkte. Mama Maria fährt dreimal die Woche ins Rheintal zum Bauernmarkt, um die Waren zu verkaufen.  „Die Natur, das Klima und das Tierwohl sind uns sehr wichtig“, sagt Ramona. Vom Milchgeld bleibe da aber nichts mehr übrig. „Ich würde mir eine gerechte Entlohnung und eine strukturierte Landwirtschaft wünschen.“

Druck wächst

Auch Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger treibt die aktuelle Entwicklung Sorgenfalten auf die Stirn. „Grundsätzlich haben wir in Vorarlberg ein stabiles System. Aber andererseits stehen die Landwirte aufgrund der Steigerung der Produktion von günstigen Lebensmitteln in Europa unter Druck.“ Zudem würden die Verkaufspreise für landwirtschaftliche Produkte zwar zulegen, in der Wertschöpfungskette sei der Anteil der Landwirte aber über die Jahre stetig gesunken. „Irgendwann geht sich das alles nicht mehr aus.“ Für den Landwirtschaftskammerpräsident ist klar: „Es muss ein Umdenken geben, was Lebensmittel wert sind. Es liegt am Verbraucher, bewusst einzukaufen. Lieber weniger Fleisch und Wurstwaren kaufen, dafür zwar etwas mehr zahlen, aber es kommt aus der Region. Eine klare Kennzeichnung sei daher notwendig. VN-mef

„Es muss ein Umdenken geben, was Lebensmittel wert sind, und es gilt bewusst einzukaufen.“

Ramona Hagspiel liegen Tierwohl und Umwelt sehr am Herzen.
Ramona Hagspiel liegen Tierwohl und Umwelt sehr am Herzen.
Kleine Bauernfamilie mit großen Sorgen

Aus der Statistik

» Je Betrieb liegt das Einkommen aus der Land- und Forstwirtschaft in Vorarlberg im Durchschnitt bei 22.574 Euro (abzüglich Sozialversicherungsbeiträge), je betriebliche Arbeitskraft bei 14.851 Euro. Durch außerlandwirtschaftliche Tätigkeiten werden im Durchschnitt noch 7100 je Arbeitskraft dazuverdient (Quelle: Grüner Bericht 2020).

» Im Jahr 2005 hielt die Landwirtschaft an der Wertschöpfungskette noch einen Anteil von 20,2 Prozent, im Jahr 2019 nur mehr 17,5 Prozent. (Quelle: LK)

» Im Jahr 2018 lag der Milchpreis, der den Landwirten ausbezahlt wurde, in Österreich im Durchschnitt bei 37 Cent pro Kilo, im Jahr 2021 bei rund 39 Cent pro Kilo. (Quelle: Statistik Austria)