HPV-Impfung könnte billiger werden

Vorarlberg / 03.05.2022 • 18:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Laut Weltgesundheitsorganisation reicht schon eine Impfdosis für den Krebsschutz.

bregenz Rund 600 Euro mussten Eltern bis vor nicht allzu langer Zeit noch hinblättern, wollten sie ihre Kinder gegen Humane Papillomaviren (HPV) impfen lassen und damit gegen Feigwarzen und Gebärmutterhals- sowie andere Krebsarten vorbeugen. Doch die finanziellen Aufwendungen für drei Dosen waren vielen zu hoch. Schätzungen zufolge sind in Österreich derzeit gerade einmal 40 Prozent der Mädchen bis 15 Jahre geimpft.

Ab neun Jahren empfohlen

Nun könnte sich das Blatt wenden, denn eine Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt in aktuellen Studien zum Schluss, dass eine Impfdosis ausreicht, um sich vor Gebärmutterhalskrebs zu schützen. „Dies könnte ein Wendepunkt sein, zumal die Kosten bislang das größte Hemmnis waren“, gibt sich  auch Gynäkologe und Vorsorgemediziner Hans Concin überzeugt. Er appelliert deshalb an Eltern, Lehrer und die Politik, wieder mehr Augenmerk auf die HPV-Impfung zu legen. Sie wird Mädchen und Buben ab neun Jahren empfohlen. Durchgeführt werden sollte sie vor den ersten Sexualkontakten. Concin will jedoch betont haben, dass sexuelle Kontakte zwar der häufigste, aber nicht ausschließliche Übertragungsweg sind.

Kein Ersatz für Vorsorge

Vor einigen Jahren wurde die HPV-Impfung für die 9- bis 11-Jährigen in das nationale Impfprogramm aufgenommen. Für sie ist die Impfung also kostenlos. Für die 12- bis 18-Jährigen würde die Impfung auf Basis der WHO-Erkenntnis nur noch 77 Euro kosten, für die über 18-Jährigen 156 Euro. Laut dem Mediziner gibt es für die Impfung keine Altersgrenze. „Sie ist für jedes Alter zu empfehlen“, sagt Hans Concin. Ein Ersatz für die Krebsvorsorge, etwa im Zusammenhang mit dem Gebärmutterhalskrebs, ist sie jedoch nicht. „Die Impfung verhindert, dass das Virus eindringen kann. Ist es schon da, hat sie keine Wirkung mehr“, erklärt Concin. Den vorbeugenden Nutzen der Impfung gibt er mit 90 Prozent an.

Inzwischen verfügt die Pathologie im LKH Feldkirch auch über neue Methoden, um das Vorhandensein von HP-Viren festzustellen, und zwar mittels Abstrich. „Diese Technik ist sehr verlässlich“, sagt Concin. Werden keine HP-Viren nachgewiesen, könnte der Abstrich seiner Ansicht nach auf ein Drei-Jahres-Intervall ausgedehnt werden. Der normale Krebsabstrich sollte bekanntlich jedes Jahr durchgeführt werden. Der HPV-Abstrich ist in 20 Prozent der Fälle positiv. Dann erfolgt zusätzlich ein Zellabstrich. In Vorarlberg besteht eine Wahlmöglichkeit. Hans Concin rät grundsätzlich zum routinemäßigen HPV-Abstrich, da dieser deutlich sensitiver sei, und zur Impfung, zumal HP-Viren für zahlreiche Krebserkrankungen verantwortlich sind. Dazu zählen neben dem Gebärmutterhalskrebs auch Scheidenkrebs, Schamlippenkrebs, Afterkrebs sowie Krebserkrankungen im Bereich der Mundhöhle und des Rachens. Auch diese Tumorerkrankungen würden durch die Impfung in relevantem Maße reduziert. Hans Concin spricht bei der HPV-Impfung von einer sicheren Impfung. Allein 2019 wurden seinen Aussagen zufolge 363 Millionen HPV-Impfungen verabreicht.

Vorsorge greift

In Vorarlberg greift die 1970 eingeführte Vorsorge bei Gebärmutterhalskrebs gut. Es gibt pro Jahr etwa 18 Fälle. Dabei handle es sich fast nur um Frauen, die entweder gar nicht oder längere Zeit nicht bei der Vorsorge waren. Concin: „Heute muss keine Frau  mehr an Gebärmutterhalskrebs sterben.“ VN-MM

„Das könnte ein Wendepunkt sein, denn bislang waren die Kosten das größte Hemmnis.“