Anklage hält Gutachten zurück

Vorarlberg / 03.05.2022 • 22:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
An dieser Stelle im Lustenauer Ried wurde die Leiche von Janine G. gefunden. VN/Hartinger
An dieser Stelle im Lustenauer Ried wurde die Leiche von Janine G. gefunden. VN/Hartinger

Mordfall Janine G. Obduktionsbericht seit 20. April fertig. Anwälte erhielten ihn noch nicht.

Feldkirch Die regelmäßige Frage von Sanjay Doshi, Anwalt eines der beiden Beschuldigten im Fall Janine G., nach Erkenntnissen aus dem gerichtsmedizinischen Gutachen ist seit Wochen stets dieselbe. “Es gibt noch kein Gutachten, wird mir vom Gericht immer gesagt.” Auch am Dienstag hätte Doshi ein Tonband mit dieser Antwort laufen lassen können. Er verhehlt nicht, dass er diese Situation für sehr ärgerlich hält. “Normalerweise müsste das in einem solch brisanten Fall einfach schneller gehen.”

Tat vor zwei Monaten

Auch Opferanwalt Stefan Denifl bleiben diese für betroffene Anwälte wichtigen Aktenteile derweil noch verwehrt. Er nimmt es gelassen zur Kenntnis, wiewohl auch er sich darüber wundert, dass bei ihm noch kein Obduktionsbericht eingelangt ist. “Es sind seit der Tat jetzt doch schon zwei Monate vergangen.” Janine G. wurde am 3. März getötet, ihre Leiche zwei Tage später im Lustenauer Ried entdeckt. Ermittlungen führten kurz darauf zu zwei verdächtigen Männern, die wenig später verhaftet wurden und seitdem in Untersuchungshaft sitzen.

Gutachten da

Dass das gerichtsmedizinische Gutachten noch nicht bei den in den Fall involvierten Anwälten eingelangt ist, ist die eine Sache. Dass das Gutachten jedoch bereits fertiggestellt und an die Staatsanwaltschaft Feldkirch geschickt wurde, eine andere.

Auf VN-Anfrage sagte der für das Gutachten verantwortliche Gerichtsmediziner Walter Rabl: “Es ist bereits fertig und wurde am 20. April an die Staatsanwaltschaft Feldkirch geschickt.” Laut Rabl ist es üblich, dass dieses den Anwälten gleich zur Verfügung gestellt wird. Wurde es aber noch nicht. Dass die Mühlen am Landesgericht Feldkirch offensichtlich langsam mahlen, zeigt sich auch bei der Bestellung des psychiatrischen Gutachters. Noch wurde offiziell nämlich kein Gutachter bestellt. Als Favorit für die Übernahme des Jobs gilt Reinhard Haller. Für die Angehörigen von Mordopfern ist es sehr wichtig, wenn alle Entwicklungen rund um die Tat einschließlich Prozess möglichst schnell vorübergehen. “Selbstverständlich erkläre ich meinen Mandanten das ganze Prozedere, und dass alles nicht so schnell geht”, betont Opferanwalt Denifl. In Mordfällen dauere es gewöhnlich ein Dreivierteljahr, bis zu einer rechtskräftigen Anklageschrift und rund ein Jahr, bis es zum Prozess kommt.

„Das Gerichtsgutachten ist seit dem 20. April fertig. Ich habe es bereits abgegeben.“

Anklage hält Gutachten zurück