Autofreies Ried an Sonntagen rückt näher

Vorarlberg / 05.05.2022 • 19:09 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Derzeit ist die Situation für Fahrradfahrer im Ried unbefriedigend. VN/Paulitsch
Derzeit ist die Situation für Fahrradfahrer im Ried unbefriedigend. VN/Paulitsch

Parteiübergreifend Zustimmung für Initiative der Anrainergemeinden. Verkehrsrechtliches Gutachten läuft.

Lauterach Wilfreid Schneider ist viel mit dem Fahrrad unterwegs. Ein Blick auf den Tacho seines E-Bikes dokumentiert die Leidenschaft. 13.000 Kilometer hat der Harder in zwei Jahren vorwiegend zwischen Rheindelta, dem Ried bis ins Oberland heruntergespult. „Besonders schön war die Zeit, als das Ried für den Autoverkehr gesperrt war“, sagt der 63-Jährige. Das könnte an Wochenenden bald zu einer neuen Normalität werden.

Die Anrainergemeinden wollen den motorisierten Verkehr ausbremsen, das idyllische Naherholungsgebiet Fahrradfahrern, Inlineskater und Fußgängern tageweise exklusiv zur Verfügung stellen. Ein Vorhaben, das schon diesen Sommer Realität werden könnte. Noch steht allerdings das Ergebnis eines verkehrsrechtlichen Gutachtens aus.

Was für Bregenz der Bodensee ist, ist für Lustenau und die Hofsteiggemeinden das Ried. Lauterachs Bürgermeister Elmar Rhomberg schwärmte am Mittwoch bei Vorarlberg LIVE von einem Naturjuwel und der Idee eines autofreien Rieds an Sonntagen, die im Landhaus schon zu lange in den Schubladen schlummert. Den Plan-B-Gemeinden, die regionale Mobilität auf ihre Fahnen geschrieben haben, geht es nicht schnell genug. Schon vor einem Jahr hätten sie die zuständigen Landesräte informiert, passiert sei nichts. Gestern sind erneut Schreiben der Gemeinden an die Ressortverantwortlichen Marco Tittler (45, ÖVP) und Daniel Zadra (37, Grüne) verschickt worden.

Zadra, in dessen Zuständigkeit Öffentlicher Verkehr und Radwege fallen, kann dem Vorhaben der Gemeinden nur Positives abgewinnen. Man habe durch die Sperre wegen der Bauarbeiten gesehen, wie gut ein autofreies Ried bei der Bevölkerung angekommen sei. „Ich unterstütze die Pläne voll und ganz.“ Zadra geht noch einen Schritt weiter, würde eine Sperre für den motorisierten Verkehr nicht auf den Sonntag begrenzen, sondern auf das ganze Wochenende inklusive Samstag ausdehnen. Befahren dürften aber nur die Straßenanlagen werden. „Der Nutzungsdruck links und rechts der Straßen darf nicht steigen. Das Ried ist ein sensibles Gebiet“, so Zadra.

Verkehrsrechtliches Gutachten

Im Landhaus wird an der Umsetzung gearbeitet. Das Ressort von Landesrat Tittler hat ein verkehrsrechtliches Gutachten in Auftrag gegeben. Wenn die juristischen Voraussetzungen gegeben sind, könne es sehr schnell gehen, sagt Zadra. „Es braucht ja keine großen baulichen Maßnahmen“, hofft er, dass das autofreie Ried an Wochenenden noch im Sommer Realität sein wird.

Das hoffen auch die Bürgermeister der Anrainergemeinden. Kurt Fischer, Gemeindechef in Lustenau, sieht angesichts der aktuellen Energiekrise einen Autoverzicht in der Freizeit ohnedies als angebracht. Das Fahrverbot für den motorisierten Verkehr an Wochenenden hätte auch für die Anrainer in den durch den Verkehr stark belasteten Straßenabschnitten einen positiven Nebeneffekt. „Die Menschen in den Wohngebieten könnten wenigstens am Sonntag einmal aufatmen“, so Fischer weiter.

Abkürzungen durchs Ried

Genutzt würden die Straßen im Ried an Wochenenden ohnedies vorwiegend von Autofahrern, die eine Abkürzung suchten. Diese Beobachtung hat jedenfalls Lauterachs Bürgermeister Elmar Rhomberg gemacht. Viele Autos mit deutschen und Schweizer Kennzeichen seien an Sonntagen unterwegs. „Die wollen wir nicht im Ried und auch nicht in den Ortszentren.“

Für Fahrradfahrer wäre das Aus für Autos im Ried ein Segen. „Gerade für Familien mit Kindern ist es so viel zu gefährlich“, sagt Hubert Hämmerle. Der Pensionist aus Dornbirn sieht in einem tageweisen Fahrverbot die Chance, dass mehr Menschen die Schönheit des Rieds entdecken. Er jedenfalls habe es sehr genossen, als die Senderstraße wegen der Bauarbeiten für Autos gesperrt war.

„Für die Umsetzung braucht es keine großen baulichen Maßnahmen.“

Ich habe in den letzten beiden Jahren mit meinem E-Bike 13.000 Kilometer zurückgelegt. Besonders gerne bin ich zwischen Rheindelta, dem Ried bis ins Oberland unterwegs.Als das Ried für den Autoverkehr gesperrt war, war das Fahrradfahren hier etwas Außergewöhnliches. So ein autofreier Tag wäre jedenfalls eine echte Bereicherung. Wilfried Schneider, Hard

Ich habe in den letzten beiden Jahren mit meinem E-Bike 13.000 Kilometer zurückgelegt. Besonders gerne bin ich zwischen Rheindelta, dem Ried bis ins Oberland unterwegs.Als das Ried für den Autoverkehr gesperrt war, war das Fahrradfahren hier etwas Außergewöhnliches. So ein autofreier Tag wäre jedenfalls eine echte Bereicherung. Wilfried Schneider, Hard

Wir haben die Zeit genossen, als das Ried autofrei war. Wenn das zukünftig tageweise der Fall wäre, dann würden das sicherlich viele Menschen in der Region nutzen. Gerade für Familien mit Kindern ist es so viel zu gefährlich. Hubert Hämmerle, Dornbirn

Wir haben die Zeit genossen, als das Ried autofrei war. Wenn das zukünftig tageweise der Fall wäre, dann würden das sicherlich viele Menschen in der Region nutzen. Gerade für Familien mit Kindern ist es so viel zu gefährlich. Hubert Hämmerle, Dornbirn

Als keine Autos hier unterwegs waren, hat es richtig Spaß gemacht. Ich fände es jedenfalls cool, wenn das Fahrrad Vorrang hätte und das Ried für Autos gesperrt würde. So ein autofreier Sonntag wäre jedenfalls etwas, das ich unterstützen würde. Mathias Johannsen, Lauterach

Als keine Autos hier unterwegs waren, hat es richtig Spaß gemacht. Ich fände es jedenfalls cool, wenn das Fahrrad Vorrang hätte und das Ried für Autos gesperrt würde. So ein autofreier Sonntag wäre jedenfalls etwas, das ich unterstützen würde. Mathias Johannsen, Lauterach