Waffentransporte im Visier

Vorarlberg / 04.05.2022 • 22:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Oleksiy Sokolyuk (50) vor seinem zerstörten Haus in der Stadt Irpin. RTS
Oleksiy Sokolyuk (50) vor seinem zerstörten Haus in der Stadt Irpin. RTS

Russland droht mit Zerstörung von NATO-Waffentransporten.

Kiew, Moskau Russland wolle NATO-Waffentransporte in der Ukraine als zu zerstörende Ziele betrachten, zitiert die Nachrichtenagentur RIA den russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu. In der Nacht auf Mittwoch wurden laut eigenen Angaben daher mehrere Eisenbahnstationen in der Ukraine mit Langstreckenraketen beschossen. Schoigu sprach auch von weiteren Gebietsgewinnen in den ostukrainischen Separatistengebieten Luhansk und Donezk, nannte aber keine Details. Viele internationale Militärexperten sind der Auffassung, dass Russlands Offensive im Donbass seit Kriegsbeginn am 24. Februar nur recht schleppend vorankommt. Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums teilte dazu am Mittwoch mit: “Es wurden sechs Umspannwerke der Eisenbahn nahe der Stationen Pidbirzi, Lwiw, Wolowez, Tymkowe und Pjatichatka vernichtet, durch die Transporte von Waffen und Munition aus den USA und den europäischen Ländern für die ukrainischen Truppen im Donbass liefen.”

500 Ziele

Darüber hinaus berichtete der Sprecher über schwere Luft- und Artillerieangriffe der russischen Truppen entlang der Front. So hätten Artillerieeinheiten rund 500 Ziele beschossen, darunter Kommando- und Stützpunkte, Depots und Truppenansammlungen. Dabei seien mehr als 300 ukrainische Soldaten getötet worden. Russland hält auch an der Belagerung des Stahlwerks Asowstal in der südostukrainischen Hafenstadt Mariupol fest, in dem ukrainische Kämpfer und Zivilisten ausharren. Die Blockade werde fortgesetzt, sagte Verteidigungsminister Schoigu.

Russland soll nach Angaben Kiews am Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland am 9. Mai eine Militärparade im weitgehend eroberten Mariupol planen. Der stellvertretende Leiter der Moskauer Präsidialverwaltung, Sergej Kirijenko, sei in Mariupol eingetroffen, um die Feierlichkeiten vorzubereiten, teilte der ukrainische Militärgeheimdienst am Mittwoch mit. Mariupol solle nach den Plänen Moskaus ein Zentrum der “Feierlichkeiten” am 9. Mai werden. Die zentralen Straßen der Stadt würden derzeit “von Trümmern, Leichen und nicht explodierten Sprengkörpern gesäubert”. “Eine groß angelegte Propagandakampagne ist im Gange”, erklärte der ukrainische Militärgeheimdienst weiter.

Die Vereinten Nationen beziffern nach mehr als zwei Monaten Krieg die Gesamtzahl der getöteten Zivilisten auf mehr als 3200. Sie gehen aber von weitaus höheren Opferzahlen aus. In der Umgebung der ukrainischen Hauptstadt Kiew werden beinahe täglich weitere Leichen von Zivilisten gefunden. Bis Mittwoch seien insgesamt 1235 ermordete Zivilisten entdeckt worden, teilte der Chef der Gebietsverwaltung, Olexander Pawljuk, am Mittwoch im Nachrichtendienst Telegram mit.