Künstlerherz für die Jugend

Vorarlberg / 03.05.2022 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Künstlerherz für die Jugend
Reiseerfahrungen spielen bei den Arbeiten von Melanie Greußing eine bedeutende Rolle. VN/Stiplovsek

Melanie Greußing webt an neuem Werk und vernetzt Jugend und Kultur.

Schnepfau Viele suchen es ihr Leben lang. Melanie Greußing hat es bereits gefunden. Das, wofür ihr Herz schlägt: Fotografie, Textil-Design-Kunst, Reisen, Netzwerken. „Kunst bedeutet für mich Freiheit“, sagt die 34-Jährige und ihr Blick schweift dabei über den verschneiten Berggrat vor ihr. Hier ist Melanie Greußing mit zwei Geschwistern aufgewachsen, im Schnepfauer Ortsteil Hirschau, am Fuß der Kanisfluh. Wie oft sie schon auf deren Gipfel war, vermag sie nicht zu sagen. Wandern sei die Leidenschaft der Familie Greußing, erzählt sie.

Auf Wanderschaft

Auf großer Wanderschaft war Melanie Greußing auch, was ihr Leben und ihre Kunst betrifft. Eine Analogkamera im Schrank, Fotos, Bücher, Projektbeschreibungen und Einladungen auf dem Tisch sowie eine Webarbeit an der Wand spiegeln dies in ihrem Wohnzimmer wider. Hier entsteht gerade das jüngste Werk der Bregenzerwälderin. Mit flinken Fingern webt sie fünf Millimeter breite Streifen einer Lkw-Plane zu einem Motiv mit Reisehintergrund. Zu sehen ist ein Mann mit Segelboot. Das Bild ist auf einer Kanadareise entstanden. „Es gibt keine Ankunft, ohne vorher fort zu sein. Beziehungsweise muss es erst ein Da geben, um aufzubrechen“, schildert die 34-Jährige die Gedanken zu ihrer jüngsten Arbeit, die genauso wie weitere Werke der Hirschauerin von Mitte Mai bis Oktober im Egg-Museum zu sehen sein wird.

Melanie Greußing ist am Fuß der Kanisfluh aufgewachsen.
Melanie Greußing ist am Fuß der Kanisfluh aufgewachsen.

Keine Ankunft ohne vorher fort zu sein, scheint auch auf die Heimatgefühle von Melanie Greußing zuzutreffen. Mit 18 Jahren zog es sie an die Kunstuniversität in Linz, wo sie Kunstpädagogik und Textil-Kunst-Design studiert hat. Sie habe schon als Schülerin gewusst, dass sie später Künstlerin werden will. Heute handeln ihre Werke etwa von Nähe und Distanz, Verbindungen, der Bedeutung von Berührungen und Zeit.

Herzensangelegenheiten

Im Zuge ihrer beruflichen Reise war Melanie Greußing später an der Kunstuniversität in Linz als Ausbilderin tätig und war auch an einer Landesausstellung am Salzburg Museum und dort als Kuratorin beschäftigt. Dabei entstand „Herz aller liebst“. Ein Buchprojekt, das Melanie Greußing aufgrund der Bedeutung für Frauen nicht nur als Herausgeberin, sondern auch aus Überzeugung sehr am Herzen liegt. Wenn die 34-Jährige von Reisen mit Studenten und anderen Erlebnissen erzählt, geht ihr das Herz auf. So hat sie verschiedene europäische Kulturmetropolen besucht und Peru, Kanada, Kuba oder Marokko bereist. „Australien fehlt noch“, sagt sie lächelnd.

Meine Reisen und meine berufliche Laufbahn haben mir einen völlig neuen Blick auf die Heimat beschert.

Melanie Greußing, Künstlerin und GF Double Check

Die Reisen und ihre bisherige Laufbahn haben ihr einen anderen Blick auf die Heimat beschert, ist sie sich sicher. Im vergangenen Jahr zog es Melanie Greußing ins Elternhaus nach Hirschau zurück, des Jobs wegen. Seit gut einem halben Jahr ist sie Geschäftsführerin des Vereins Double Check. Ihr Arbeitsplatz in Hohenems ist der Ort, an dem all ihre Erfahrungen und Fertigkeiten zu einem Komplettbild verschmelzen. Bei ihrer Arbeit geht es nämlich darum, Kultur und Bildung noch enger zu vernetzen, also Kinder und Jugendliche mit Künstlern zusammenzubringen.

„Ich war lange weg, bin aber sofort angekommen“, sagt Melanie Greußing. Zurück zu ihren Wurzeln in den Bregenzerwald und dorthin, wofür ihr Herz schlägt.

Zur Person

Melanie Greußing

Geboren 13. Juli 1987

Ausbildung Kunstpädagogikstudium, Masterstudium Textil-Kunst-Design

Wohnort Hirschau

Hobbies Joggen, Fotografie, Reisen

Motto Wollen ist Können